Rund um den Brustring
·18 February 2026
Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Celtic-Fan Christopher

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·18 February 2026

Heute Abend steht für den VfB ein weiteres europäisches Highlight an: Das Auswärtsspiel im Celtic Park in Glasgow. Wie es beim schottischen Serienmeister gerade läuft, verrät uns Christopher vom Blog und Podcast The Cynic.
Rund um den Brustring: Hallo Christopher und danke, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Mit dem späten Sieg am Sonntag bei Kilmarnock und dem Sieg der Rangers gegen Hearts liegt Celtic nur drei Punkte hinter der Tabellenspitze – bei einem Spiel weniger. Was hindert euch daran, den fünften Premiership-Titel in Folge zu gewinnen?
Christopher: Im Moment ist das Rennen um den Titel in der Scottish Premiership völlig offen, und im Grunde kann ihn jeder gewinnen. Celtic hat national zwar eine gute Siegesserie, aber die Leistungen waren nicht immer überzeugend. Es ist noch ein langer Weg , es kommt ja auch noch der split (wenn die Liga nach 33 Spieltagen geteilt wird, d.Red.), und es fühlt sich so an, als würden Celtic, Rangers und Hearts alle noch Punkte liegen lassen. Um deine Frage zu beantworten: Das Einzige, was Celtic daran hindert, den fünften Premiership-Titel in Folge zu gewinnen … ist Celtic selbst.
Diese Saison verlief lange nicht wie geplant. Martin O’Neill ist bereits der dritte feste Trainer in dieser Saison, nachdem Brendan Rodgers im Oktober entlassen wurde und Wilfried Nancy nur einen Monat im Amt war. Was waren die Gründe dafür?
Der Großteil der Schuld liegt klar bei den Verantwortlichen im Celtic-Vorstand. Sie haben das Steuer aus der Hand gegeben und den Verein in eine Katastrophe geführt. Der Klub wird sehr schlecht geführt, was man daran sieht, wie schlecht wir auf dem Transfermarkt arbeiten. Als Brendan Rodgers ging, schob der Vorstand ihm die Schuld für alle Probleme von Celtic zu. Danach verpflichteten sie Wilfried Nancy und setzten ihn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ein, was zu schlechten Ergebnissen und Unruhe im Verein führte. Anschließend wurde er entlassen, ohne dass der Vorstand Verantwortung übernahm. Letztlich liegt alles an mangelnder Planung, Struktur, Unterstützung und Vision seitens der Verantwortlichen im Verein.
O’Neill hat den Klub wieder an die Tabellenspitze geführt – was macht er besser als seine Vorgänger und vielleicht auch besser als in seiner Zeit als Interimstrainer von Oktober bis Dezember?
Als Martin O’Neill im Oktober eingesetzt wurde, wusste niemand, wie lange er Trainer bleiben würde. Es war eine Entscheidung von Woche zu Woche, von Spiel zu Spiel, bis ein neuer Trainer verpflichtet wurde. In dieser Hinsicht mussten O’Neill und sein Trainerteam jedes Spiel so angehen, als könnte es ihr letztes sein. Als O’Neill dann zum zweiten Mal verpflichtet wurde, stand fest, dass er bis Saisonende bleibt. Er ist ein hervorragender Menschenführer und hat das Spiel auf dem Platz vereinfacht. Celtic spielt direkter und will den Ball so schnell wie möglich in den gegnerischen Strafraum bringen. Er ist zu einer Formation zurückgekehrt, mit der sich die Mannschaft wohlfühlt, und legt mehr Wert auf Effektivität als auf Spielstil.
O’Neill war auch Trainer, als Celtic und der VfB sich zum ersten und bislang einzigen Mal in einem europäischen Wettbewerb begegneten: Im UEFA-Cup 2002/03 zog Celtic nach einem 3:1 in Parkhead und einer 2:3‑Niederlage in Stuttgart ins Viertelfinale ein. Celtic erreichte anschließend sein erstes europäisches Finale seit 1970, verlor dort aber gegen Porto. Welchen Stellenwert hat O’Neill bei Celtic, dass man ihn nach fast zwanzig Jahren wieder als Trainer zurückholt?
