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·9 April 2026

Rocco Reitz in Gladbach: Ein Abschied, der beim Gastspiel in Leipzig doppelt schmerzt

Article image:Rocco Reitz in Gladbach: Ein Abschied, der beim Gastspiel in Leipzig doppelt schmerzt

Rocco Reitz wechselt im Sommer für rund 20 Mio. Euro zu RB Leipzig – am Samstag trifft Gladbachs Kapitän bereits auf seinen künftigen Verein. Gladbach steht auf Rang 13.

Rocco Reitz trägt die Kapitänsbinde bei Borussia Mönchengladbach, weil Tim Kleindienst verletzt ist. Er ist seit Geburt Vereinsmitglied, hat jede Jugendmannschaft durchlaufen, von der F-Jugend bis zu den Profis. Und am Samstag läuft er in Leipzig auf – bei dem Klub, der ihm ab Sommer einen Vertrag bis 2031 gibt. Für rund 20 Millionen Euro plus Boni hat Gladbach seinen Kapitän mitten in der Saison zum Abschiedskandidat gemacht. Der Deal steht, die Nachricht ist raus, das Restprogramm wird zur Formalie.


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Eugen Polanski wählt vor diesem Spiel auffällig deutliche Worte: „Er ist kein RB-Junge, sondern er ist ein Gladbacher Junge." Das klingt nach Vertrauen. Aber wer genau hinhört, erkennt die Abwehrreaktion. Wenn ein Trainer betonen muss, dass sein Spieler noch zum richtigen Verein gehört, dann ist die Doppelrolle längst Thema – in der Kabine, in den Köpfen, in der Dynamik einer Mannschaft, die mit 30 Punkten auf Rang 13 steht und nach dem 2:2 gegen den Tabellenletzten Heidenheim Pfiffe der eigenen Fans kassiert hat.

Polanski sagt außerdem: „Rocco will sich hier vernünftig verabschieden. Und ich glaube auch, dass man sich bei seinem zukünftigen Verein von seiner besten Seite zeigen will." Ein Satz, zwei Loyalitäten. Genau darin liegt das Problem. Wer sich gleichzeitig vernünftig verabschieden und beim neuen Arbeitgeber empfehlen soll, kann nicht beides mit vollem Herzen tun. Das ist keine Charakterfrage – das ist eine persönliche Unmöglichkeit, die Gladbach sich selbst eingebrockt hat.

Denn der vorzeitig verkündete Wechsel folgt einer Logik, die dem abgebenden Verein kurzfristig Planungssicherheit verspricht und langfristig die Autorität seines wichtigsten Spielers untergräbt. 25 Bundesliga-Einsätze hat Reitz in dieser Saison, null Tore, zwei Assists. Das kann Zufall sein, das kann eine schwierige Saison sein. Aber es passt ins Muster eines Spielers, dessen Kopf bereits woanders arbeitet – auch wenn alle Beteiligten das Gegenteil beteuern. Gladbach braucht in den verbleibenden sechs Spielen jeden Punkt, um den Abstand von sechs Zählern auf die Abstiegsränge nicht schmelzen zu lassen. Der Kapitän aber hat seinen nächsten Arbeitgeber schon gefunden: Leipzig, Platz drei, 53 Punkte, vier Siege in den letzten fünf Spielen.

Der Fairness halber: Reitz hat sich diesen Transfer nicht leichtfertig verdient. 88 Bundesligaspiele mit 23 Jahren, alle Jugendmannschaften bei einem einzigen Klub – das ist eine Geschichte, die Respekt verdient. Und Gladbach bekommt eine Ablöse, die für einen Verein in dieser Tabellenregion existenziell sein kann. Niemand handelt hier böswillig.

Nur hilft das der Mannschaft im April nicht. Die Pfiffe im Borussia-Park nach dem Heidenheim-Spiel galten nicht Reitz allein, aber sie erzählen von einer Fanseele, die spürt, dass etwas nicht stimmt. Ein Kapitän im Abschiedsmodus führt anders. Er investiert anders. Er strahlt anders aus. Das Hinspiel zwischen Leipzig und Gladbach endete 0:0 – damals war Reitz noch ein Gladbacher ohne Sternchen hinter dem Namen.

Am Samstag um 15:30 Uhr betritt er den Rasen in Leipzig als Gast und als künftiger Angestellter. Polanski kann das schönreden, Reitz kann Vollgas geben, die Zahlen können am Ende sogar stimmen. Aber das Gefühl, dass dieser Kapitän noch ganz dem Verein gehört, der ihn großgezogen hat: Das ist längst weg.

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