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·26 de mayo de 2026

Der Untergang

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Der Abstieg selbst war gar nicht der schlimmste Moment. Der schlimmste Moment war die Erkenntnis, dass man sich eigentlich nicht mal mehr richtig aufregen konnte. Weil tief drin längst klar war: Natürlich passiert das jetzt. Natürlich endet es so. Dieser Verein ist nicht abgestürzt – er ist langsam abgesunken. Wie ein Kreuzfahrtschiff, das im Hafen untergeht, während an Deck noch jemand Cocktails verteilt und behauptet, die Schräglage sei Teil des Erlebnisses.So fühlt sich dieser Abstieg an. Nicht wie ein Schock. Nicht wie ein Unglück. Sondern wie das Geräusch, wenn etwas, das seit Jahren schief im Regal stand, tatsächlich umkippt. Und trotzdem sitzt man da. Fassungslos. Leer. Wütend. Traurig. Als hätte dir jemand den Stolz aus dem Brustkorb operiert und vergessen, ihn wieder einzusetzen. 29 Jahre Bundesliga. Einfach weg. Und das Schlimmste ist: Es fühlt sich verdient an.

Ein Satz, der weh tut. Aber ein Satz, der wahr ist.


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Was dieser Verein sportlich in den letzten Jahren veranstaltet hat, gehört zu den größeren Rätseln der jüngeren Sportgeschichte. Nicht weil man abgestiegen ist – das passiert. Sondern weil ein Verein mit diesen Möglichkeiten, diesem Etat, diesen Strukturen, diesem Konzern im Rücken es geschafft hat, gleichzeitig alles und nichts zu sein. Wie das obige Kreuzfahrtschiff, das im sicheren Hafen sinkt. Mathe beim Firmenlauf

Natürlich war unter Dieter Hecking etwas besser. Etwas. Mehr Struktur. Mehr Leben. Aber gut? Nein. Und trotzdem hatte man bis zuletzt die Chance. Genau das macht es eigentlich noch schlimmer. Du hattest den letzten Tanz. Zwei Spiele gegen einen Zweitligisten. Und dann trittst du auf wie jemand, der auf einer Matheklausur seinen Namen falsch schreibt.

Dieses Rückspiel. Unbegreiflich, sich überhaupt in diese Situation zu bringen durch einen mutlosen Auftritt im Hinspiel. Ein Erstligist, der in Unterzahl keine Ideen hat, einem Zweitligisten das Leben schwer zu machen. Wir haben nicht nur verloren. Sondern waren hoffnungslos unterlegen. Nicht nur nicht bestanden. In Grund und Boden gespielt. Wenn das am Ende 6:1 ausgeht, darf sich keiner beschweren. Schiedsrichter? Mæhle? Geschenkt. Wer 90 Minuten lang aussieht wie eine Betriebssportgruppe kurz vor dem Firmenlauf, hat andere Probleme. Auch wenn der Einsatz stimmte: das sorglose Abwehrverhalten vor dem 1:2 mit dem Antraben, um Flanke 134 an diesem Abend nicht zu verhindern und am langen Pfosten den Gegenspieler aus den Augen zu lassen, um Gänseblümchen zu zählen – mehr muss man nicht wissen. Und selbst danach: wenig Rückgrat. Da wird der verletzte Ösi als ärmste Sau zu den Interviews geschickt. Die anderen aus der Truppe verschwinden wie Leute, die beim Umzug plötzlich „noch kurz zum Baumarkt“ müssen. Auch das erzählt etwas über den Zustand dieses Vereins. Dieser Mannschaft, die nie eine war.

Und dann steht auf der anderen Seite Paderborn und zeigt, was Fußball manchmal immer noch ist. Keine Magie. Keine Datenmodelle. Kein Performanceprogramm. Sondern Rennen. Arbeiten. Zusammenstehen. Diese Mannschaft hat ihre Chance gepackt wie Aladin die zufällig gefundene Wunderlampe. Die haben geackert, gekämpft, sich in jeden Ball geworfen und wurden von einem Stadion getragen, das überall gleichzeitig laut war. Die waren eins. Und wir? Wir sind Grüppchen. Auf dem Platz. Neben dem Platz. Seit Jahren. Man konnte es schon vor Anpfiff sehen. Platzbesichtigung. Paderborn komplett zusammen. Beim VfL stehen drei hier, zwei da, manche ganz allein. Wie Leute, die zufällig denselben Fernbus gebucht haben. Und genau so wurde die ganze Saison Fußball gespielt.

PowerPoint am offenen Herzen

Deshalb darf jetzt niemand so tun, als sei das einfach ein Betriebsunfall gewesen. Der Absturz war sportlich verdient. Und genau deshalb muss der Umbruch radikal sein. Nicht irgendwann. Jetzt. „Mission Bundesliga“ hat bereits begonnen. Denn: Innerhalb von elf Wochen müssen die Verantwortlichen einen schlagkräftigen Zweitligakader bauen, einen neuen Sportgeschäftsführer finden, wahrscheinlich einen neuen Trainer installieren und ein komplettes Umfeld auf eine Liga vorbereiten, mit der man keinerlei Erfahrung hat – und das mit deutlich weniger Geld. Zweite Liga ist keine Bundesliga in klein. Sie ist ein anderes Land. Andere Plätze. Andere Gegner. Andere Dynamiken. Und wer da mit Erstliga-Arroganz reinläuft, endet schneller in Liga 3 als er Fernsehgeldverteilung sagen kann.