Martin O’Neill ist eine Celtic-Legende. Er verhalf Celtic im europäischen Wettbewerb wieder zur Bedeutung und legte die Grundlage für Erfolge lange nach seinem Abschied. Er erhöhte die Standards und Erwartungen im Verein und führte uns in ein europäisches Finale. Unter ihm konnten wir regelmäßig mit Topteams mithalten und er formte eine nationale Übermannschaft, die enorme Erfolge in Schottland feierte. Er steht in der Liste der größten Celtic-Trainer aller Zeiten nur hinter Jock Stein.
Wie gesagt: Das UEFA-Cup-Finale 2003 war das erste europäische Finale seit der Niederlage gegen Feyenoord 1970 und insgesamt erst das dritte in der Vereinsgeschichte – neben den legendären „Lisbon Lions“ von 1967. Wie wichtig ist diese Saison – und vielleicht auch die Spiele gegen den VfB – für das kollektive Gedächtnis der Fans?
Die Saison 2002/03 war eine, in der Celtic keinen Titel gewann, und trotzdem war es eine der besten Saisons, die ich als Celtic-Fan erlebt habe. Ein europäisches Finale zu erreichen und dort nach zweimaligem Rückstand bis in die Verlängerung zu kommen – gegen die Mannschaft, die im nächsten Jahr die Champions League gewinnen sollte – zeigt, wie gut dieses Celtic-Team war. Das Duell gegen Stuttgart war eines der besten auf dem Weg ins Finale. Celtic bestritt beide Spiele ohne unseren besten Stürmer der Moderne, Henrik Larsson, und erzielte trotzdem fünf Tore gegen eine hervorragende Stuttgarter Mannschaft. Kevin Kuranyi erzielte ein großartiges Tor im Celtic Park, und die späte Aufholjagd in Stuttgart machte es am Ende noch einmal nervenaufreibend – aber es war einer der besten Auswärtsabende, an die ich mich erinnern kann.
Ich habe irgendwo gelesen, dass Celtic seit Jahren nicht über Playoff-Runden oder die erste Runde nach der Gruppenphase hinausgekommen ist – und tatsächlich: Das letzte Mal war 2003/04, als ihr das UEFA-Cup-Viertelfinale erreicht habt. Woran liegt das, und wie wichtig ist Erfolg im europäischen Wettbewerb für die Celtic-Fans, gerade angesichts der Dominanz in der Liga?
Das hängt mit den Ambitionen des Celtic-Vorstands zusammen. Der Verein wird so geführt, dass die Verantwortlichen mit nationalen Erfolgen zufrieden sind und keinen Bedarf sehen, den Klub auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln. Dadurch hat sich der Celtic Park von einem einschüchternden Hexenkessel für Gegner zu einem Stadion entwickelt, in dem sich Gegner zunehmend wohlfühlen. Letzte Saison haben wir in der Champions League zum ersten Mal seit mehreren Jahren gut gespielt, aber in dieser Saison konnten wir in der Qualifikation nicht einmal ein schwaches Kairat-Team schlagen – hauptsächlich, weil der Vorstand kein Geld zur Verstärkung der Mannschaft ausgegeben hat. Es ist sehr schade, dass es inzwischen eine Generation von Celtic-Fans gibt, die den Verein noch nie in einer erfolgreichen K.-o.-Runde im europäischen Wettbewerb gesehen hat.
Noch eine Reise in die Vergangenheit: Ein Spieler, der für beide Vereine gespielt hat, ist Andreas Hinkel, Teil der ersten Generation der „Jungen Wilden“, die 2003 Manchester United besiegten. Wie wird er in Parkhead in Erinnerung behalten?
Andy Hinkel wird im Celtic Park sehr positiv in Erinnerung behalten und zeigte während seiner Zeit hier gute Leistungen. Er wurde zwar von Verletzungen gebremst, aber insgesamt war er ein Spieler, den die Fans sehr mochten.
Zurück zur Gegenwart: Welche Formation spielt O’Neill und wo liegen aktuell die Stärken und Schwächen der Mannschaft?
