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·15 May 2026

Real Madrid: Wenn der Starspieler über den Kopf des Trainers spricht - und entscheidet

Article image:Real Madrid: Wenn der Starspieler über den Kopf des Trainers spricht - und entscheidet

Nach dem 2:0 gegen Oviedo widerspricht Mbappé seinem Trainer öffentlich. Arbeloa wirkt ratlos, Präsident Pérez kämpft um seine Wiederwahl.

Real Madrid liefert dieser Tage ein Schauspiel, in dem niemand mehr genau weiß, wer eigentlich die Rolle schreibt. Kylian Mbappé, gerade erst von einem Muskelfaserriss zurück, beschwert sich nach dem 2:0 gegen Absteiger Real Oviedo öffentlich darüber, dass ihn Trainer Álvaro Arbeloa erst in der 69. Minute auf den Platz gelassen habe. Der Grund, den Mbappé liefert, ist bemerkenswert detailliert: Er sei für den Trainer „der vierte Stürmer im Kader – hinter Mastantuono, Vinicius und Gonzalo". Eine Hierarchie, ausgesprochen in einer Reihenfolge, die für einen Spieler mit 41 Treffern in 42 Pflichtspielen ungefähr so klingt, wie sie gemeint ist: als Demütigung. Arbeloa allerdings widerspricht. Auf der Pressekonferenz wirkt er ratlos, fast hilflos: „Vielleicht hat er mich einfach nicht richtig verstanden – ich weiß auch nicht genau, was ich dazu sagen soll." Er habe Mbappé keineswegs zurückgestuft, sondern lediglich erklärt, dass ein Spieler, der vier Tage zuvor nicht einmal auf der Ersatzbank stand, gegen Oviedo nicht in der Startelf auflaufen müsse. Am Sonntag, so Arbeloa, werde Mbappé „definitiv als Stürmer erster Wahl" beginnen. Zwei Männer, ein Gespräch, zwei Versionen – das ist, vorsichtig formuliert, kein gewöhnlicher Vorgang im internen Betrieb eines Spitzenklubs. Dass Mbappé nicht nur Arbeloas Darstellung widerspricht, sondern die Reihenfolge der angeblichen Rangliste mit Namen liefert, ist die eigentliche Pointe. Wer so präzise zitiert, will gehört werden – und zwar nicht in der Kabine, sondern draußen. Mbappé „akzeptiere es" auf der Bank zu sitzen und „nutze die Spielzeit, die mir gegeben wurde", sagt er. Es sind die Worte eines Spielers, der die Geste der Demut benutzt, um Druck aufzubauen. In Madrid versteht jeder, was das bedeutet: Der Star spricht über den Kopf des Trainers hinweg. Dass Arbeloa als Interimslösung in dieser Konstellation bestehen kann, ist schwer vorstellbar. Während Mbappé verletzt fehlte, verspielte Real durch ein 0:2 beim FC Barcelona die letzte Chance auf die Meisterschaft. Eine Saison, in der sportlich, wie es im Bericht heißt, „überhaupt nicht" läuft, ist die denkbar schlechteste Bühne für einen Trainer, der einem Stürmer mit dieser Bilanz erklären muss, warum er erst in der 69. Minute kommt. Die Antwort des Klubs auf solche Fragen ist normalerweise klar: Der Trainer verliert. Hinzu kommen die Pfiffe der eigenen Fans bei seiner Einwechslung, ausgelöst durch einen umstrittenen Kurzurlaub auf Sardinien während der Genesungszeit. Mbappé verweist darauf, er habe „die Genehmigung des Vereins" gehabt, und versteht „nicht ganz, was die Leute da reden". Auch das gehört zum Bild: Der Spieler fühlt sich von außen ungerecht behandelt und vom Trainer zurückgesetzt. Es bleibt unklar, wer in diesem Klub gerade welche Botschaft kontrolliert. Und dann ist da noch Florentino Pérez. Nach einer Kabinen-Rangelei fiel der Präsident jüngst mit öffentlichen Pöbeleien auf und setzte Neuwahlen an. Wenn der Mann an der Spitze die eigene Wiederwahl organisieren muss, während sein Trainer und sein Star auf Pressekonferenzen zwei verschiedene Wahrheiten erzählen, ist das keine Krise einer Mannschaft mehr. Es ist eine Krise der Hierarchie selbst. Real Madrid hat in dieser Saison vieles verloren – die Klarheit, wer hier eigentlich entscheidet, gehört dazu.

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