Deshalb braucht es endlich Ehrlichkeit. Heute noch Luft holen. Den Schlag verdauen. Und dann: Klare öffentliche Analyse. Wo liegen die Probleme? Welche Strukturen sind kaputt? Wer hat Verantwortung? Welche Maßnahmen folgen konkret daraus? Keine PowerPoint-Folien, keine Zukunftsdialoge, keine kleinen Reförmchen. Operation am offenen Herzen. Denn dieses Problem ist größer als ein schlechter Kader oder ein misslungener Trainerwechsel. Es geht um Identität.

Wettbewerbsverzerrung an der Autobahnbrücke

Und damit kommt man zu dem Thema, das keiner gerne anspricht: Warum wird dieser Verein eigentlich so gehasst? 1997 war Wolfsburg für viele ein wenig beachteter, eher belächelter Provinzclub. Heute gehören wir zu den Lieblingsfeindbildern eines großen Teils der Fußballöffentlichkeit. 11Freunde, FUMS, Fans anderer Vereine – Häme überall. Und wir als Fans dürfen das täglich verdauen. Selbst auf den Autobahnbrücken und Rastplätzen zwischen Paderborn, Braunschweig und Hannover wird einem noch etwas mitgegeben. Man kann das ignorieren. Aber nicht dauerhaft. Umso erstaunlicher und mit nicht genug Hochachtung zu versehen: wie wir uns als Fans präsentiert haben, im Block, über Monate, auch in Paderborn. Alles reingeworfen und am Ende weitestgehend würdevoll und mit erhobenem Haupt das Schicksal akzeptiert. Trotz aller Provokativen. Das verdient Anerkennung. Auch wenn uns trotzdem Hass und Häme gewiss sind und ich mich trotzdem frage, wo und wann der VfL nach 1997 falsch abgebogen ist, um so eine Aussenwahrnehmung zu bekommen.

Und deshalb wird man sich entscheiden müssen. Entweder man bricht diese vermeintliche Anti-50+1-Wettbewerbsverzerrung auf, wird ein normalerer Verein und nimmt damit anderen den Hauptkritikpunkt – was aber nur funktioniert, wenn Volkswagen Geld gibt und gleichzeitig Macht abgibt. Oder man geht komplett in die Gegenrichtung. Offensiver Stinkefinger. Ihr versteht uns nicht? Dann lasst es. Aber dann musst du Reihen schließen. Dann musst du ein neues Wolfsburger Bewusstsein schaffen. Dann muss „gegen den Rest der Welt“ mehr sein als eine Parole. Dafür brauchst du Selbstvertrauen. Geschlossenheit. Aggressivität. Und genau das fehlt. Warum? Weil wir nicht genug bei uns sind. Weil wir uns mit zu viel anderem Kram beschäftigen. Weil keiner mehr weiß, was eigentlich unsere DNA sein soll. Jeder erzählt eine andere Geschichte über diesen Verein. Jeder hat eine andere Philosophie. Und wenn elf Leute gleichzeitig am Steuer sitzen, fährt das Auto irgendwann in den Mittellandkanal. Auch bleibt abzuwarten, wie groß der Schaden ist, den der Abstieg im Umfeld angerichtet hat. Bei denen, die sich vielleicht jetzt zurückziehen. Ebenfalls eine ungeklärte Konsequenz.

Muttersöhnchen in der Hafenkneipe

Klar aber ist: Wenn Volkswagen den VfL am Ende nur als betriebswirtschaftliches Anwerbeinstrument betrachtet, um Fachkräften Wolfsburg schmackhaft zu machen, dann sehen wir eher Liga 3 als Liga 1 wieder. Der Verein ist kein Messestand. Und deshalb geht es am Ende nicht nur um Fußball. Es geht um die Stadt. Was heißt es eigentlich, Wolfsburger zu sein? Gibt es Sachen die Mut machen für die Zukunft? Ja. Zinnenwappen? Ja. Umzug Wölfikurve? Ja. Mehr Identifikation schaffen wollen? Ja. Wird das reichen? Nein.

Der Stolz ist weg. Geschlagen. Aus der Liga geprügelt. Wie ein reiches Muttersöhnchen, das in einer Asi-Hafenkneipe auf dicke Hose gemacht hat und plötzlich merkt, dass Statussymbole keine Deckung geben. Die Frage ist nicht, ob wir gefallen sind. Die Frage ist: Gehen wir da wieder rein und schlagen zurück? Oder verpissen wir uns in die Gefilde, in denen wir vor 1990 herumgedümpelt sind?

Kein Sportdirektor. Kein Ex-Spieler. Kein Teilzeitaufsichtsrat wird dieses Mammutprogramm alleine stemmen. Es braucht die Bereitschaft von uns allen. Aber dafür muss man Veränderung wirklich wollen. Nicht ein bisschen. Nicht kosmetisch. Sondern ernsthaft. Denn am Ende geht es nicht nur um den Verein. Es geht darum, ob Wolfsburg überhaupt noch weiß, wer es sein will. Und wenn wir darauf keine Antwort finden, dann wird uns die zweite Liga fressen.

In diesem Sinn: Bleibt geschmeidig!

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