Unter Martin O’Neill spielt Celtic in einer 4–3‑3-Formation. Wir spielen sehr direkt und nutzen häufig die Flügel. Wir bringen den Ball so oft wie möglich per Flanke in den Strafraum und verlassen uns stark auf unsere Außenspieler bei der Chancenentwicklung. Unsere größte Schwäche liegt in der Defensive: Wir haben Probleme bei Standardsituationen und Eins-gegen-eins-Duellen und sind anfällig für Konter – ein dauerhaftes Problem.
Celtic verpflichtete im Winter Junior Adamu von Freiburg, Tomás Čvančara von Gladbach sowie Alex Oxlade-Chamberlain, wobei Letzterer gegen uns nicht spielberechtigt ist. Auf wen sollten wir – neben den Neuzugängen – in diesen beiden Spielen achten?
Die Form von Celtic war in dieser Saison sehr wechselhaft, aber es gibt Spieler im Team, die über Jahre gezeigt haben, dass sie auf diesem Niveau performen können. Kapitän Callum McGregor ist eine treibende Kraft in einem zuletzt schwächelnden Mittelfeld. Kieran Tierney hat zuletzt wieder Ansätze seines früheren Niveaus gezeigt und ist im Spielaufbau wertvoll – ebenso wie Araujo als Rechtsverteidiger, der seit seinem Wechsel im Januar hervorragend spielt. Maeda ist einer der schnellsten Spieler, die man sehen kann, und arbeitet sehr viel gegen den Ball. Nygren macht vielleicht spielerisch nicht viel, erzielt aber viele Tore.
Wer wird am Donnerstag und vielleicht auch im Rückspiel fehlen?
Arne Engels ist der einzige Stammspieler, der fehlen wird. Er ist verletzt und wird erst Ende März zurückkehren. Ihenacho hat zwar in der Europa League gespielt, kam unter Martin O’Neill aber kaum zum Einsatz – es ist also ein Münzwurf, ob er überhaupt im Kader steht.
Was hielten die Celtic-Fans von der Auslosung gegen Stuttgart in den Playoffs?
Ein sehr schweres Los gegen eine sehr spielstarke Mannschaft. Es fühlt sich eher wie ein Champions-League-Duell als wie Europa League an. Wenn Celtic in besserer Verfassung wäre, würden wir uns darauf freuen, uns mit einer Mannschaft wie Stuttgart zu messen. Aber in der aktuellen Situation des Vereins gibt es die Sorge, dass uns das Duell entgleiten könnte.
Für diejenigen von uns, die vor fast genau 23 Jahren nicht in Glasgow waren und noch nie im „Paradise“: Was erwartet uns in Eurem Stadion?
Leider hat der Verein unsere wichtigste Ultra-Gruppe, die Green Brigade, aus dem Stadion verbannt – eine weitere unverständliche Entscheidung in einer Saison voller fragwürdiger Entscheidungen. Außerdem boykottieren viele Fans die Europa-League-Spiele aus Protest gegen die Vereinsführung und mangelnde Investitionen. Daher werden die Stuttgart-Fans vermutlich keinen klassischen Celtic Park erleben.
Auch wenn es Februar ist, werden viele Stuttgart-Fans die Reise nutzen, um die Stadt zu besichtigen. Hast du Geheimtipps, was man in Glasgow sehen oder machen sollte?
Glasgow ist eine großartige Stadt für Essen, Trinken und Kultur. Es gibt zu viele Orte, um sie alle aufzuzählen, aber wer vor dem Spiel ein paar Pints trinken möchte, findet auf dem Weg zum Celtic Park viele Pubs.
Zum Schluss: Deine Prognose für die Startelf und die beiden Spiele?
Eine Celtic-Aufstellung vorherzusagen ist schwierig, weil der Trainer oft Positionen verändert, aber wenn ich tippen müsste:
Schmeichel
Araujo Scales Trusty Tierney
McGregor Nygren Hatate
Maeda Čvančara Tounekti
Ich denke, Celtic wird in Glasgow mit einem Tor Unterschied gewinnen und in Stuttgart unentschieden spielen.
Titelbild: © Stu Forster/Getty Images









































