MillernTon
·10 April 2026
Vorbericht: FC St. Pauli – FC Bayern München (29. Spieltag, 25/26)

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·10 April 2026

Dem FC St. Pauli steht die größtmögliche Herausforderung bevor. Der FC Bayern München ist in allen Belangen das Maß der Dinge in der Bundesliga – unschlagbar ist er aber nicht.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
In den „Vor dem Spiel“-Podcast hat sich Jutta mit Andreas von Miasanrot-Podcast eingeladen und ein sehr spannendes Gespräch geführt.Bitte beachtet, dass es am Samstag Einschränkunge am Stadion kommt: Wie der Verein mitteilte, wird ab 16:45 Uhr der Durchgang zwischen Harald-Stender-Platz und Heiligengeistfeld gesperrt. Wer vom Clubheim zur Gegengerade möchte, muss also entweder richtig hoch und weit springen/fliegen können oder aber einmal um das Telekom-Gebäude herumlatschen.Und noch eine weitere Info, bevor ihr euch wundert: Der FC St. Pauli wird Samstag in einem Sondertrikot auflaufen. Teile des Erlöses durch den Verkauf gehen an KIEZHELDEN.
Alexander Blessin verkündete auf der Pressekonferenz leider keine guten Nachrichten: Eric Smith und Manos Saliakas werden auch am Samstag noch nicht wieder Teil des Kaders sein, sondern weiterhin ausfallen. Damit bleibt das Lazarett ziemlich prall gefüllt, denn auch Ricky-Jade Jones (der in dieser Saison ziemlich sicher nicht mehr zum Einsatz kommen wird), James Sands (der in dieser Saison ganz sicher nicht mehr zum Einsatz kommen wird) und Jackson Irvine (Sperre) fehlen dem FC St. Pauli. Somit muss der FCSP auf gleich drei Spieler verzichten, die für die Sechser-Position infrage kommen, entsprechend ist die personelle Besetzung der Doppelsechs mit einem großen Fragezeichen versehen.
Verletzt fehlt den Bayern aktuell Sven Ulreich, der aber ohnehin aktuell nur als dritter Torhüter im Kader des Rekordmeisters geführt wird. Ganz kurzfristig fällt auch Lennart Karl aufgrund eines Muskelfaserrisses aus. Trotz der vielen Englischen Wochen, die der FC Bayern München aktuell bestreitet (die meisten Spieler haben ja auch mit ihren Nationalteams eine Englische Woche verbracht), kann Trainer Vincent Kompany für die Partie am Millerntor also nahezu aus den Vollen schöpfen.
Ich könnte hier jetzt eine ellenlange Liste von Statistiken anführen, in denen der FC Bayern München in dieser Bundesligasaison führt. Ich kann es aber auch kurz machen: Der FCB ist führend in ALLEN relevanten Statistiken, die die Stärken von Teams in dieser oder jener Art beschreiben. Dass der Rekordmeister das beste Team der Liga ist, ist bereits seit Jahren keine Neuigkeit und daran wird sich aller Voraussicht nach auch nur wenig ändern. Vor allem dann, wenn es dem Club gelingt, aus den mit Abstand besten Fußballern der Liga auch ein Team zu formen, welches den Begriff verdient und somit auch den besten Fußball der Bundesliga spielt.
Die aktuelle Top-Form, in der sich der FC Bayern München eigentlich bereits seit zwei Jahren befindet, ist ganz eng mit der Personalie an der Seitenlinie verknüpft. Vincent Kompany hat zu Beginn der Saison 24/25 einen Kader übernommen, der den Eindruck machte, satt zu sein. Nach einer kurzen Ruckelphase wurde aus diesem Kader ein Team, das einen der intensivsten Spielstile der Bundesliga verfolgt und damit auch immer wieder international Erfolg hat, wie zum Beispiel am Dienstag, als das Team gegen Real Madrid herausragte und nun auf bestem Wege ist, das Halbfinale der Champions League zu erreichen.
