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·3 April 2026

Nach dem Verpassen der WM 2026 Qualifikation: Blamage, Rücktritte, Staatsaffäre im italienischen Fußball

Article image:Nach dem Verpassen der WM 2026 Qualifikation: Blamage, Rücktritte, Staatsaffäre im italienischen Fußball

Italiens Fußball steckt nach dem erneuten Verpassen der WM-Qualifikation tief in der Krise. Rücktritte, Personaldebatten und sogar politische Konsequenzen prägen die Tage nach dem nächsten Scheitern der Squadra Azzurra. Nun soll sogar die Fußball EM 2032 wegen den alten Fußballstadien auf der Kippe stehen.

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Italiens Sportminister Andrea Abodi (l.), CONI-Präsident Luciano Buonfiglio (M.) und FIGC-Präsident Gabriele Gravina (r.) verfolgen das WM-Qualifikations-Play-off-Spiel zwischen Bosnien und Herzegowina und Italien am 31. März 2026 im Stadion Bilino Polje in Zenica von der Tribüne aus. Getty Images


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Über Ostern herrscht im italienischen Fußball keine Ruhe, sondern „Grande Confusione“. Die erneute Blamage in der WM-Qualifikation inklusive der daraus folgenden Rücktritte hat das Land des viermaligen Weltmeisters weiter fest im Griff. Schon am Karfreitag machten erste Namen die Runde, die den zerstörten Fußball wiederaufbauen sollen: Paolo Maldini und Gianni Rivera gelten als Favoriten für den seit Gründonnerstag vakanten Posten des Verbandspräsidenten. Sollte Gennaro Gattuso wie erwartet seinen Rücktritt erklären, könnten Antonio Conte oder Roberto Mancini als Nationaltrainer nachfolgen. Die Tifosi werden ihre Meinung zu all den Planspielen wohl bereits am Samstag zeigen, wenn die Serie A unter dem Eindruck des dritten verpassten WM-Qualifikationsanlaufs in Serie in den Saisonendspurt startet.

Politik mischt sich ein, Gravina und Buffon gehen voran

Auch auf staatlicher Ebene wächst der Druck. In den Tagen danach soll sogar Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im Parlament über den Verfall des Fußballs sprechen. Regierung und Opposition drängten mit seltenem Gleichklang bereits auf den Rücktritt von Verbandspräsident Gabriele Gravina, der dem Druck nachgab und sein Amt zur Verfügung stellte. Für den 22. Juni sind Neuwahlen bei der FIGC angesetzt.

Der nächste Schritt folgte prompt: Auch Sportchef Gianluigi Buffon legte sein Amt nieder. Damit ist die Aufarbeitung längst nicht abgeschlossen, und die Diskussion über Verantwortliche, Strukturen und Konsequenzen läuft weiter.

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Gian Luigi Buffon zieht Deutschland aus dem Lostopf

„Wenn wir 2030 die vierte Ohrfeige vermeiden wollen, müssen wir uns beeilen“

Die Gazzetta dello Sport warnte den Verband und das ganze Land eindringlich: „Wenn wir 2030 die vierte Ohrfeige vermeiden wollen, müssen wir uns beeilen.“ Einigkeit besteht unter den Analysten vor allem darin, dass die Probleme tief reichen und struktureller Natur sind. Sportminister Andrea Abodi brachte es auf den Punkt: „Es ist offenkundig, dass der Fußball neu aufgebaut werden muss.“

Während die Politik noch nach weiteren Schuldigen sucht, rät UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zum Blick in den eigenen Spiegel. „Die Politiker tragen mehr Schuld als Gravina“, sagte er und kritisierte zugleich: „Ihr habt hier eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas.“ Für den Co-Gastgeber der EM 2032 drohte er sogar mit dem Entzug der Ausrichtung, falls sich die Infrastruktur nicht den Erwartungen entsprechend entwickelt.

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Italien Trainer Gennaro Gattuso – WM 2026 Qualifikation: Italien vor dem WM-Aus – und die Schuld schiebt Trainer Gattuso anderen zu (Foto Depositphotos.com)

Marode Stadien, ausländische Profis und die Debatte um Quoten

Die Sorgen reichen von den Stadien bis zur Ausbildung einheimischer Spieler. Einerseits stehen marode Arenen im Fokus, andererseits die starke Fixierung auf ausländische Profis. Bei der AC Mailand stand zuletzt nur ein Italiener in der Startelf, Tabellenführer Inter Mailand und Meister SSC Neapel brachten es jeweils auf zwei. Nach 30 Spieltagen liegt der beste italienische Torschütze der Serie A bei acht Treffern.

Deshalb wird auch über harte Vorgaben diskutiert. Senatspräsident Ignazio La Russa brachte eine Prozent-Regel ins Spiel: Die Vereine sollen verpflichtet werden, mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen. Diese Hürde würden nicht nur Milan, Inter und Napoli reißen. Auch Como Calcio marschiert mit fünf Siegen in Serie Richtung Champions League, kam dabei aber in keinem dieser Spiele mit einem Italiener in der Startelf aus.

Ceferin bezeichnete viele Kritiker in diesem Zusammenhang als Heckenschützen. „Es macht mich wütend und traurig, dass es Menschen gibt, die versteckt darauf warten, dass etwas schiefgeht, um dann hervorzuspringen“, sagte er. „Sagt mir, welcher italienische Spieler wurde nicht berufen – und hätte berufen werden sollen?“ Eine Antwort darauf blieb in der Osterhektik aus.

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