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·28 January 2026
Mike Wunderlich: Der Kölsche Bilderbuch-Lautrer

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Mike Wunderlich durchlebte eine bewegende Fußballkarriere, die auf den ersten Blick nie besonders spektakulär erschien. Im großen Rampenlicht stand der gebürtige Kölner ebenfalls nicht. Auch für den großen Sprung in die Bundesliga hat es in erster Linie aus persönlichen Gründen nicht gereicht. Aus dem Wunsch, gegen den FC Bayern oder Borussia Dortmund anzutreten, wurde „Antriebslosigkeit”. Wunderlich selbst beschrieb diese Phase seiner Karriere mit den Worten: „Da brach eine Welt zusammen.” Seiner Gesundheit zuliebe wagte er den Schritt zurück in den Amateurfußball – nur um rund zehn Jahre später mit dem 1. FC Kaiserslautern doch noch eine ganz besondere Geschichte zu schreiben. Den Aufstieg in die zweite Liga.
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Die Verpflichtung von Mike Wunderlich sorgte im Umfeld des pfälzischen Traditionsvereins durchaus für einige Überraschung. Der offensive Mittelfeldspieler war das Gesicht seines Heimatvereins Viktoria Köln, für den bereits sein Vater Franz als Spieler aufgelaufen war und in dem er seit 2011 in verschiedenen Funktionen tätig ist. Mit 35 Jahren war Wunderlich zudem alles andere als eine zukunftsorientierte Verpflichtung.
Doch all jene Zweifel konnte Wunderlich auf dem Platz eindrucksvoll widerlegen. Unter Trainer Marco Antwerpen, den er noch aus gemeinsamen Kölner Zeiten kannte, entwickelte sich die Nummer 28 schnell zum unangefochtenen Stammspieler und Publikumsliebling. Mit jeweils sieben Toren und Vorlagen hatte er maßgeblichen Anteil am Erreichen des Relegationsplatzes in der 3. Liga. Wunderlich bestritt in seiner ersten Saison für den FCK 37 von 38 Spielen.
Auch im entscheidenden Relegationsrückspiel war es Wunderlich, der mit einer sehenswerten Vorlage das wichtige 1:0 vorbereitete und somit zur Rückkehr der Roten Teufel in die 2. Bundesluga beitrug. Unvergessen die Bilder vom Lautrer Stiftsplatz, als Mike Wunderlich mit einer überdimensionierten Flasche Jack Daniel's in der Hand FCK-Lieder gröhlend anstimmte. Magic Mike und der FCK – das passte von Beginn an wie die Faust aufs Auge.
Auch in der 2. Bundesliga, in der Wunderlich zuletzt am 10. November 2011 im Trikot des FSV Frankfurt auf dem Platz stand, schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Trotz des Trainerwechsels von Antwerpen zu Schuster war der Rechtsfuß auch nach der Vorbereitung weiterhin gesetzt. Beim emotionalen 2:1-Auftaktsieg gegen Hannover 96 erzielte er einen Treffer und wurde mit 36 Jahren und 112 Tagen der älteste Zweitliga-Torschütze des FCK. Seinen bis dahin unangefochtenen Stammplatz musste Wunderlich für Neuzugang Philipp Klement räumen. Zu wenig für den Antreiber und Teamplayer, der gerade aufgrund seines Alters regelmäßig spielen wollte.
In einem späteren Interview mit Sport1 beschrieb Wunderlich seinen Abgang vom FCK wie folgt: „Ich habe alles für den FCK gegeben. In jeder Sekunde. Ich habe mich auch mit 36 in der zweiten Liga durchgesetzt und in den ersten zehn Spielen immer auf dem Platz gestanden. Ich konnte dem Team auch dort helfen. Dann wurde Philipp Klement für meine Position geholt, und ich war plötzlich draußen. Ich konnte machen, was ich wollte, doch (...) man wollte auf Klement setzen. Das hat schon wehgetan, weil es zu Unrecht war. Ich konnte das nicht nachvollziehen. Meine Leistungen haben gestimmt, und ich war als Typ wichtig für das Team." Entsprechend trennten sich die Wege in der Winterpause – ein Schritt, den viele Fans bedauerten, wenngleich seine Rückkehr zu Viktoria Köln ganz im Sinne eines jeden Fußballromantikers war und sich richtig anfühlte.