Blessin deutete mit seinen Aussagen bereits an, was genau er an der Arbeit von Kompany so bemerkenswert findet. Dem am Freitag 40 Jahre alt gewordenen Cheftrainer ist es gelungen, seinem Team eine bemerkenswerte Bereitschaft zur Defensivarbeit einzuimpfen. Gegen den Ball agiert der FCB mit einer strikten Mannorientierung, läuft die Gegenspieler durchgängig und aggressiv an und lässt ihnen so in keiner Spielphase Luft zum atmen. Teams, die dem FC Bayern München gegenüber stehen werden dadurch nicht nur körperlich, sondern vor allem mental maximal gefordert. Denn der Druck, keine Fehler zu machen ist omnipräsent, egal, ob man selbst den Ball hat oder der FCB gerade eine Angriffswelle auf einen zurollen lässt.

Vincent Kompany ist es gelungen, aus einem satten Team des FC Bayern München ein extrem laufbereites und attraktiv spielendes Team zu formen. // (c) Stefan Groenveld
Ihr merkt sicher: Ich bin total beeindruckt vom FC Bayern München unter der Leitung von Kompany. Viele Jahre waren Spiele des FCB extrem langweilig, geradezu bieder. Inzwischen macht es großen Spaß, sich die konsequent aktive Spielweise des Teams anzuschauen. Entsprechend ist dieser Gegner für den FC St. Pauli die größtmögliche Herausforderung, die es im deutschen Profifußball aktuell gibt.Das geht nicht nur mir so, sondern auch Alexander Blessin: „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir die Spiele gerne anschaue, wie diese Individualisten als Mannschaft agieren. Diese Paarung von individueller Qualität mit mannschaftlicher Geschlossenheit (…) das macht einfach Spaß, ihnen zuzugucken.“
Wie kann der FC St. Pauli also gegen die mannorientierte Verteidigungsweise des FCB erfolgreich sein? Ein Beispiel lieferte der HSV zu Beginn des Jahres, der damals extrem mutig das Spiel aufbaute und so die Bayern dazu zwang, das Pressing extrem hoch zu starten. Außerdem rotierte der HSV viel in den Positionen. Beides, die Rotationen und der tiefe Start des eigenen Aufbauspiels, sind gute Mittel, um mit Mannorientierung umzugehen. Angesprochen auf die Partie im Volkspark erklärte Blessin vielsagend:„Wir gehen nicht blind durch die Welt, natürlich haben wir auch das HSV-Spiel gesehen. Wir wissen alle: Wenn die mal einen Zweikampf verlieren, dann haben wir Optionen, das müssen wir nutzen.“ Doch es gibt, ein Glück!, Unterschiede zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. Angefangen bei den Rotationen, die es beim FCSP einfach nicht in dem Maße gibt, die Umstellung wäre also extrem. Zudem nutzte der HSV aus, dass mit Heuer Fernandes jemand im Tor steht, der – auch wenn er bei seinem vorletzten Auftritt am Millerntor das Eigentor des Jahrtausends erzielte – extrem gut mit dem Ball am Fuß ist. Nikola Vasilj ist zwar auch gut, aber einfach nicht auf diesem Level. Entsprechend bringt Blessin eine andere Option ins Spiel, erklärt in Bezug auf Lösungen gegen mannorientierte Teams „ob das jetzt durch einen Rückpass oder durch einen höheren Ball ist, wo wir in 1-gegen-1-Situationen kommen, sei dahingestellt.“ Der FCSP-Cheftrainer deutet also an, dass der FC St. Pauli es eher mit tiefen Bällen versuchen möchte.
Das Defensivspiel des FC Bayern München ist also extrem gut, das Offensivspiel ist es aber ebenso. Das liegt unter anderem an den vielen Rotationen, die es im Aufbauspiel des FCB zu sehen gibt. Mal baut Torjäger Harry Kane als Sechser das Spiel auf, manchmal findet sich dort mit Gnabry auch noch der zweite Angreifer. Den Raum vorne besetzen dann gerne die Außenverteidiger, während die Sechser die Plätze in der Außenverteidigung einnehmen. Das ist nur ein Beispiel der vielen Rotationen im Spiel des Rekordmeisters. Entsprechend komme es darauf an, dass die Übergaben zwischen den Mannschaftsteilen beim FC St. Pauli passen und das es gelingt, im Zentrum stets in Überzahl zu agieren. Zudem betont Blessin, dass man auch ein besonderes Augenmerk auf die Verteidigung von Flanken lege, wo der FCB klare Abläufe habe (Das war das Problem, das zum späten Siegtreffer der Bayern im Hinspiel führte.).
