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·12 July 2026

Nationalmannschaft: Die Baustellen des neuen Bundestrainer Jürgen Klopp

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Jürgen Klopp verhandelt mit den Bossen des deutschen Fußballs in New York über den Posten des Bundestrainers, eine Einigung rückt offenbar näher. Mit ihm würden beim DFB nicht nur Personalfragen auf den Tisch kommen, sondern gleich mehrere Grundsatzthemen: Team, Talente, Taktik und die viel zitierte DNA der Nationalelf.

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Julian Nagelsmann, damals Trainer von RB Leipzig, und Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, begrüßen sich nach dem Champions-League-Achtelfinale am 16. Februar 2021 in der Puskás Aréna in Budapest. (Foto: Laszlo Szirtesi/Getty Images)


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Eine Mannschaft im Umbruch

Beim Kader steht für Klopp zuerst die Frage nach dem Umfang des Schnitts. Manuel Neuer ist bereits weg, weitere Abschiede dürften folgen. Die Ü30-Fraktion um Oliver Baumann oder Antonio Rüdiger wäre ein naheliegendes Opfer, doch ebenso stellt sich die Frage, ob Klopp auch die sogenannte Generation nix um Kapitän Joshua Kimmich anfasst, also die Jahrgänge 1995 und 1996. Als logisch gilt der Abschied von Leroy Sané oder Leon Goretzka. Entscheidend wird sein, genau zu prüfen, wer diese Mannschaft in Zukunft tragen kann. Zugleich gilt es, das vorhandene Potenzial endlich verlässlich abzurufen, eine Disziplin, für die Klopp seit Jahren steht.

Baustelle 1: Team & Kaderumbruch

  • Generationswechsel steuern: Nach dem Abgang von Manuel Neuer muss Klopp entscheiden, wie radikal der Umbruch ausfällt.
  • Zukunft der Routiniers klären: Die „Ü30-Fraktion“ um Oliver Baumann und Antonio Rüdiger gilt als potenzielles Streichkandidaten-Duo.
  • „Generation nix“ bewerten: Auch die Jahrgänge 1995/96 um Kapitän Joshua Kimmich stehen auf dem Prüfstand; Abschiede von Spielern wie Leroy Sané oder Leon Goretzka scheinen logisch.
  • Potenzial abrufen: Klopp muss herausfinden, wer die Mannschaft der Zukunft verlässlich tragen kann und das vorhandene Leistungspotenzial endlich auf den Platz bringen.

Talente, Idee und Spielplan

Auch beim Nachwuchs würde Klopp sofort in ein vertrautes Feld kommen. Er gilt als Förderer junger Spieler und ebnete einst Mario Götze den Weg in die Weltklasse. Beim DFB stehen bereits mehrere neue Namen bereit, darunter Lennart Karl, Assan Ouédraogo, Said El Mala und Nicolò Tresoldi. Hinzu kommen Jamal Musiala, Florian Wirtz, Nathaniel Brown und Aleksandar Pavlovic, die alle noch keine 24 Jahre alt sind. Jonas Urbig drängt in München wie auch beim DFB ins Tor, obwohl Manuel Neuer beim FC Bayern weiter macht.

Philipp Lahm brachte es mit Blick auf die Entwicklung der Nationalmannschaft auf den Punkt: „Unser System wird immer gute Spieler hervorbringen“, sagte der frühere Weltmeister-Kapitän, „viel wichtiger ist es, eine Nationalmannschaft zu entwickeln“. Dazu brauche es vor allem eines: „Wir brauchen wieder mehr Klarheit, wie wir Fußball spielen wollen.“

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Lennart Karl beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 5. Juni 2026 im Soldier Field in Chicago, einen Tag vor dem Länderspiel gegen die USA. (Alexander Hassenstein / Getty Images)

Baustelle 2: Talente & Nachwuchsförderung

  • Neue Gesichter einbauen: Klopp ist als Förderer bekannt und soll junge Talente wie Lennart Karl, Assan Ouédraogo, Said El Mala oder Nicolò Tresoldi integrieren.
  • U24-Generation weiterentwickeln: Stars wie Jamal Musiala, Florian Wirtz, Nathaniel Brown und Aleksandar Pavlovic müssen geführt werden, ebenso wie Torwart-Talent Jonas Urbig.
  • Mannschaftsgefüge stärken: Laut Philipp Lahm reicht es nicht, nur gute Einzelspieler zu produzieren; das Hauptziel ist es, daraus wieder eine funktionierende Mannschaft zu formen.

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Klare Taktik statt Verwirrung

Genau an dieser Stelle setzt Klopp an. Im desaströsen WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay hatte die DFB-Auswahl über drei Viertel der Spielzeit den Ball, kam aber nur zu einem Treffer. Lahm sah dabei „keine Idee, wie sie agieren, wie sie zu Torchancen kommen, wie sie den Gegner vom eigenen Tor fernhalten will“. Klopp dagegen steht für einen einfacheren, schnörkellosen Heavy-Metal-Fußball mit schnellen Angriffen nach Ballgewinn. „Wir waren mal Fußball-Deutschland“, sagt Klopp. „Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir richtig ran.“ Und auf die Frage nach dem Kern des Problems antwortet er trocken: „Finde den Fehler im System.“ Es geht dabei auch um Ausbildung und Verzahnung.

