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·30 de abril de 2026
Arsenal in der Champions League: VAR wird zum Verstärker für den, der am lautesten schreit

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·30 de abril de 2026

Nach dem 1:1 gegen Simeones Team diskutieren Arteta und Gerrard über eine zurückgenommene Elfmeter-Entscheidung von Schiedsrichter Makkelie.
13 Mal. So oft hat sich Schiedsrichter Danny Makkelie laut Mikel Arteta die Szene angesehen, bevor er den Elfmeter gegen Eberechi Eze zurücknahm. 13 Mal für einen Pfiff, der laut VAR-Protokoll nur dann überprüft werden darf, wenn ein klarer und offensichtlicher Fehler vorliegt. Wer 13 Mal hinschauen muss, hat die Antwort auf seine eigene Frage eigentlich schon gegeben: Klar war hier gar nichts. Außer der Lautstärke an der Seitenlinie.
Der Mann, der dort lauter war als alle anderen, heißt Diego Simeone. Seit fast 14 Jahren steht er in Madrid an der Linie, und in keinem dieser Jahre hat er den Fußball je als reines Regelspiel verstanden. Er versteht ihn als Resonanzraum. Während Makkelie sich die Bilder zum zwölften, dreizehnten Mal ansah, gestikulierte Simeone, redete auf das Gespann ein, machte sich zum lautesten Faktor auf dem Platz. Das ist nicht verboten. Es ist nur erstaunlich wirkungsvoll.
Dass ausgerechnet Steven Gerrard diesen Zusammenhang bei TNT Sports ausspricht, macht die Sache unbequem. "Schiedsrichter müssen den Mut haben, zu ihrer Entscheidung zu stehen", sagte Gerrard – und schob den entscheidenden Satz nach: "Simeones Verhalten bringt den Schiedsrichter dazu, an seiner Entscheidung zu zweifeln." Das ist kein Vorwurf an einen Coach, der seinen Job macht. Das ist ein Vorwurf an ein System, das sich vom Rand aus beeinflussen lässt, obwohl es genau das nie tun sollte.
Artetas Wut bei DAZN trifft denselben Punkt, nur aus der anderen Richtung. "Es ist ganz einfach, es ist ein klarer Elfmeter. Wenn es ein Elfmeter ist, weiß ich nicht, warum man den VAR hinzuziehen muss, warum man sich das 13 Mal ansehen muss – das ist kein eindeutiger Fehler." Man muss Artetas These nicht teilen, um zu erkennen: Der Schiedsrichter hatte auf dem Platz entschieden. Sofort. Ohne Zögern. Erst die Wiederholungsschleife hat aus einer Entscheidung einen Zweifel gemacht – und aus dem Zweifel eine neue Entscheidung.
Genau hier bricht die Prämisse des Systems. Der VAR war einmal als Korrektiv gedacht, als stille Instanz für das, was auf dem Rasen übersehen wird. Er sollte den Schiedsrichtern den Rücken stärken, nicht ihre Wahrnehmung auflösen. Ein leichter Kontakt am Fuß, den der Unparteiische in Echtzeit als Foul wertet, ist kein offensichtlicher Irrtum. Er ist eine Auslegungsfrage. Und Auslegungsfragen gehören zum Schiedsrichter auf dem Platz – nicht in einen Kölner oder Madrider Keller, in dem jemand zum dreizehnten Mal die Zeitlupe startet.
Natürlich lässt sich gegenhalten: Ein Kontakt ist noch kein Foul, ein Fall ist noch kein Strafstoß. Vielleicht hatte der VAR im Kern recht. Nur: Wenn die Richtigkeit einer Entscheidung davon abhängt, wer am Spielfeldrand am wildesten fuchtelt, dann ist die Wahrheit nicht mehr das, was gesucht wird. Dann wird sie verhandelt. Simeone weiß das. Er lebt von dieser Grauzone, seit fast anderthalb Jahrzehnten.
Arsenal nimmt ein 1:1 mit nach London und hat es weiter in der eigenen Hand, nach 20 Jahren erstmals wieder ein Champions-League-Finale zu erreichen. Der sportliche Schaden hält sich in Grenzen. Der Schaden am System, über das gerade wieder ganz England diskutiert, ist der größere. Ein Werkzeug, das nur noch hört, wer am lautesten ruft, ist kein Werkzeug mehr. Es ist ein Verstärker.
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