Und über allem schwebt dann noch die individuelle Qualität des Teams. Harry Kane ist mit einer Ablöse von 100 Millionen zwar der mit Abstand teuerste Transfer, den der FCB jemals getätigt hat, aber die Verpflichtung dürfte auch als eine der wichtigsten und besten der Clubgeschichte gelten. Im Schatten des Top-Stürmers gibt es dann noch Spieler wie Michael Olise, der besonders in dieser Saison das Maß der Dinge auf seiner Position ist im Weltfußball. Dazu hat Serge Gnabry wieder zu alter Stärke zurückgefunden und so wurde nebenbei dafür gesorgt, dass ein gewisser Jamal Musiala aktuell zur zweiten Garde beim FC Bayern München gehört. Nur falls hier jemand hofft, dass die Bayern mit der zweiten Garde antreten und das unsere Chancen auf etwas Zählbares signifikant erhöht – auch ohne die aktuelle Stammelf würde der FC Bayern München in dieser Saison mit einigem Abstand deutscher Meister werden. Das sieht auch Blessin so: „Klar, der Fokus wird sicherlich auf dem Real-Spiel liegen. Aber auch die, die nachkommen, das haben auch die letzten Spiele gezeigt, da ist genügend Qualität. Sie wollen diesen Run, den sie haben, einfach fortführen. Sie kommen mit breiter Brust und da ist es auch egal, ob sie vier oder fünf Spieler austauschen.“
Was braucht es also, um den FC Bayern München zu schlagen, Alexander Blessin?„Du brauchst einen guten Tag. Wir waren dreimal nahe dran, das macht mir Mut. Aber dann hast du immer wieder ihre Qualität gesehen. Du brauchst über 90 Minuten ein bisschen Matchglück und eine gute Leistung.“Klingt leichter, als es in Wirklichkeit ist und der FCSP-Chefcoach merkt zu Recht an: „Von zehn Spielen gewinnt Bayern normalerweise zehn“. Aber der FC Bayern München hat zwar bereits neun Zähler Vorsprung in der Tabelle und schon 100 Ligatreffer erzielt, steht im Pokal- und womöglich kommende Woche im CL-Halbfinale, ist auch nicht unschlagbar. Vor allem der Blick, gegen wen der FCB in dieser Saison Punkte liegen ließ, macht Mut: HSV, Union, Leverkusen, Mainz, Augsburg – du musst kein Top-Team, um gegen den FC Bayern München zu punkten. Aber es muss ganz vieles zusammenlaufen.
Der FC Bayern München wird sicherlich personelle Wechsel vollziehen. Welche genau, keine Ahnung. Denkbar ist, dass Spieler auf laufintensiven Positionen eine Pause bekommen, also sämtliche Außenbahnspieler. Zudem dürfte Harry Kane in Watte gepackt werden vor dem nächsten Spiel gegen Real. Lassen wir uns überraschen.
Überraschendes könnte es auch beim FC St. Pauli geben. Denn die Besetzung der freien Position auf der Doppelsechs ist völlig offen. Mit Irvine, Smith und Sands fehlen aktuell genau die drei Spieler, die sich im fitten oder ungesperrten Zustand vermutlich primär um die Stammplätze auf dieser Position streiten würden. Durch den Ausfall von Sands ist bereits Matti Rasmussen ins Blickfeld gerückt und der dürfte auch ziemlich sicher am Samstag dort spielen, weil eben nun auch Irvine fehlt und Smith ausfällt. Wer aber startet neben Rasmussen?

