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·11 April 2026
Zweitjüngster Bundesliga-Debütant: Union-Wunderkind Güther im Porträt

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·11 April 2026

Junge Talente, die einen Hype auslösen, gibt es immer wieder. Auch in der Bundesliga. Einer von ihnen hat heute beim FC Union debütiert.
Es lief die 84. Minute, als Steffen Baumgart Linus Güther zu sich holt. Wenige Augenblicke später wird der Offensivspieler mit 16 Jahren und drei Tagen zum zweitjüngsten Bundesliga-Debütanten der Geschichte. Und in seinen ersten Minuten auf diesem Niveau ließ er bereits erahnen, warum Union Berlin so viel in ihn hineinprojiziert. Er war sofort präsent, nicht scheu, holte sich eine gelbe Karte ab, war sehr aktiv.
Seine fußballerische Laufbahn begann in seiner Heimat beim SSV Spremberg 1926. Früh wurde dort deutlich, dass in der Lausitz ein außergewöhnliches Talent heranwächst. Zwar bemühten sich auch die Berliner Klubs früh um ihn, doch Güther entschied sich 2022 bewusst für einen Wechsel im naheliegenden Umfeld und ging zum FC Energie Cottbus. Dort reifte er zu einer der spannendsten Nachwuchshoffnungen seines Jahrgangs, erzielte reihenweise Tore und rückte immer stärker in den Fokus der nationalen Topklubs.
FC Bayern, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen – Deutschlands Schwergewichte standen Schlange. Doch im Sommer 2025 fiel die Entscheidung für Union Berlin. Ausschlaggebend waren die Überzeugungsarbeit der Verantwortlichen und die vergleichsweise große Heimatnähe. Nach nur 14 Einsätzen für U17 und U19 berief Cheftrainer Steffen Baumgart ihn bereits in den Profikader.
Doch was zeichnet Linus Güther als Spieler aus? Wo liegen seine größten Stärken? Und warum ist sein Profil für Union so interessant? Eine fußballerische Analyse.
Seine primäre Position ist die eines Halbraumspielers hinter einem klaren Stürmer. Darüber hinaus kann Güther polyvalent auf beiden Außenbahnen eingesetzt werden. Er ist athletisch, bringt einen sehr guten Antritt mit und ist trotz seines leichten Körperbaus bemerkenswert stabil im Zweikampf. Sein Personal Trainer Steffen Tepel, der unter anderem auch mit Jamal Musiala, Can Uzun, Jamie Gittens oder Nnamdi Collins arbeitete, beschreibt es im Gespräch mit der „SportBild“ fachlich so: „Linus ist stabiler im Zweikampf mit Ball als so mancher 1,90-Meter-Sturmtank. Ihn zeichnen reflexive Stabilität und hohe Bewegungsintelligenz aus. Zudem hat er eine Sauerstoffaufnahme wie ein Langläufer. Er braucht nur drei bis vier Sekunden Erholung um den nächsten Sprint anzusetzen.“

Foto: Imago Images
Güthers Profil erschöpft sich jedoch nicht in seiner Athletik. Auffällig ist vor allem die Qualität seiner ersten Aktionen nach Ballannahme. Sein erster Kontakt dient nur selten der bloßen Kontrolle, sondern bereitet meist schon die nächste Aktion vor. Er verarbeitet Zuspiele so, dass er den Ball direkt in den Lauf, in die offene Stellung, oder in eine Dribblingbewegung mitnehmen kann. Gerade in engen Halbraumsituationen verschafft er sich dadurch einen kleinen, aber entscheidenden Vorteil gegenüber dem Gegenspieler. Hinzu kommt eine sehr gute Vororientierung. Güther scannt Räume früh, erkennt Drucksituationen schnell und löst viele Szenen bereits vor der eigentlichen Ballberührung.
Im Dribbling ist Güther nicht einfach nur trickreich, sondern vor allem sehr effektiv. Seine Bewegungen wirken selten verspielt, sondern fast immer zielgerichtet. Er nutzt kleine Körpertäuschungen, arbeitet viel mit Schultern und Gewichtsverlagerungen und bringt Gegenspieler so schnell aus dem Gleichgewicht. Sobald er den Gegner aus der Balance gebracht hat, beschleunigt er konsequent in die entstehende Lücke. Gerade das macht ihn im Eins-gegen-eins so gefährlich.

