VfL Osnabrück
·4 de abril de 2026
Brückenschlag (143): Lossmanns Blick für Talente

In partnership with
Yahoo sportsVfL Osnabrück
·4 de abril de 2026

Er war der einzige VfL-Trainer, der entlassen und nur zwei Wochen später wieder eingestellt wurde. Am Ende der Saison 1967/68 musste Hans-Wilhelm Lossmann, der heute vor 90 Jahren in Berlin das Licht der Welt erblickte, dann trotzdem gehen. Er hinterließ das Fundament für eine der erfolgreichsten Epochen der Vereinsgeschichte.
Seine aktive Laufbahn begann beim VfL Oker und endete bei Goslar 08, doch Hans-Wilhelm Lossmann hatte schon früh eine andere Karriere im Sinn. Mit Anfang 20 erwarb er B- und A-Lizenz, arbeitete in Goslar als Jugendtrainer und wechselte dann zum SV Werder Bremen, wo er im Nachwuchsbereich auf Anhieb große Erfolge feierte. Mit der A-Jugend wurde Lossmann 1965 norddeutscher Meister, nur ein Jahr später gewann er mit der Werder-Reserve die Deutsche Amateurmeisterschaft.
Genau der richtige Mann für VfL-Präsident Friedel Schwarze, der nach mauen Jahren in der zweitklassigen Regionalliga Nord ein neues Spitzenteam sehen wollte, das um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen konnte. Neben Lossmann brachen auch Carsten Baumann, Jürgen Ey, Herbert Schröder und Dieter Fesske ihre Zelte an der Weser ab und streiften sich das Trikot der Lila-Weißen über. Die ersten beiden Spiele gegen den Itzehoer SV (2:1) und beim VfB Lübeck (2:2) liefen weitgehend nach Plan, doch schon das Heimspiel gegen TuS Haste (3:3) streute Sand ins Getriebe. Als das Gastspiel bei Concordia Hamburg am 15. Oktober mit 1:5 verloren wurde, gab Schwarze dem Druck der Lossmann-Gegner im Vorstand nach. An seiner Stelle sollte Fritz Palfner die Mannschaft betreuen, obwohl der Personalchef eines Textilunternehmens kein lizenzierter Trainer war.
Der Überraschungscoup ging nach hinten los. Die Lila-Weißen verloren in der zweiten Oktoberhälfte auch gegen Bremerhaven 93 und Phönix Lübeck. Fans, Spieler und Ehemalige forderten nun vehement die Rückkehr des geschassten Trainers, der sich mit seinen Gegnern in der Zwischenzeit eine turbulente Medienschlacht geliefert hatte. Am 5. November 1967 saß beim Heimspiel gegen Holstein Kiel tatsächlich wieder Hans-Wilhelm Lossmann auf der Bank. Der VfL gewann 2:1, kam in den folgenden Monaten immer besser in Fahrt und baute um den erfahrenen „Zorro“ Wöbker eine Stammelf auf, zu der neben den „Bremern“ Baumann und Schröder auch Willi Mumme, Friedhelm Holtgrave oder Siegfried Müller gehörten. Sie sollten im Mai 1969 die Nordmeisterschaft gewinnen und damit einen der größten VfL-Erfolge der Nachkriegszeit feiern. Mehr noch: Die Lila-Weißen wiederholten dieses Kunststück 1970 und 71 – und Carsten Baumann, der Lossmann einst nach Osnabrück begleitet hatte, erzielte in den drei Meisterjahren summa summarum 55 Tore in der Regionalliga und den Bundesliga-Aufstiegsrunden.
Sein ehemaliger Trainer war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon bei Bremerhaven 93 gelandet. Die Querelen um seine Entlassung und Wiedereinstellung hatten bei Friedel Schwarze und anderen Verantwortlichen Spuren hinterlassen – eine Verlängerung von Lossmanns Vertrag über die Saison 67/68 hinaus stand nicht zur Debatte. In den folgenden Jahren absolvierte der immer noch junge Coach seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer und trainierte neben Hessen Kassel auch die Zweitligisten Olympia Wilhelmshaven, SpVgg Erkenschwick und Eintracht Trier.
Später kehrte Lossmann nach Bremen zurück, wo er sich erneut um den Nachwuchs kümmerte und zu einer Art „Afrika-Experte“ wurde. So coachte er in Sambia den Verein „City of Lusaka“ und nahm 1990 mit der sambischen Nationalmannschaft am Afrika-Cup in Algerien teil.
Text: Thorsten Stegemann
Bilder: NOZ-Archiv
En vivo









































