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·20 de enero de 2026

Die 3. Liga ist überfordert: Wer soll den SC Verl stoppen?

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Das Wunder nimmt in der ostwestfälischen Provinz Formen an: Der SC Verl ist erstmals Tabellenführer und auf dem Weg in die 2. Bundesliga. Wer soll ihn stoppen?

Die nächste Lehrstunde

Wolfgang Petrys "Wahnsinn" dürfte an der Poststraße in Verl in Dauerschleife laufen – in die Hölle werden allerdings nur die Gegner geschickt. Das 5:2 gegen Waldhof Mannheim hört sich fast noch gnädiger an, als es die Spielanteile widerspiegelten. Mit feinem Messer sezierte Alessio Besio schon in der ersten Halbzeit die Hintermannschaft der Gäste, sein Hattrick läutete die neuerlichen Festspiele ein. Nicht fehlen durfte ein – zugegeben vom Wohlwollen des Schiedsrichters begünstigter – Geniestreich der kreativen Schaltzentrale, Berkan Taz.


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Und als der Waldhof mit einem Doppelschlag aus purer Verzweiflung vage Hoffnung generierte, hielt auch das nur ein paar Augenblicke, da setzte Verl die nächste gefürchtete Passstafette nach – kompromisslos und mit Nachdruck war klar, wer hier das Sagen hatte. Nach dem SSV Ulm (5:0) und dem VfL Osnabrück (4:1) war der SVW bereits der dritte Verein seit Ende Oktober, der zwischen Kuhweiden und Ölbach eine Lehrstunde erteilt bekam.

Wohl jeder auch nur mäßig am Drittliga-Fußball Interessierte weiß, dass dieser unfassbare Eindruck kein subjektiver mehr sein kann. Sämtliche Statistiken untermauern die Verler Dominanz mit Kalkzement: 49 Tore nach 20 Spielen werden, sofern keine völlig unrealistischen Ergebnisse in den zwei Spieltage hinterherhinkenden höheren Ligen eintreffen, Bestwert aller 56 Profiklubs mit Ausnahme des großen FC Bayern München, und der jagt bekanntlich seine ganz eigenen Rekorde. Drittliga-intern hat niemand öfter den Ball, niemand ist effizienter, die Passquoten sind tadellos und das Passtempo ebenfalls.

Strobl setzt das Sahnehäubchen auf die Arbeit seiner Vorgänger

Neu ist das alles natürlich nicht: Trainer Tobias Strobl, so grandiosen Input er seit dem vergangenen Sommer liefert und damit alles Dagewesene toppt, fand schließlich eine Ausgangslage vor, die jeder seiner Vorgänger ein Stückchen optimiert hatte. Guerino Capretti von 2017 bis 2022, Mitch Kniat von Anfang 2022 bis Mitte 2023, Alexander Ende von 2023 bis 2025 und nun Strobl: Sie alle eint, dass sie dem SC Verl als absolute Glücksgriffe in Erinnerung bleiben – und ihn als Sprungbrett in die 2. Bundesliga nutzten.

Einzig Capretti schaffte es nicht, den Erfolg auf diesem Niveau zu bestätigen: Kniat führte Verls großen Nachbarn Arminia Bielefeld nach einem völligen Neustart zurück in die 2. Bundesliga. Und Ende etabliert bei Preußen Münster jenen variablen Ballbesitzfußball mit der Mittelfeldraute, mit dem er Verl binnen zwei Jahren schrittweise vom hinteren ins vordere Mittelfeld führte. Zumindest phasenweise waren die Schwarz-Weißen schon unter ihm ein Topteam.

Es fehlte aber die Substanz, nicht zuletzt durch jene personelle Veränderung, die in Verl Jahr für Jahr ansteht und oft auch den Verlust von Leistungsträgern mitten in der Saison beinhaltet. Strobl nahm die finale Anpassung vor, machte aus der 4-4-2-Raute ein 4-2-2-2 und fand damit endgültig das Mittel für völlige Dominanz. Dass auch er irgendwann mindestens in der 2. Bundesliga landen wird, ist schon jetzt absehbar. Möglicherweise mit dem SC Verl.

