MillernTon
·21 de febrero de 2026
Änderungen der Stadionverbotsrichtlinien: Der Vorwurf der Intransparenz hält an

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·21 de febrero de 2026

Die Innenminister*innenkonferenz (IMK) ist vorbei, die Diskussion um eine Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien geht weiter. Wir haben bei BWH und Fanladen nachgefragt. Titelfoto: Stefan Groenveld
Ihr habt es am vergangenen Spieltag vielleicht gesehen: Es wurden in vielen Kurven wieder einmal Protestspruchbänder gezeigt, diesmal mit der Aufschrift: „Fans und Vereine: Gemeinsam gegen die neuen SV-Richtlinien!“ Aber was genau steckt dahinter? Wir schauen zurück auf das, was bisher diskutiert wurde und fragen bei der Braun-Weißen-Hilfe und beim Fanladen nach.
Sicherlich erinnert ihr euch an die Proteste der Kurven gegen die Innenminister*innenkonferenz, die Ende letzten Jahres in Bremen stattfand. Spruchbänder, zwölfminütiges Schweigen und sogar eine Demo in Leipzig machten darauf aufmerksam, unter dem Motto „Der Fußball ist sicher“. Konkret ging es bei der IMK um eine Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien, personalisierte Tickets und KI-Gesichtserkennung. Genaueres könnt ihr hier nachlesen oder -hören.
Die IMK ist vorbei. Das Ergebnis: keine personalisierten Tickets, keine KI-Geschichtserkennung. Uneinig war man sich beim Thema Pyrotechnik. Nicht vom Tisch sind aber die Verschärfungen der Stadionverbotsrichtlinien. Bremens Innensenator und Vorsitzender der IMK Ulrich Mäurer (SPD) sagte nach der IMK: „Bei den Stadionverboten schaffen wir einheitliche Standards durch eine zentrale, unabhängige, bundesweite Kommission. Klare Regeln, transparente Verfahren – das bringt mehr Rechtssicherheit für alle.“
Nun war lange Ruhe zu diesem Thema, doch die Kurven schauen weiter genau hin und äußerten sich vergangene Woche mit einem Statement und durch die oben beschriebenen Spruchbänder. Der Vorwurf ist weiterhin: Intransparenz, auch durch die Verbände: „In einem wiederholt intransparenten Prozess arbeiten Juristen der Verbände und deren Sicherheitsfunktionäre unter punktueller Einbeziehung einzelner Vereine offenbar daran, umfassende Änderungen an den derzeit gültigen Richtlinien umzusetzen“, so im Statement der Fanszenen Deutschland.
Um herauszufinden, was das alles genau bedeutet, was an dem Vorwurf der Intransparenz der Verbände dran ist, haben wir bei der Braun-Weißen-Hilfe und beim Fanladen nachgefragt.
BWH: „Wir könnten jetzt ebenfalls über die Arbeitsstände spekulieren und die bisher wenigen bekannten Informationen einordnen, aber genau hier liegt schon offenkundig das Problem! Die Überarbeitung der Stadionverbotsrichtlinien bzw. auch der damit verbundenen Struktur bleibt intransparent. Deutlich wird aber, es gibt hier einen (sicherheits)politischen Wunsch nach Verschärfung. Getragen durch unterschiedliche politische Parteien, aber auch die Polizei selbst. So bemängeln Vertreter*innen letztgenannter, es hätte in den letzten Jahren zu wenig Stadionverbote gegeben. Hier wird vor allem eins deutlich, nämlich wie Fußballfans gesehen werden, als Feindbild, von dem eine potenzielle Gefahr ausgeht und auf das man mit Härte reagieren muss. Faninteressen zu berücksichtigen? Fankultur zu wertschätzen? Für einen Interessensausgleich sorgen? Fehlanzeige!
Die jetzt diskutierten bundesweiten Standards in den Vergaberichtlinien sowie die geplante weisungsbefugte Fachaufsicht greifen dabei die erfolgreiche Arbeit von Fanprojekten, Fanbeauftragten und Vereinen vor Ort aktiv an – sie sind geradezu ein Misstrauensvotum gegenüber der bisherigen Struktur und ihrem Engagement. Die erfolgreiche Tätigkeit der letzten Jahrzehnte wird massiv infrage gestellt. Wer glaubt, die ortsspezifischen Angebote der Sozialen Arbeit durch repressive Mittel ersetzen zu können, bewegt sich in eine komplett falsche Richtung.“
Fanladen: „Es gibt eine grundlegende, vor allem mit rechtsstaatlichen Erwägungen begründete Kritik an der Stadionverbotspraxis generell und berechtigte Zweifel an der präventiven Wirksamkeit von Stadionverboten. Eine sinnvolle Diskussion müsste eher diese Kritik abbilden, als über Verschärfungen der Stadionverbotsrichtlinien zu sprechen. Es passt zu einem sich zuspitzenden autoritär-populistischen Klima in unserer Gesellschaft, dass stattdessen in die andere Richtung diskutiert und entschieden wird. Wo Politik in so einem Maße ideologiegeleitet stattfindet, ersetzen politische Zielvorgaben einen inhaltlichen Aushandlungsprozess weitgehend – das Ergebnis kann nicht gut werden, weil schon der dahinführende Prozess falsch ist.“

