1. FSV Mainz 05
·2 April 2025
Marius Schaefer: "Entscheidend ist die Entscheidung"

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Rund 8.500 Menschen warten in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan. Marius Schaefer stand im Alter von 11 Jahren selbst auf der Warteliste und war auf eine Spenderlunge angewiesen. Er wartete vergeblich. Sein Leben retteten damals seine Eltern, die ihm Teile ihrer Lungen spendeten. Das war einerseits eine medizinische Sensation und verdeutlichte gleichzeitig, wie groß der Mangel an Spenderorganen in Deutschland war und immer noch ist. "Das Thema begegnet der Bevölkerung viel zu selten im Alltag", sagt Angela Ipach vom Verein "Junge Helden", der das Ziel hat Jugendliche und junge Erwachsene über Organspende aufzuklären, sie zu motivieren eine Entscheidung zu treffen und diese Angehörigen und Freunden mitzuteilen.
Auch deshalb ist Marius Schaefer ehrenamtlicher Botschafter von "Junge Helden" geworden. Am Samstag rund um das Heimspiel gegen Holstein Kiel informieren er und das Team von "Junge Helden" über das Thema Organspende und verteilen Organspendeausweise im 05-Design. "Ich möchte den Menschen mitgeben, wie wichtig eine Organspende ist, dass eine Organspende nicht nur Leben schenkt, sondern vor allem auch Lebensqualität. Entscheidend ist die Entscheidung", betont er im Hinblick auf die Widerspruchsregelung, die in Deutschland noch nicht gilt.
Wir haben mit Marius und Angela über Organspende, den Verein "Junge Helden, die Widerspruchsregelung und Marius' bewegende Geschichte gesprochen.
Hallo Marius, du bist als Kind mit Mukoviszidose aufgewachsen, einer Stoffwechselkrankheit bei der zäher Schleim in den Zellen entsteht, und lebenswichtige Organe nach und nach verstopft. Wie hast du mit dieser Erkrankung deinen Alltag gestalten können?
Ziemlich normal, weil ich es nicht anders kannte. Trotzdem hat man ab dem Kindergartenalter gemerkt, dass ich anders war. Ich musste viel husten, war nicht so leistungsfähig. Bei mir war schnell im wahrsten Sinne des Wortes die Luft raus. Wir haben als Familie immer versucht, das Beste daraus zu machen.
Wie habt ihr das geschafft?
Wir haben der Krankheit nur so viel Raum gegeben, wie sie eingefordert hat. Ich erinnere mich an ein Jahr, als ich vor einem geplanten Skiurlaub Fieber bekommen habe und ins Krankenhaus musste. Wir sind trotzdem gefahren und ich habe ich in den Bergen meine Infusion in der Gondel bekommen. Wir haben schon immer geschaut, dass wir trotz meiner Erkrankung viel machen können. Das hat mich sehr geprägt für mein Leben.
Inwiefern?
Ich habe immer daran orientiert, was ich kann und nicht daran, was ich nicht kann. Meine Eltern, mit denen ich sehr großes Glück habe, sind da vorbildlich vorangegangen. Sie haben mich bestärkt, Dinge zu tun, nicht in Watte gepackt und sehr viel Positivität mitgegeben.
Im Alter von 11 Jahren warst du dann auf eine Spenderlunge angewiesen. Das war, trotz deiner positiven Einstellung zum Leben, sicherlich keine leichte Zeit.
Absolut nicht, neben all den schönen Momenten war die Krankheit immer da und hat mich stark eingeschränkt. Mit 10 hätte ich eigentlich schon Sauerstoff mit in die Schule nehmen müssen. Das wollte ich aber nicht, denn ich wollte normal sein. Wenn man mich gefragt hat, wie es mir geht, habe ich gesagt: ‚gut‘. Auch, wenn es mir schlecht ging. Um Weihnachten 2011 herum war klar, dass ich eine neue Lunge brauche.
Wie hat es sich angefühlt, diese Nachricht zu erhalten?
Ich wusste ja, dass der Moment irgendwann kommen würde. Aber wenn man das ins Gesicht gesagt bekommt, ist es noch tausendmal schlimmer, als man es sich vorstellen kann.
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