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·17 February 2026
Neuer Modus: Mehr Geld, aber sonst? – 3 Thesen zur Champions League

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·17 February 2026

Wer schafft es ins Achtelfinale der Champions League? Die Playoff-Hinspiel-Partien stehen an und bringen neben interessanten Paarungen auch einige Fragen zum neuen Modus mit.
Zu den Hinspielen der Champions-League-Playoffs formuliert Jakob Haffke drei mehr oder minder steile Thesen zu den anstehenden Partien und dem generellen Geschehen in der Königsklasse.
Das Last-Minute-Tor Anatolij Trubins verbunden mit dem dramatischen Weiterkommen Benficas und dem Aus für Olympique Marseille und 61 Tore in 90 Minuten Konferenzschaltung – der achte und letzte Spieltag hat doch eindrucksvoll gezeigt, dass das neue Format der Champions League ein voller Erfolg ist, oder?
So einfach ist die Antwort nicht. Denn das späte Spektakel täuscht über vieles weg, was nicht funktioniert. Bis wenige Minuten vor dem Ende der 18 parallel laufenden Spiele am 8. Spieltag war nicht klar, was ein Tor in einem Spiel für die Tabelle bedeutet. Einige Treffer bedeuteten teils drastische Veränderungen für das Tabellenbild. Das mag aus Gründen des Entertainments interessant und aufregend sein. Es hat jedoch wenig mit einem sportlich integren Wettbewerb zu tun. Das am Ende zahlreiche Teams nur durch die Tordifferenz getrennt sind und diese über das Einziehen in die Playoffs oder das Aus entscheidet ist generell fragwürdig. Berücksichtigt man jedoch, dass alle Teams ihre Resultate gegen unterschiedliche Gegner eingefahren haben, wird es absurd.
Tottenham Hotspur dient als perfektes Beispiel für die Ungerechtigkeit des „Schweizer Formats“. Die Spurs landeten auf einem hervorragenden vierten Platz. Ihr Programm war jedoch geradezu lächerlich einfach. Die Nordlondoner spielten gegen vier Teams, die unter den letzten zwölf landeten und direkt ausschieden. Dazu kommen drei weitere Mannschaften aus der unteren Hälfte der Play-Off-Teams. Mit Paris Saint-Germain stand nur ein Gegner Tottenham in der Abschlusstabelle höher als Platz 17. Und selbst PSG schaffte es nicht unter die Top Acht.
Ein Grund dafür: Die Pariser wiederum trafen nur auf ein Team, dass in der Endabrechnung schlechter als Platz 16 dastand. Drei der Gegner PSGs schafften es hingegen unter die Top Acht.
Aus diesen völlig unterschiedlichen Aufgaben für 36 Teams eine einzige Tabelle zu basteln, ist unlogisch und wird auch in Zukunft nicht funktionieren. Dazu kommt das Fehlen von Heim- und Auswärtsspielen, dass den Wettbewerbsgedanken weiter ad absurdum führt.
Die „Pseudoauslosung“ der Playoffs sorgt außerdem für mehrere Paarungen, die es im alten Format (das im Übrigen auch seine Schwächen hatte), aus verschiedenen Gründen nicht gegeben hätte. Mit der AS Monaco und PSG treffen die beiden verbliebenen französischen Vertreter direkt in der ersten KO-Runde aufeinander. In einem europäischen Wettbewerb nicht unbedingt erstrebenswert. Bereits in der vergangenen Saison war dies der Fall. Damals „durfte“ Stade Brest, als Belohnung für ein sensationelles Weiterkommen, direkt in den Playoffs gegen PSG ran.
Spiele zwischen Bayer Leverkusen und Olympiakos Piräus, sowie zwischen Real Madrid und Benfica, gab es an den letzten beiden Spieltagen der Ligaphase bereits. Etwas mehr Abwechslung bei der Auslosung würde sicherlich nicht schaden. Die vermeintliche Fairness einer Setzliste ist bei den marginalen Unterschieden in Punktzahl, Toren und dem Weg, auf dem diese erreicht werden, auch weitestgehend hinfällig.
Meine These daher: Es wird sich nichts ändern, solange das Geld stimmt, doch für einen spannenden, ausgewogenen und relativ fairen Wettbewerb ist das neue Champions-League-Format pures Gift.