Banner vor der Südkurve am Millerntor beim Spiel des FC St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach am 01.11.2025: „Fankultur schützen – Hintezimmerdeals stoppen! Gegen die IMK.“
// (c) Stefan Groenveld
BWH: „Die jetzt diskutierten Änderungen würden eine massive Ausweitung von Stadionverboten zur Folge haben. Was das für Fans bedeutet und welche Auswirkungen dies in den Kurven haben wird, müssen wir hier niemandem erzählen. Die Abkehr von rechtsstaatlichen Prinzipien bei zeitgleicher Doppelbestrafung durch das Aussprechen eines Stadionverbotes lässt uns mit großer Sorge zurück. Auch was die weiteren gesellschaftspolitischen Entwicklungen angeht. Der Fußball und seine Fankultur waren schon immer auch Versuchsräume für darauffolgende Verschärfungen in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Zu glauben, mich kann es ja nicht treffen, ist daher so weit gedacht, wie von Wand bis Tapete.„
Fanladen: „Da noch unklar ist, wie die Veränderungen am Ende aussehen werden, ist auch eine Einschätzung der Auswirkungen noch nicht seriös zu treffen. Das Einzige was klar ist: Partizipation ist die beste Form der Gewaltprävention. Und diese wird im aktuellen Prozess unnötig beschädigt. Deswegen ist der beste Verbesserungsvorschlag auch keiner an einzelnen Punkten des weiterhin unklaren Pakets, sondern: Fans und Fanarbeit müssen in Debatten über Fans von Anfang an auf Augenhöhe mitgenommen werden. Die Diskussion stattdessen zuerst mit den Innenminister*innen zu führen, ist eine politische Entscheidung – die im Sinne der Prävention aber das Gegenteil des erklärten Ziels erreichen wird.“
BWH: „Der Vorwurf ist unserer Ansicht nach berechtigt. Die Teilhabe von Fanvertretungen bedingt einen ergebnisoffenen Prozess und die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung. Das bloße In-Kenntnis-Setzen über Arbeitsstände, in Verbindung mit einem Top-down-Prinzip steht dem fundamental entgegen. Wir brauchen einen Dialog auf Augenhöhe und nicht eine Scheinmitbestimmung oder bloße Lippenbekenntnisse.“
Fanladen: „Ein aktueller Entwurf für die Stadionverbotsrichtlinien wurde zwar der Kommission Fans und Fankulturen des DFB vorgestellt, ist allerdings dennoch nicht öffentlich und Beteiligte schildern, dass sie dort Kritik und Ablehnung deutlich gemacht haben, dass sie aber nicht den Eindruck haben, dass die Kritikpunkte im Endergebnis durchscheinen werden.„
Auch wenn nach der IMK eine Kommission angekündigt wurde, die offen und transparent arbeiten soll, scheint es diese nicht zu geben. Es bleibt bei einem undurchsichtigen Prozess zu Entscheidungen, die über die Fans hinweg gefällt werden. Von einer Kommunikation auf Augenhöhe, so wie die BWH schilderte, ist man wohl noch weit entfernt.
Ja, man kann diesem Artikel eine gewisse Einseitigkeit vorwerfen, doch wir berichten aus Sicht der Fans, und das sind Stimmen, die lauter gehört werden müssen. Politik, Polizei und Polizeigewerkschaften sind in der Thematik nicht dafür bekannt, ausgewogene Statements zu liefern, es braucht also die Gegenöffentlichkeit.
Denn Ihr habt es oben gelesen: Die Verschärfungen der Maßnahmen treffen nicht nur die aktive Fanszene. Es kann alle Fans betreffen. Viele von uns haben es auf dem Weg nach Frankfurt erlebt und es ist gut möglich, dass nach einer weiteren Verschärfung solche Maßnahmen vermehrt stattfinden könnten. Was es braucht, ist einen tatsächlich offenen und transparenten Prozess von Politik und Verbänden, mit Einbeziehung der Fans. Und Vereine, die sich für ihre Fans einsetzen. Zum Schutz der bunten Fankultur.
Fankultur schützen!// Nina
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