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Nach seiner emotionalen Rückkehr wurde Wunderlich in Köln mit offenen Armen empfangen. In 20 Partien trug er noch einmal das Trikot seiner Viktoria, stand dabei in 16 Spielen in der Startelf und steuerte jeweils vier Tore und vier Vorlagen bei. Damit erfüllte er sich den Wunsch, in seinen letzten Monaten als Profi noch einmal eine wichtige Rolle auf dem Platz einzunehmen.
Ein Abschiedsspiel zwischen Viktoria Köln und dem 1. FC Kaiserslautern im September 2023, einige Wochen nach seinem offiziellen Karriereende, bildete schließlich den würdigen Schlusspunkt seiner Laufbahn und zeigte, wie sehr der technisch hoch veranlagte Spielmacher von beiden Fanlagern geschätzt wurde.
Ein Leben ohne Fußball? Für Mike Wunderlich keine Option. Bereits mit Bekanntgabe seines Karriereendes kündigte er an, künftig als Trainer tätig sein zu wollen. Nach einer kurzen Auszeit, in der er im Gebäudereinigungs- und Dienstleistungsunternehmen seines Vaters arbeitete, übernahm er im Juli 2023 seinen ersten Cheftrainerposten beim Mittelrheinligisten Bergisch Gladbach 09.
Nach rund 15 Monaten trennten sich jedoch die Wege wieder. Wunderlich und sein Co-Trainer legten ihre Ämter nieder, da sie der Überzeugung waren, dass die Mannschaft neue Impulse benötige. Auch hier zeigte sich eine der prägenden Eigenschaften des heute 39-Jährigen: Selbstkritik, Reflexion und Handeln im Sinne der Sache statt des eigenen Egos.
Anfang 2025 folgte ein besonderes Abenteuer. Wunderlich wurde als Trainer in der von Toni Kroos und dem Streamer Elias Nerlich gegründeten Kleinfeldliga „Icon League” vorgestellt. Er coachte dort das Team B2B United, dessen Teamchef der deutsche Nationalspieler Benjamin Henrichs ist, und sammelte weitere Erfahrungen in einem völlig anderen Fußballumfeld.
Im Sommer 2025 heuerte Mike Wunderlich als Cheftrainer beim Ahrweiler BC an. Dort konnte der 39-Jährige mit einer beeindruckenden Bilanz auf sich aufmerksam machen. In 22 Pflichtspielen für den Rheinlandligisten standen 17 Siege, drei Unentschieden und lediglich zwei Niederlagen bei einem beeindruckenden Torverhältnis von 72:26 zu Buche.
Die gute Arbeit des noch jungen Cheftrainers blieb nicht unentdeckt. Am 2. Januar verkündete der sich im Abstiegskampf befindende Regionalligist Wuppertaler SV, dass Wunderlich mit sofortiger Wirkung das Traineramt übernimmt und den einstigen Bundesligisten im Kampf gegen den Absturz in die Bedeutungslosigkeit führen soll. Sein einziges Pflichtspiel als Trainer des WSV ging jedoch mit 0:1 gegen das Tabellenschlusslicht Velbert verloren.
Für die Roten Teufel absolvierte Wunderlich 56 Pflichtspiele, erzielte elf Tore und bereitete neun weitere Treffer vor. Im Sommer 2023 hing er seine Fußballschuhe schließlich an den Nagel. Anfang des Jahres 2026 bot sich dem gebürtigen Kölner mit dem Sprung in die Regionalliga eine große Chance, seine Trainerqualitäten unter Beweis zu stellen. Es bleibt spannend, wohin der Weg von Mike Wunderlich im Trainergeschäft noch führen wird. Wer weiß – vielleicht sehen wir den Lautrer Aufstiegshelden eines Tages als Trainer im Profigeschäft oder sogar als Cheftrainer auf dem Betzenberg wieder.
🕒 Karriere-Stationen von Mike Wunderlich:
1995–2005: Bayer Leverkusen/1. FC Köln (Jugend-Stationen)
2010-2011: FSV Frankfurt (Top-Spieler der 2.Liga, 28 Spiele, 10 Torbeteiligungen)
2011-2021: Viktoria Köln (absolute Vereinslegende, 323 Spiele, 190 Tore)
2021-2023: 1. FC Kaiserslautern (Schlüsselspieler, 56 Spiele, 20 Scorerpunkte)
2023-2023: Viktoria Köln (Karriereende bei seinem Herzensverein)








































