Polats Paraguay-Parole: Kolossale Katastrophenstimmung muss für 90 Minuten maximaler Motivation der Mannschaft weichen | OneFootball

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·19 June 2026

Polats Paraguay-Parole: Kolossale Katastrophenstimmung muss für 90 Minuten maximaler Motivation der Mannschaft weichen

Article image:Polats Paraguay-Parole: Kolossale Katastrophenstimmung muss für 90 Minuten maximaler Motivation der Mannschaft weichen

Mit dem Rücken zur Wand? Die Türkei braucht gegen Paraguay eine Reaktion

Am Samstagmorgen um 5:00 Uhr (MEZ) könnte es bereits eins dieser berühmten „mit dem Rücken zur Wand“-Do-or-Die-Games für die türkische Nationalmannschaft werden. Im zweiten Spiel der Gruppe D gegen Paraguay steht für die „Milli Takim“ gehörig was auf dem Spiel. Bei einer Niederlage gegen die Südamerikaner und einem Punktgewinn der USA gegen Australien wäre die Halbmond-Auswahl bereits vor dem letzten Gruppenspiel gegen die Amerikaner ausgeschieden. Der Grund: Bei Punktgleichstand in der Gruppe entscheidet der direkte Vergleich über die Platzierung und nicht die Tordifferenz.

Warum jeder Punkt entscheidend sein kann

Dies bedeutet: Auch ein hoher Kantersieg gegen die USA würde dann nicht mehr reichen, um Dritter zu werden, selbst wenn Paraguay gegen Australien verliert. Im direkten Vergleich bei jeweils drei Punkten auf dem Konto wäre Paraguay schließlich Dritter der Gruppe D und die Türkei raus. Und auch als Dritter mit drei Punkten (also einem Sieg gegen Paraguay und einer Niederlage gegen die USA) wäre noch kein Garant fürs Weiterkommen gegeben, denn nur die „besten acht Gruppendritten“ der zwölf Gruppen kommen weiter. Fazit: Jeder Punkt zählt und vier, aber ganz sicher sechs Zähler könnten oder würden mit Sicherheit reichen.


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Das vereinfachte Resümee dieser Konstellation ist für die türkischen Fußball-Fans und vor allem die Mannschaft denkbar einfach. ES IST NOCH ALLES DRIN und ES IST ERST VORBEI, WENN DIE TÜRKEI SAGT, ES IST VORBEI. Mit diesem glasklaren Gedanken muss das türkische Team die heikle Aufgabe gegen Paraguay angehen. Kein leichtes Unterfangen, hagelte es doch massive Kritik an den Spielern und am Trainer Vincenzo Montella nach der 0:2-Pleite gegen die Australier. Von spielerischem Komplettausfall über die Körpergröße der Spieler und ihre Frisuren hin zur Aufstellung und Spielerauswahl sowie Taktik des Trainers. Alles wurde extrem kritisiert und teils auf unangenehme Art und Weise herabgewürdigt. Auch, dass der Marktwert eines türkischen Profis den gesamten Marktwert Australiens übersteigt, wurde aufgrund der Niederlage verhöhnt.

Die Geschichte spricht für die Türkei

Doch die „tragische Tradition der Türkei“ zeigt, dass man grundsätzlich nie gut in ein Turnier startet. Von den neun großen Turnieren, an denen man teilnahm, starteten die rot-weißen Halbmond-Kicker achtmal mit einer Niederlage. Nur bei der letzten EURO 2024 gelang zum Auftakt ein 3:1-Erfolg gegen Georgien. Bei der legendären Endrunde 2002, als man am Ende sensationell WM-Dritter wurde, unterlag man zu Beginn mit 1:2 gegen den späteren Weltmeister Brasilien. Bei der EURO 2008 verlor man im ersten Spiel 0:2 gegen Portugal und scheiterte erst im Halbfinale knapp an Deutschland (2:3). Überdies hat die Türkei eine enorme Playoff- und somit K.-o.-Spiel-Historie, zuletzt in den WM-Playoffs gegen Rumänien (1:0) und Kosovo (1:0). Daraus leitet sich eine wichtige Eigenschaft der Türken ab: Erstens gibt man nie auf und zweitens kann man unter Druck bestehen. Diese Qualitäten sollten die türkischen Fans weder übersehen noch vergessen, sondern mit dem gleichen Geist das Team frenetisch anpeitschen.