Ben Griffis
Wie auch das Radar zeigt, gehören progressive Läufe und Ballaktionen Richtung Strafraum bereits jetzt zu seinen auffälligsten Profilmerkmalen. Dass dieser Eindruck nicht täuscht, unterstreicht auch Volkmar Kuhlee, seit 2001 DFB-Stützpunktkoordinator in Brandenburg im Gespräch mit der „SportBild„: „Wenn er im höchsten Tempo in den Strafraum geht und sich dabei den Ball mit links und rechts blitzschnell hin- und herschiebt, ist er nicht zu verteidigen.“
Nicht umsonst beschrieben Scouts von Borussia Dortmund Güther intern einst als Hybrid aus Marco Reus und Florian Wirtz. Ein großer Vergleich, der aber verdeutlicht, wie hoch sein Potenzial im Nachwuchsbereich eingeschätzt wird.
Dazu kommt seine enge Ballführung. Güther hält den Ball auch bei hohem Tempo sehr nah am Fuß und kann dadurch kurzfristig die Richtung verändern. Für Verteidiger ist das extrem unangenehm, weil sie nur schwer erkennen können, was seine nächste Aktion ist. Aus ähnlichen Situationen kann er weiter andribbeln, nach innen ziehen oder den Ball in die Tiefe spielen. Diese Unberechenbarkeit zählt zu seinen größten Stärken.
Im letzten Drittel zeigt sich zudem, dass Güther nicht nur ein sehr guter Dribbler ist, sondern auch wirkungsvollen Ertrag liefern kann. Sein Torabschluss ist eine weitere, sehr große Stärke.
Er kommt schnell in Abschlusspositionen, braucht dafür oft nur wenige Kontakte und wirkt vor dem Tor auffallend klar und entschlossen. Besonders wertvoll ist dabei seine Beidfüßigkeit: Güther kann sowohl mit rechts als auch mit links platziert und druckvoll abschließen, was ihn in Strafraumnähe nur schwer ausrechenbar macht.
Auch hier beweist das Radar, dass Torgefahr, Abschlüsse und direkte Aktionen Richtung Strafraum schon jetzt zu den auffälligsten Elementen seines Profils gehören. Auch Kuhlee urteilt über diese Qualität sehr deutlich: „Linus schießt einen Haufen Tore, ist beidfüßig und bestimmt die Spiele.“
Gerade dieses Spielerprofil könnte könnte enorm interessant für Union werden. Einer Mannschaft, der in der Offensive phasenweise Kreativität, Überraschungsmomente und Torgefahr aus dynamischen Situationen fehlen, könnte ein Spieler wie Güther neue Impulse geben. Noch wäre es sicher zu früh, ihm eine solche Rolle sofort zuzuschreiben. Seine Anlagen deuten jedoch klar darauf hin, dass er genau in diesem Bereich helfen kann. Auch Steffen Baumgart äußerte sich bereits bemerkenswert deutlich: „Ich bin mir sicher, dass wir den Jungen nicht aufhalten werden. Es gibt Fußballer, die sind schwer zu verhindern. Wenn er gesund bleibt, klar bleibt und den Fußball so liebt wie bisher, kann er eine große Karriere machen.“

Foto: Imago Images
Aussagen, die den Union-Fans gefallen dürften. Denn sie unterstreichen, dass Güther intern längst nicht nur als spannendes Nachwuchstalent, sondern auch als Hoffnungsträger der Zukunft wahrgenommen wird. Besonders deutlich wird sein Potenzial auch in den Worten von Ex-Musiala-Coach Tepel: „Linus hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Von allen Spielern, mit denen ich gearbeitet habe, ist Linus von den Anlagen wahrscheinlich der Kompletteste.“
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