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Aleksandar Pavlović begrüßt Jürgen Klopp nach dem 7:1-Sieg Deutschlands gegen Curaçao im WM-2026-Gruppenspiel am 14. Juni 2026 im Houston Stadium in Houston, Texas. (Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die Spielidee ist für Klopp untrennbar mit einer klaren Identität verbunden. Der frühere DFB-Kapitän Ilkay Gündogan bezeichnet genau das als das A und O. „Ich hatte bei der WM aber das Gefühl, dass die Spieler selbst nicht so richtig wussten, was unsere DNA ist.“ Die Frage lautet also: Wer sind wir eigentlich, der viermalige Weltmeister oder ein Außenseiter? Klopp forderte als TV-Experte schon zuvor, man müsse „runter vom hohen Vier-Sterne-Ross“ und sich auch einmal trauen, Außenseiterfußball zu spielen, über Zweikämpfe in die Partie zu finden und zunächst Gegentore zu verhindern. Bei einer WM gelang das letztmals im Finale 2014. In den USA räumte der inzwischen zurückgetretene Julian Nagelsmann ein, dass die Last der ewig hohen Erwartungen zu Hektik, Ungeduld und Chaos geführt habe. „Harakiri!“, rief er verzweifelt. Genau den Glauben an die eigene Stärke müsste Klopp zurückbringen, und das dürfte wohl niemand so gut können wie er. Dazu gehört auch mehr Verantwortung, wie das Elfmeterschießen gegen Paraguay zeigte.

Baustelle 3: Taktik & Spielidee

  • Klarheit schaffen: Die von Julian Nagelsmann oft als „zu kompliziert“ empfundenen Vorgaben müssen vereinfacht werden.
  • Heavy-Metal-Fußball etablieren: Klopp soll für eine schnörkellosere Spielweise mit überfallartigen Angriffen nach Ballgewinnen sorgen.
  • Offensive Effizienz: Den fehlenden Ertrag trotz hohen Ballbesitzes (wie beim desaströsen WM-Aus gegen Paraguay) beheben.
  • Systemfehler finden: Die Verzahnung und Ausbildung im deutschen Fußball optimieren, um wieder zu „Fußball-Deutschland“ zu werden.

Kommunikation, Macht und Ausbildung

Neben Taktik und Kader würde auch Klopps Kommunikation beim DFB sofort zum Faktor. Nagelsmann habe zuletzt offenbar auch die Mannschaft verloren, heißt es in der Bewertung seines Auftritts. Sein stetes Hin und Her bei Personalien, die öffentliche Einzelkritik, das unnötige In-den-Senkel-Stellen von Stars wie Fanliebling Deniz Undav, die missglückte Moderation der Neuer-Causa und die teils selbstverliebte Art kamen intern nicht gut an. Klopp trägt sein Ego zwar ebenfalls mit sich, doch er kann eine Wagenburgmentalität erzeugen, ein klares Wir gegen die Welt. Genau damit könnte er auch die Fans nach einem Jahrzehnt voller Rückschläge mitreißen. Belastend bleibt allerdings, dass sein Ruf bei Traditionalisten durch das Engagement bei Red Bull gelitten hat. Hilfreich wäre deshalb, wenn er sich schnell auf eine identitätsstiftende Achse festlegt und jeden Spieler auf seiner besten Position einsetzt.

Baustelle 4: Kommunikation & Führung

  • Wagenburgmentalität erzeugen: Das „Wir gegen den Rest der Welt“-Gefühl wecken, um Spieler und Fans nach Jahren der Enttäuschung wieder mitzureißen.
  • Vertrauen der Fans zurückgewinnen: Besonders nach seinem polarisierenden Red-Bull-Engagement muss Klopp Zweifler überzeugen.
  • Fehler der Vergangenheit vermeiden: Keine öffentlichen Einzelkritiken, kein unnötiges Bloßstellen von Spielern (wie bei Deniz Undav) und ein klares Personalmanagement etablieren.
  • Stabilität schaffen: Eine identitätsstiftende Achse bilden und Spieler konstant auf ihren besten Positionen einsetzen.

Am Ende entscheidet aber auch die strukturelle Basis. Jeder Bundestrainer ist nur so gut wie das Material, das ihm zur Verfügung steht. Klopp selbst hat bereits gefordert, „ab der U10“ müsse beim DFB alles strukturell hinterfragt werden. Gündogan rät ebenfalls dazu, „sich jetzt auch mal die Dynamiken innerhalb des DFB“ anzuschauen, „bis hinunter in die Jugendakademien“. Der Verband hat den Mangel erkannt und steuert seit 2024 gegen. Klopp sollte dabei nicht in Allmachtsfantasien verfallen, sondern gute Leute wie Hannes Wolf arbeiten lassen. Zudem soll Per Mertesacker kommen, der die Akademie des FC Arsenal acht Jahre lang geleitet hat.

Baustelle 5: Ausbildung & Verbandsstrukturen

  1. Basisarbeit unterstützen: Strukturen bis in die U10 und die Jugendakademien hinterfragen.
  2. Zusammenarbeit fördern: Keine „Allmachtsfantasien“ entwickeln, sondern Experten wie Hannes Wolf und den designierten Akademie-Leiter Per Mertesacker ihre Arbeit machen lassen.
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