VfL Wolfsburg hat zu lange Mittelmäßigkeit toleriert – jetzt muss Hecking aufräumen | OneFootball

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·9 March 2026

VfL Wolfsburg hat zu lange Mittelmäßigkeit toleriert – jetzt muss Hecking aufräumen

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Der neue Trainer setzt auf Klarheit und kündigt harte Konsequenzen an. Doch die Frage bleibt: Ist der Klub bereit für unbequeme Wahrheiten?

Dieter Hecking steht vor den Mikrofonen und sagt einen Satz, der mich aufhorchen lässt: „Angst hemmt." Der 61-Jährige weiß, wovon er spricht. Er kennt den VfL Wolfsburg, er kennt die Bundesliga, und er kennt die Mechanismen, die eine Mannschaft in der Abstiegszone lähmen können. Meine These: Wolfsburg braucht jetzt keinen Motivationskünstler, sondern jemanden, der Klarheit schafft – und genau das scheint Hecking vorzuhaben.


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Was mich an seiner Vorstellung überzeugt, ist die Direktheit. Hecking kündigt an, Spieler konsequent auszusortieren, die nicht mitziehen oder gedanklich schon beim nächsten Vertrag sind. Unabhängig vom Namen. Das ist keine Floskel, das ist eine Ansage. In einem Kader, der offensichtlich verunsichert ist, braucht es genau diese Grenzziehung. Wer mit halbem Herzen dabei ist, wird zum Störfeuer. Hecking will diese Störfeuer eliminieren, bevor sie den ganzen Laden in Brand setzen.

Der VfL hat sich vorzeitig von Trainer Daniel Bauer und Sportchef Peter Christiansen getrennt. Diego Benaglio, der frühere Torwart und Identifikationsfigur, übernimmt als Bindeglied einen Teil der Sportchef-Aufgaben bis Saisonende. Das ist eine Notlösung, keine Frage. Aber es zeigt auch, dass die Klubführung verstanden hat: Hier muss radikal aufgeräumt werden. Die Doppelentlassung war überfällig, die Frage ist nur, ob sie früh genug kommt.

Wolfsburg steht als Tabellenvorletzter vier Punkte hinter dem Relegationsrang. Das ist die nackte Realität, die Hecking jetzt managen muss. Er spricht von der psychologischen Dimension, davon, dass diese hochbezahlten Fußballer auch Menschen sind, die eine solche Situation vor zwei, drei Monaten nicht in Erwägung gezogen hätten. Ich finde diese Einordnung wichtig. Sie zeigt, dass Hecking nicht mit der Brechstange kommt, sondern versteht, was in den Köpfen seiner Spieler vorgeht. Angst ist ein schlechter Berater, besonders wenn es um Abstiegskampf geht.

Die Fans haben nach der Niederlage gegen den HSV ihrem Unmut freien Lauf gelassen. Hecking kann das nachvollziehen, sieht aber auch eine gewisse Grenze überschritten. Er weiß: Die Mannschaft ist in der Bringschuld. Wenn Leistung und Ergebnisse stimmen, wird die Kurve wieder da sein. Das ist die Währung, in der im Profifußball bezahlt wird.

Was mich an der Wolfsburger Situation beschäftigt, ist die grundsätzliche Frage: Wie konnte ein Klub mit diesen finanziellen Möglichkeiten so tief fallen? Die Antwort liegt nicht nur in falschen Transfers oder taktischen Fehlern. Sie liegt in einer Kultur, die offenbar zu lange Mittelmäßigkeit toleriert hat. Hecking muss jetzt in wenigen Wochen reparieren, was über Monate kaputtgegangen ist.

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