Mathias Rasmussen wird am Samstag ziemlich sicher eine der beiden Positionen auf der Doppelsechs beim FC St. Pauli einnehmen. Wer neben ihm spielt, ist hingegen völlig unklar. // (c) Stefan Groenveld
Vier Spieler dürften in der engeren Auswahl stehen: Joel Fujita, Connor Metcalfe, Danel Sinani und Adam Dźwigała. Egal, wer es werden wird, eine optimale Lösung gibt es nicht. Alle vier verkörpern unterschiedliche Spielertypen und entsprechend gibt es jeweils gewisse Vor- und Nachteile.Im Fall von Adam Dźwigała ist der Vorteil ganz klar die Körperlichkeit, die sonst niemand in dem Maße bieten kann, sofern Sands und Irvine fehlen. Der nominelle Innenverteidiger hat aber klar Schwächen im Spiel mit dem Ball und ist beizeiten nicht schnell genug in der Entscheidungsfindung (was unter anderem immer wieder zu Stellungsfehlern führt). Doch wenn der FC St. Pauli im Sechserraum primär Zweikampfstärke haben möchte, dann kommt man an Dźwigała eigentlich nicht vorbei.Für Connor Metcalfe war zu Beginn des Jahres 2026 die „Irvine-Rolle“ vorgesehen, er konnte sie aber aufgrund von Knieproblemen nicht übernehmen. Er wäre sicher die etwas offensivere Variante, ist aber angenehm passsicher und taktisch klug. Vielleicht ein Nachteil: Mit Metcalfe und Rasmussen wären zwei Linksfüße im Zentrum. Der FC St. Pauli baut aber sehr gerne über rechts auf, was dann schwieriger werden dürfte. Trotzdem könnte die jetzige Situation eine große Chance für Metcalfe sein.Eine noch offensivere Variante wäre Danel Sinani. Er hat auf jeden Fall den Vorteil, dass er technisch stark genug ist, um enge Situationen zu lösen. Ein großer Pluspunkt für ihn: Er „scheißt sich nichts“, möchte immer den Ball haben, egal in welcher Spielsituation, egal, wie eng der Raum ist. Aber Sinani ist eben ein Offensivspieler, für den besonders das Stellungsspiel auf dieser Position eine große Herausforderung wäre. In Sachen Laufstärke wäre er sicher voll auf der Höhe und er agierte in dieser Saison auch schon von dieser Position, allerdings nur in Endphasen von Spielen, als der FCSP versuchte, einen Rückstand zu drehen. Trotzdem stellt er eine ernsthafte Option dar.Bliebe noch Joel Fujita. Der hat zu Saisonbeginn auf dieser Position gespielt, sich aber im Verlauf der Spielzeit weiter nach vorne geschoben. In der Rückrunde spielte er in der Liga den allergrößten Teil eine Position weiter vorne. Und das vermutlich nicht nur, weil er auch dort einen großen Wert für das Team hat, sondern auch, weil Fujita auf der Sechs immer wieder Abstimmungsprobleme mit seinen Mitspielern hatte. Dabei ist aber auch völlig klar: Wenn Fujita diese abstellen kann, dann kommt man an ihm nicht vorbei, denn er vereint Pass- und Zweikampfstärke, wie sonst keiner auf dieser Position. Entsprechend könnt Ihr Euch sicher ausmalen, auf wen ich tippe.
Egal, wer da auf der Doppelsechs nun spielen wird und selbst wenn Xabi Alonso plötzlich doch noch einmal jung wird und Lust hat, für den besten Verein der Welt zu kicken: Der FC St. Pauli ist der große Außenseiter in dieser Partie. Alles andere als eine (deutliche) Niederlage wäre ein, je nach Ergebnis, kleines bis großes Fußballwunder. Was also wäre ein Erfolg für den FC St. Pauli? Diese Frage hatte Alexander Blessin bereits vor dem Hinspiel gestellt bekommen. Nun gab es sie nochmal vor dem Rückspiel. Die Antwort war identisch: „Das Spiel möglichst lange offen zu halten gegen so einen Gegner, das ist schon Erfolg“, erklärte er, nur um kurz danach zu ergänzen: „Aber natürlich mit einem besseren Ergebnis.“Forza!// Tim
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