Foto: IHA

Zwischen Euphorie und Weltuntergangsstimmung

Die Spieler und Anhänger der Türkei neigen stark dazu, „überemotional“ zu reagieren. Siege werden mit extremer Euphorie gefeiert und Rückschläge mit kolossaler Katastrophenstimmung fast schon auf absurde Art und Weise abgestraft. Sprich: vor allem über Social Media. Diese Eigenschaften führen schnell mal zu Überheblichkeit und Selbstüberschätzung. Aber wenn die Emotionen richtig gelenkt werden, führen sie auch zu Trotz und Furchtlosigkeit sowie dem Extraschub an Motivation. Und genau diese braucht das türkische Team jetzt von den Tribünen, dem eigenen Land und in den sozialen Netzwerken ebenfalls.

Natürlich darf man enttäuscht sein und konstruktive Kritik äußern, wenn es schlecht läuft oder die Mannschaft nicht gut auftritt und die erhoffte Leistung weit hinter den Erwartungen liegt. Aber bei all der Emotionalität sollten wir einige Dinge nicht aus den Augen verlieren. Der Kader der Türkei steht. Ob wir ihn mögen oder nicht. Diese 26 Akteure im Aufgebot von Vincenzo Montella repräsentieren über 85 Millionen Menschen daheim vom Marmarameer über das Schwarze Meer bis hin zum Mittelmeer. Bis das Turnier tatsächlich beendet ist, sollte man das Team unterstützen. Wir haben ganze 24 … nochmals 24 LANGE JAHRE darauf gewartet, wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein und dieses Gefühl zu erleben. Warum also nicht bis zum Schluss maximal genießen? Siege feiern und Kritik, bis das Endresultat für das Team feststeht, moderat äußern. Danach wieder vollen Fokus und Energie in die Unterstützung der Mannschaft stecken und sich auf die türkischen Spiele freuen.

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Dieses Team hat sich Vertrauen verdient

Selbstverständlich wurden gegen Australien deutliche Fehler gemacht, diese müssen wir auch konstruktiv beleuchten. Doch wir sollten uns auch in Erinnerung rufen, wie oft wir exakt diese Mannschaft und diesen Trainer in der Vergangenheit kritisiert haben und wie sie uns danach auf peinlichste Weise Lügen gestraft haben. Es war nämlich dieses Team, das eine erfolgreiche EM-Qualifikation spielte und bei der EURO 2024 denkbar knapp nach großen Leistungen im Viertelfinale ausschied. Es war diese Truppe mit diesem Coach, die erstmals den Aufstieg in die UEFA Nations League A schaffte, wieder über ein K.-o.-Spiel in den Playoffs gegen Ungarn, sodass wir uns auf große Länderspielduelle mit Frankreich, Italien und Belgien freuen dürfen. Es war dieses Team, das eine starke WM-Qualifikation spielte und dann abermals über die WM-Playoffs Nerven aus Stahl zeigte, Rumänien und den Kosovo in hochbrisanten Begegnungen überwand und sich für die Weltmeisterschaft 2026 qualifizierte.

Nur dank diesem Team sind wir überhaupt in der Position, dass wir nach 24 Jahren unbedacht teils solch übertriebene Kritik äußern können. Doch jetzt sollten die Gemüter endlich abgekühlt sein. Das Australien-Match liegt in der Vergangenheit, die Paraguay-Partie liegt vor uns und somit die Chance, eine neue Geschichte zu schreiben. Wenn nicht jetzt „Haydi Türkiye“-Stimmung, wann dann? Womöglich wieder 24 Jahre darauf warten? Ich entscheide mich für heute! Was morgen ist, ist das Problem der Zukunft. Wir brauchen die spielerischen und „emotionalen“ Lösungen für jetzt.

Polats Post-Match-Analyse: Traumatischer Turnierauftakt für die Türkei – Woran lag es?

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