Alle Topspieler (noch) da

Das Problem für die ambitionierte Drittliga-Konkurrenz von Rostock bis Essen, von Cottbus bis Duisburg: In diesem Winter – so munkelt man zumindest – deutet sich ein solcher Aderlass dieses Mal nicht an. Topscorer Berkan Taz, der längst viel zu groß und zu gut für die 3. Liga geworden ist, will seinen Vertrag bis Sommer offenbar erfüllen und dem SC Verl den Aufstieg schenken. Auch sein genialer Mittelfeld-Copilot Timur Gayret, wohl stark umworben vom SC Paderborn, ist (noch) da. Freiburgs Leih-Stürmer Alessio Besio auch. Und Rechtsverteidiger Oualid Mhamdi, der trotz außergewöhnlicher Leistungen immer noch etwas im Schatten von Taz & Co. Steht, auch.

Ein Verhalten, das Sinn ergibt: Verl mag sich als kleiner Dorfladen im Fußballgeschäft aufstellen. Die Schaufenster werden jedoch immer größer und prächtiger, je länger man dort Zeit verbringt. Alessio Besio war es, der am Samstagnachmittag viel über den SC Verl verriet. "Es geht bei uns in erster Linie um den Spaß, denn wenn man Spaß hat, ist man am Besten", sagte der 21-Jährige. Im Umfeld der Verler ist genau dies möglich – fast gänzlich ohne Druck, selbst jetzt als Tabellenführer.

Es ist die leidige, schwere Erkenntnis, die die direkte Konkurrenz machen muss: Nirgendwo, nicht einmal beim Durchmarsch-Kandidaten MSV Duisburg, wird sich der Aufstiegskampf auch nur annähernd so leicht anfühlen. Erst recht nicht an Standorten wie Rostock oder Essen, wo bessere – und viel teurere – Einzelspieler ihre Sache ja immer noch sehr ordentlich machen, aber dabei große Erwartungen schultern müssen. Schämen muss sich dafür in der 3. Liga keiner. Verls Hartnäckigkeit, sich über Mut und eigene Akzente zu definieren und damit gravierende infrastrukturelle Nachteile wettzumachen, ist hierzulande so einmalig, dass diese Entwicklung selbst in der Bundesliga bewundert werden dürfte.

Sich selbst stoppen? Auch das wird schwierig

Für alle, die den Sportclub Verl stoppen wollen, ist eine Herkulesaufgabe geschaffen. Unnötige Ausrutscher müssen im Saisonverlauf schon mit der Lupe gesucht werden: Beim 2:2 in Havelse ließ sich Verl einen 2:0-Vorsprung in Überzahl noch abluchsen, das war erstaunlich. Daheim beim 2:3 gegen Duisburg stand es ebenfalls 2:0, auch dieser Einbruch kam aus dem Nichts – hatte aber keine langfristigen Folgen. Nur eine 0:2-Pleite in Regensburg steht als wirkliche Enttäuschung im Jahrbuch, aber das darf passieren.

Gibt es derzeit Vorzeichen, dass sich solche Leistungen vermehren könnten? Nein, absolut nicht. Wer soll Verl stoppen? Wahrscheinlich kann sich der Verein nur durch hausgemachten Druck aus dem Spiel nehmen. Aber auch das ist in einem derart homogenen Umfeld, vor 2.000 wunschlos glücklichen Fußballfans, schlicht unwahrscheinlich. Kleine Stadt, winziges Stadion, Mini-Etat – dem SC Verl ist’s egal, er überfordert die 3. Liga mit einer Qualität und Dominanz, die es seit dem 1. FC Magdeburg um Christian Titz im Jahr 2022 nicht mehr gegeben hat. Ein Aufstieg wäre nur folgerichtig – und sollte dies eintreffen, darf die Konkurrenz gerne anerkennend Spalier stehen.

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