Der-Jahn-Blog
·11 May 2026
„Über Datenscouting werden wir effizienter“: Interview mit Alex Schmalhofer – Teil II

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·11 May 2026

Im zweiten Teil unseres Interviews mit unserem neuen Sportchef Alexander Schmalhofer reden wir nochmal über seine ersten Visionen für den Jahn. Wo soll sich der Club weiterentwickeln? Was soll sich verbessern? Was kann er anbieten? Man kann schon verstehen was die Verantwortlichen überzeugt hat. Freut euch auf spannende Einblicke. (Foto: Köglmeier)
Kommen wir zum Thema Spieler. Welche Charakterzüge sind dir wichtig bei einem Spieler?
Schmalhofer: Für mich geht es um Mut auf dem Platz und Demut abseits des Platzes. Es ist wichtig, selbstbewusst zu sein, aber das Team und den Verein immer an erste Stelle zu stellen. Außerdem erwarte ich eine gewisse Professionalität auf und auch neben dem Platz. Das heißt auch einmal Überstunden (Anm. d. Redaktion: Während des Interviews schob Ben Kieffer am Trainingsgelände unter uns eine Extraeinheit) zu machen, sich gut zu pflegen und auf seine Ernährung zu achten. Also auch hier ein eigener, sehr hoher Qualitätsanspruch, aber verbunden mit Spaß und Freude.
Was macht für dich einen Führungsspieler dann aus?
Ein Führungsspieler stellt für mich ein Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainerteam oder vereinzelt auch mal Sportdirektor dar. Darüber hinaus ist ein Führungsspieler Vorbild auf und neben dem Platz und geht mit den vorher genannten Charakterzügen voran. Vor allem in schwierigeren Phasen ist es wichtig, dass ein Führungsspieler die Mannschaft mit Überzeugung mitnimmt und dann auch Verantwortung übernimmt. Ein Führungsspieler macht auch andere besser.
Was kann ein Spieler von dir erwarten? Worauf kann er sich bei Sportdirektor Alexander Schmalhofer verlassen?
Ein Spieler kann von mir Transparenz, Offenheit und eine sehr hohe Eigenmotivation erwarten. Er kann sich darauf verlassen, dass ich nicht „nur“ den Spieler, sondern vor allem den Menschen sehe. Und auch wenn er es mir nicht immer gleich ansieht, kann er erwarten, dass er viel Spaß mit mir haben kann. (lacht)
Kommen wir nun zum Thema Scouting. Du warst bei Red Bull an verschiedensten Standorten: Amerika, Japan, Brasilien und auch Deutschland. War da ein Unterschied zwischen den Mentalitäten feststellbar?
Die Mentalitäten und Kulturen waren tatsächlich sehr unterschiedlich. Was den Fußball betrifft, so wird in Japan zum Beispiel sehr diszipliniert und technisch sehr sauber gespielt. In Brasilien ist die Spielweise teilweise weniger taktisch geprägt, größere Abstände und weniger Kompaktheit, aber eine enorme individuelle Qualität. Das waren schon sehr spannende Erfahrungen, die ich in den unterschiedlichen Ländern sammeln durfte.
Ist es beim SSV Jahn auch mal zu erwarten, dass sich außerhalb des deutschsprachigen Raums umgesehen wird?
Davor sollte man sich nicht verschließen und darüber machen wir uns auch Gedanken. Mir ist wichtig, dass die Kommunikation zwischen den Spielern sowie dem Trainerteam und im direkten Umfeld immer funktioniert. International zu scouten bedeutet auch einen deutlich höheren Ressourceneinsatz, weil du diese Spieler auch hinsichtlich ihrer Passfähigkeit ganz genau kennenlernen musst.
Kannst du auch mal auf Datenscouting an sich eingehen, beim Thema „Scouting“ sehen ja viele noch den Mann an der Seitenlinie mit dem Stift und Block in der Hand.
