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·25 de marzo de 2026

Der sehr falsche Umgang mit den Fans im Stadion – Kommentar

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Seit einigen Monaten lässt sich im europäischen Fußball eine Entwicklung beobachten, die zunehmend Fragen aufwirft, denn Rund um die Spieltage häufen sich die Berichte über Eskalationen, Festnahmen und sogar den bewussten Verzicht aktiver Fanszenen auf den Stadionbesuch, trotz gekaufter und gültiger Eintrittskarten. Stellungnahmen von Fanhilfen, Politik, Vereinen und Polizei folgen Schlag auf Schlag, die Verantwortung wird dabei allzu oft hin- und hergeschoben. Doch angesichts der Muster und der zunehmenden Häufung dieser Vorfälle drängt sich eine unbequeme Frage auf: Ist diese Entwicklung allein auf das Verhalten der Fans zurückzuführen – oder wird auch das Auftreten der Sicherheitskräfte zunehmend selbst zum Teil der Eskalation? Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteur Jan-Niklas Borgmann.

Ein Muster, das Fragen aufwirft


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Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Berlin. Nach den Ausschreitungen rund um das Spiel zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04 kündigte die Polizei öffentlich eine Deeskalation an. Beim darauffolgenden Heimspiel wurde dieser Kurs im Heimbereich zumindest teilweise sichtbar, gleichzeitig berichten Fanvertreter erneut von Vorfällen am Gästeeingang, bei denen es zu Verletzungen gekommen sein soll. Besonders kritisch: die öffentliche Kommunikation im Nachgang der Eskalation. Die Polizei Berlin nannte in mehreren Stellungnahmen unterschiedliche Begründungen für ihr Vorgehen, darunter angebliche Angriffe auf Einsatzkräfte und geworfene Gegenstände. Viele dieser Vorwürfe konnten jedoch bislang nicht eindeutig belegt werden oder tauchten in späteren Darstellungen gar nicht mehr auf.

Vertrauensverlust durch widersprüchliche Kommunikation

Fanvertreter und Beobachter werfen der Polizei daher vor, ihre eigene Darstellung mehrfach angepasst zu haben. Der Eindruck, der dabei entsteht, ist ein fatales Zeichen: Nicht nur die Einsätze selbst stehen in der Kritik, nun auch der Umgang mit ihrer Aufarbeitung. Gerade in einer ohnehin angespannten gesellschaftlichen Situation trägt eine widersprüchliche Kommunikation zusätzlich dazu bei, dass das Vertrauen weiter beschädigt wird, falls davon überhaupt noch etwas da sein sollte. Auch in Dortmund kam es zuletzt zu Szenen, die in dieses Bild passen. Beim Bundesliga-Topspiel zwischen der Borussia und dem FC Bayern München blieb die aktive Fanszene der Münchner dem Gästeblock fern.

Eskalation trotz möglicher Deeskalation

Hintergrund waren laut einem veröffentlichten Statement der Südkurve München Vorfälle im Eingangsbereich, bei denen es nach ersten Auseinandersetzungen zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen sein soll. Die Fanszene spricht von einem wiederholten und teils willkürlichen Vorgehen gegen auch unbeteiligte Personen, bei dem Schlagstöcke und Reizgas eingesetzt worden seien. Die Polizei wiederum verwies auf Probleme bei den Einlasskontrollen und eine angespannte Lage im Vorfeld. Die Folgen waren dennoch: Verletzte Fans, ein abgebrochener Stadionbesuch und ein deutliches Signal des Protests. Doch unabhängig von der genauen Bewertung des Einzelfalls bleibt ein Eindruck, der sich zunehmend verfestigt: Situationen, die sich eigentlich beruhigen könnten, eskalieren immer wieder neu, und das oftmals in Momenten, in denen die Lage bereits unter Kontrolle schien.

Situationen, die immer wieder außer Kontrolle geraten

Wie drastisch sich diese Entwicklung darstellen kann, zeigt ein weiterer Vorfall nach dem Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Laut einer ausführlichen Stellungnahme der Fanhilfe Mönchengladbach sowie mehreren veröffentlichten Videoaufnahmen kam es bei der Abreise am Bahnhof zu einem massiven Polizeieinsatz, der aus Sicht der Beteiligten ohne erkennbaren Anlass eskalierte. Ausgangspunkt soll eine Personalienfeststellung gewesen sein, die auf einer umstrittenen Geste eines Fans beruhte. Ein Gladbacher Anhänger formte mit dem Daumen und dem Zeigefinger einen Kreis ("Haha, reingeguckt!"). In der weiteren Schilderung berichten sie von einem dann plötzlichen und koordinierten Vorgehen der Einsatzkräfte, bei dem Fans von beiden Seiten zurückgedrängt worden seien. Videos zeigen chaotische Szenen, in denen Menschen auf Gleise gedrängt wurden, stürzten oder sich vor dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray in Sicherheit bringen mussten. Die Vorwürfe wiegen schwer: Wieder mehrere verletzte Fans, ärztlich dokumentierte Schäden und der Eindruck einer Situation, die außer Kontrolle geraten sei.

Eine Entwicklung, die Konsequenzen haben muss

Ob und in welchem Umfang sich diese ganzen Darstellung auf allen Seiten bestätigen lassen, wird natürlich Gegenstand weiterer Aufarbeitung sein müssen. Doch auch dieser Fall zeigt, wie schnell in der aktuellen Zeit Situationen entstehen können, in denen Deeskalation offenbar keine Rolle mehr spielt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, droht ein grundlegender Vertrauensverlust zwischen Fans und Sicherheitskräften und das mit Folgen, die weit über einzelne Spieltage hinausgehen. Der Fußball lebt von seinen Fans. Wer sie pauschal zum Sicherheitsrisiko erklärt, riskiert am Ende eine besondere und lebendige Fankultur.

Foto: Maja Hitij/Getty Images

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