Foto: Getty Images
Die letzten beiden Champions-League-Spiele verlor Borussia Dortmund und verspielte damit einen Platz unter den letzten Acht. Doch die Form in der heimischen Bundesliga stimmt weiterhin. Seit der 1:2-Niederlage bei Bayern München am 18. Oktober ist der BVB ungeschlagen, zuletzt gab es sechs Siege in Serie. Das Team von Niko Kovac spielt nicht oft spektakulär, erledigt seine Aufgaben aber mit beeindruckender Stabilität und lässt Ergebnisse für sich sprechen.
Gegen Atalanta werden den Dortmundern allerdings mit Kapitän Emre Can, Abwehrchef Niko Schlotterbeck, Niklas Süle und Filippo Mane wohl gleich vier Kandidaten für die Besetzung der Dreierkette fehlen. Es wird spannend zu sehen, ob Kovac erneut dem jungen Luca Reggiani das Vertrauen schenkt. Zuletzt bewies der BVB aber immer wieder, dass er in der Lage ist mit Rückschlägen umzugehen. Die immer wieder kehrenden Ausfälle von Leistungsträgern warfen die Schwarz-Gelben ebenso wenig aus Bahn, wie die Formkrise von Serhou Guirassy, Rückstände oder späte Gegentreffer. Kovac hat den BVB enorm stabil und resilient gemacht.
Atalanta reist zwar ebenfalls mit guter Ligaform nach Nordrhein-Westfalen. Doch in der Champions League verspielte das Team von Raffaele Palladino in den letzten zwei Spielen einen Platz unter den Top Acht. Niederlagen gegen Athletic Club und Union Saint-Gilloise waren aber ungleich bitterer, als die verlorenen Spiele der Dortmunder gegen Tottenham Hotspur und Inter Mailand. Zudem fehlen den Bergamasken mit Charles De Ketelaere und Giacomo Raspadori zwei der wichtigen Offensivspieler.
Meine These daher: Der BVB wird den Personalsorgen in der Abwehr trotzen und für eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel sorgen.

Foto: Getty Images
Über 4000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Newcastle und Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, in der Qarabag Agdam seine Heimspiele in der Champions League austrägt. Sicherlich gibt es einfacheres, als unter der Woche diese Reise auf sich zu nehmen. Sieben Punkte holte Qarabag aus den bisherigen vier Heimspielen, eine mehr als beachtenswerte Quote. Die Qualifikation für die Playoff-Runde ist bereits ein Riesenerfolg für das Team von Gurban Gurbanov. Doch gegen Newcastle United wird Qarabags Reise jetzt zu gehen.
Zwar hat das Team von Eddie Howe in der Liga immer wieder Probleme. Doch in der Champions League zeigt sich, wie stark die Premier League, im Vergleich zu den anderen Ligen Europas, inzwischen ist. Vier der fünf Teilnehmer landeten in den Top Acht. Auch Newcastle verpasste diese nur knapp. Gerade die physische Wucht und das hohe Tempo der englischen Teams sind für viele Konkurrenten einfach zu viel. Das gleiche Schicksal wird trotz der langen Reise auch Qarabag Agdam ereilen. Newcastle wird mit einem Sieg im Gepäck ins Rückspiel gehen.
Ebenfalls ungemütlich könnte es für Inter Mailand werden. Die Nerrazurri fürchtet jedoch weniger die Reise an sich nach Norwegen. Auch das Wetter ist mit Temperaturen um den Gefrierpunkt zwar kalt, aber nicht so extrem, wie befürchtet. Das Hauptproblem, dass jeder Gast von Bodö/Glimt in dieser Saison hatte, ist der Kunstrasenplatz. So verlor beispielsweise Manchester City am 7. Spieltag auf ungewohntem Geläuf. Doch Inter selbst befindet sich in herausragender Form. Im Jahr 2026 gelangen dem Team von Cristian Chivu zehn Siege in zwölf Spielen.
Zudem schafft es Chivu mehr als sein Vorgänger Simone Inzaghi sein Team zu rotieren. So bekommen Schlüsselspieler immer wieder eine Pause. Die zweite Reihe Inters ist deutlich verlässlicher geworden. Diese Tiefe im Kader macht Inter zu einem der Geheimfavoriten für die Champions League. Auch der komfortable Vorsprung von acht Punkten in der Serie A spricht dafür, dass Inter einen starken Saisonendspurt hinlegen könnte. Auf diesem Weg wird sich Inter auch im Norden Norwegens nicht stoppen lassen.
Meine These daher: Trotz langer Reisestrapazen oder ungewohnter Platzverhältnissen bürden sich Newcastle und Inter keine Hypothek fürs Rückspiel auf, sondern lösen ihre Aufgaben souverän.
Jakob Haffke
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