Auch den gibt es noch. Das würde man eher im Bereich des Livescoutings ansiedeln. Das ist aber oft ein Schritt, der erst nach dem Datenscouting passiert. Einfach erklärt: Man kann mittlerweile verschiedene Spieldaten einkaufen, festlegen, was einem auf einer Position wichtig ist, und dann eine gewisse Vorfilterung von potenziell interessanten Spielern durchführen. Somit geht es zum einen um eine Automatisierung von Prozessen, zum anderen darum, noch detailliertere Infos für eine Entscheidung zu erhalten. Ist ein Spieler anhand der Daten auffällig, kommt es meist zum Videoscouting, um anhand der Videobilder weitere Eindrücke zu erhalten. Und kommt man dann zum Entschluss, dass der Spieler wirklich sehr interessant ist, dann steht man wieder mit dem klassischen Stift und Block beim Live-Scouting im Stadion und beobachtet den Spieler mit Fokus auf Eigenschaften, die man sonst am Video oder in den Daten nicht sieht. Das Zusammenspiel aus Daten-, Video- und Livescouting benötigt es, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Und selbst dann hat man noch keine Garantie, dass es eine gute Entscheidung wird.
Spielt hier KI auch schon eine Rolle?
Definitiv, das ist generell ein Thema, womit wir uns als Club intensiv beschäftigen – nicht nur im Sport. KI wird auch die Arbeitsweisen im Fußball maßgeblich verändern. Aber beispielsweise Charaktereigenschaften kann man auch mit Hilfe von KI aktuell nur schwer messen.
Hast du ein Beispiel für einen Parameter?
Beispielsweise ist es gegen den Ball interessant, wie viele Balleroberungen ein Spieler in der gegnerischen Hälfte erzielt oder wie viele intensive Laufmeter er im Pressing sammelt, um zu sehen, wie aktiv bzw. effizient er gegen den Ball arbeitet. Es ist aber auch immer wichtig, den Kontext zu sehen. Wenn ein Spieler in einer Mannschaft spielt, die eher tiefer steht, dann wird er in dieser Kategorie automatisch schlechter abschneiden.
Ilija Dzepina ist eine Institution beim Jahn und seit Jahren in der Scoutingabteilung, der jedoch recht einsam dort besetzt wirkt im Moment. Kann man ihn mit Datenscouting auch entlasten?
In bestimmten Bereichen werden wir ihn entlasten können und seine Stärken noch gezielter einsetzen. Ilija hat sehr viel Erfahrung, kennt sehr viele Spieler und begleitet deren Weg schon sehr lange. Das ist sehr hilfreich. Über das Datenscouting werden wir noch effizienter und können noch mehr Spieler sichten und auch im Detail analysieren. Daher sind wir im Moment auch dabei, die Scouting-Abteilung weiterzuentwickeln.
Unter Christian Keller gab es mal eine Zeit, wo Deutschland unter vier Scouts aufgeteilt wurde. Diese Struktur ist augenscheinlich mit den letzten Jahren ein wenig verloren gegangen, möchte man das wieder aufbauen?
Wir haben hier eine bestehende Struktur, die wir noch einmal optimieren wollen. Wir versuchen damit trotzdem, die Regionen in Deutschland entsprechend aufzuteilen.Mittlerweile ist es aber so, dass Daten und vor allem Video sehr viel einfacher zugänglich sind und es nicht notwendig ist, jedes Spiel im Stadion zu scouten. Wir haben kein großes Scouting-Team, daher müssen wir versuchen, so effizient wie möglich zu arbeiten und diese Tools zu nutzen.
Das Thema Auslandsscouting kommt auch immer wieder mal auf, gerade Nachbarländer wie Tschechien könnten ja doch durchaus auch interessante Spieler haben. Ist es zu aufwendig, solche Stationen abzudecken?
Die Nachbarländer im Osten sind interessant und wir beschäftigen uns mit diesen Märkten. Trotzdem ist es ein höherer Aufwand als in Deutschland zu scouten, weil oftmals weniger Informationen rund um den Spieler verfügbar sind. Aber wir wollen uns Schritt für Schritt entwickeln.
Als Abschluss würden wir dich bitten zu sagen, was du dem Jahnfan mitgeben möchtest. Was kannst du der Fanbasis versprechen?
Mein Ziel ist es, den Verein und die Mannschaft nachhaltig weiterzuentwickeln. Ich kann versprechen, dass ich dafür sehr viel investieren werde und sehr motiviert bin, den Club besser zu machen. Auch wenn der Fußball sehr tagesaktuell funktioniert, so wird der Prozess aber auch seine Zeit benötigen. Was ich als Abschluss noch mitgeben möchte ist, dass wir die Unterstützung unserer Fans wirklich sehr zu schätzen wissen und Euch als wichtigen Bestandteil unseres gemeinsamen Weges sehen und auch brauchen. Daher an dieser Stelle auch vielen Dank für Euren Support in dieser bislang auch nicht immer einfachen Saison.
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