FC Schalke 04
·14 March 2026
Vor 39 Jahren: Der Boxer ringt Hannover nieder

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Zwei Jahre nach dem Bundesliga-Comeback und der Fast-Teilnahme am UEFA-Cup sieht sich Königsblau in der Saison 1985/1986 für mehr bestimmt. Doch statt in der entscheidenden Phase oben mitzumischen, muss um den Klassenerhalt gebangt werden. Aufstiegstrainer Diethelm „Didi“ Ferner ist seinem Rauswurf schon zuvorgekommen, muss vor dem Abschied aber ausgerechnet gegen Ex-Club Hannover 96 zunächst einen Negativstrudel abwenden.
„In 14 Tagen haben wir einen neuen Trainer“, poltert Schalkes Vereinspräsident Dr. Hans-Joachim Fenne Ende März 1986 umher. Seine Wut entlädt sich nach dem 0:3-Desaster gegen Waldhof Mannheim und klingt wie ein öffentlicher Affront gegen Ferner. Doch keine Sorge, zwischen den beiden ist das Tischtuch ohnehin bereits zerschnitten. Weil der Boss seinem wichtigsten Mitarbeiter einige Wochen zuvor in einem Interview fehlenden Glimmer und Charisma attestiert, schmeißt dieser in weiser Voraussicht zum Saisonende hin.
„Ich bin der Meinung, dass ich mir selbst diesen Schritt schuldig war“, verleiht der Coach seinem Unmut Ausdruck. „Das ist eine Frage des Charakters.“ Als Aufstiegstrainer ist ihm zwar noch immer die Gunst von Manager Rudi Assauer sicher, genau das macht ihn im tobenden Machtkampf zwischen Kaderplaner und Obmann Fenne jedoch seit geraumer Zeit zum Spielball.
Weil der 44-Jährige als Erster Klarheit schafft, sind nun die beiden Streithähne bei der Nachfolgersuche gefragt. Die heißesten Gerüchte halten sich um Dortmunds Pál Csernai, doch die neugierigen Journalisten vertröstet man erst einmal mit Ultimaten. Zu wichtig sind die kommenden Aufgaben, zu ernst bleibt die aktuelle Situation.
Bei der Pleite in Mannheim trat der S04 wie so oft in der Fremde saft- und kraftlos auf und übergab die Punkte an den direkten Kontrahenten, der in diesem Jahr bis einen Tag vor Ostern noch gänzlich sieglos dahergekommen war, fast schon freiwillig. Ferner bemängelt: „Wir haben uns keine einzige Chance erspielt.“ Der Abstand zu Fortuna Düsseldorf auf Relegationsplatz 16 beträgt plötzlich nur noch vier Pünktchen. Und von den Rheinländern hatten sich die Knappen ja gerade erst mit einem schmeichelhaften 1:1 getrennt.
Nicht zu Unrecht wird so manch einem angst und bange um Gelsenkirchens Fahrstuhlmannschaft, die schon zwei Auf- und Abstiege in den Achtzigern hinter sich hat. Vor allem, weil der S04 spätestens nach der Partie beim SV Waldhof personell auf der letzten Rille läuft: Verteidiger Mathias Schipper musste schon in der Anfangsviertelstunde mit einer klaffenden Fleischwunde vom Platz, seinen Kompagnon Bernard Dietz erwischte es ebenfalls – er verbringt die Feiertage mit den freundlichen Grüßen eines gegnerischen Ellenbogens im Gesicht und Verdacht auf Jochbeinbruch.
Kein Wunder, dass Trainer Ferner sich auch mit ein wenig Abstand nicht gerade begeistert von dem rigorosen Einsteigen der Konkurrenz zeigt. Sein Widersacher lässt die raue Gangart anderer Vereine aber ganz sicher nicht als Ausrede gelten: „Da kann ich mir nur an den Kopf fassen“, raunzt Fenne. „Dann müssen unsere Spieler eben auch hart zur Sache gehen.“
Mit Schlusslicht Hannover 96 wartet ein Gegner, der ebenfalls keinen Schönheitswettbewerb gewinnen will. Apropos gewinnen: Schalkes Coach möchte in Niedersachsen „zumindest nicht verlieren“. Gewiss keine Kampfansage, doch was will Ferner, der vor seiner Anstellung am Berger Feld bei 96 an der Seitenlinie stand, auch groß sagen? Seine Mannschaft hat in der Gastrolle bisher genau einen einzigen Sieg geholt.
Vor 15.000 Zuschauern im Niedersachsenstadion scheint das Team sich aber was vorgenommen zu haben und lässt in Halbzeit eins zumindest etwas mehr Klasse erkennen; in einem Duell, was wie vermutet größtenteils eher die Grenzen zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem verschwimmen lässt. Wie gut, dass die Knappen einen in ihren Reihen haben, der genau für solche schmutzigen Partien gemacht ist: Stürmer Klaus Täuber, besser bekannt als „der Boxer“.
Drei Minuten vor dem Kabinengang staubt er nach zentralem Schuss von Michael Skibbe ab, rund 20 Minuten vor Ende besorgt er mit Saisontreffer Nummer 14 förmlich im Alleingang den ersehnten zweiten Auswärtssieg. Daran ändert auch der Anschlusstreffer von Fred Schaub in Minute 79 zum 2:1-Endstand nichts mehr. Beim „Fußball brutal“, wie die Zeitungen später titeln, kommen indes vor allem die Raubeine auf ihre Kosten: Schalkes Gerhard Kleppinger sieht nach 64 Minuten Rot. Für grobes Foulspiel darf auf der Gegenseite auch Jürgen Fleer in der Schlussphase eher runter.
Nur Täuber kommt unbescholten davon. Sein Bewacher Karsten Surmann lässt ihn fast vollständig gewähren. Aus gutem Grund: Im Hinspiel hat der Boxer dem Defensivmann in einem Zweikampf unabsichtlich den Kiefer gebrochen. „Das hat er immer noch nicht vergessen“, glaubt Schalkes Toptorjäger später: „Der hatte regelrecht Angst vor mir.“
Die Sorge vor dem Klassenerhalt weicht währenddessen ein Stück weit. Dem S04-Trainer fällt dank seines Terriers im Angriff ein Stein vom Herzen: „Dieser Sieg war enorm wichtig für uns.“ Und für ihn, denn es ist schon der vorletzte auf seiner Abschiedstournee. Nach erfolgreichem Ligaverbleib kommt im Sommer nicht Pál Csernai, sondern Rolf Schafstall. Doch schon bald wird Diethelm Ferner schmerzlich vermisst …
1.04.1986 | Hannover 96 – FC Schalke 04 1:2 (0:1) I Niedersachsenstadion Hannover: Raps – Hellberg (78. Möller) – Surmann, Geschlecht – Fleer, Heidenreich, Thomas, Baier – Gue (66. Gerber), Reich, Schaub I Schalke: Junghans – Fichtel – Hartmann, Kleppinger, Kruse – Opitz, Thon, Skibbe, Dierßen – Schatzschneider, Täuber Tore: 0:1 Täuber (42.), 0:2 Täuber (71.), 1:2 Schaub (79.) I Zuschauer: 15.000 I Schiedsrichter: Neuner (Leimen)








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