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·30 de marzo de 2026
Florian Wirtz und dann lange nix

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·30 de marzo de 2026

Florian Wirtz war überragend beim 4:3 gegen die Schweiz. Doch die Kolumne zweifelt: Mit nur einem Weltklassespieler im Angriff wird die WM 2026 schwer.
Ich schreibe hier nichts Neues, wenn ich darauf hinweise, dass Florian Wirtz weltklasse ist. Alle wissen es spätestens seit Freitag, viele haben seither versucht, es in Worte zu fassen. Offizieller "Man of the Match" war Wirtz beim 4:3 gegen die Schweiz; eine Mannschaft, die übrigens sämtliche Feldspieler auswechselte, was die Leistung des 22 Jahre alten Liverpoolers nicht schmälern soll, aber einzuordnen hilft. Die Gastgeber, das darf man nicht vergessen, haben es darauf angelegt zu verlieren. Egal.
Lothar Matthäus gab Wirtz nach dem Spiel eine Eins - mit Sternchen. Ich als Journalist bin eher auf ein anderes Sonderzeichen trainiert: den Haken. Deshalb: So schön jeder Ballkontakt von Wirtz bei diesem fast unwirklichen Auftritt in Basel anzusehen war, so faszinierend elegant er sich bewegte, schoss oder Pässe spielte, die man nicht als Fernsehzuschauer und schon gar nicht als Gegenspieler antizipieren konnte, so schwer erträglich war es für mich oft, den Ball dann zu einem anderen Spieler wandern und von jenem nicht selten misshandelt werden zu sehen.
Denn keiner im deutschen Team (außer Joshua Kimmich, aber der spielt hinten) kann Florian Wirtz zurzeit das Weihwasser reichen – das jetzt auf die Schnelle zu erwarten wäre wie hoffen, dass Heidenheim ein 2:1 gegen Madrid im Bernabéu 80 Minuten lang über die Zeit rettet.
Wie also sollen wir in drei Monaten mit einem einzigen offensiven Weltklassespieler Weltmeister werden?
Das frage ich mich seit Freitag immer wieder. In der öffentlichen Wahrnehmung ist zwar gerade alles gut, weil wir unter dem Eindruck von zwei großartigen Wirtz-Toren und zwei Wirtz-Assists gegen die Schweizer stehen – die Süddeutsche Zeitung titelte: Florian Wirtz 4, Schweiz 3 –, aber machen wir uns nichts vor: Das reicht nicht. Die Argentinier konnten 1990 mit Maradona nicht Weltmeister werden, weil sie eben „nur“ Maradona hatten. Es genügte ein Guido Buchwald, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.
Und bei der WM 2026 werden einige Mannschaften drei, vier, fünf Weltklassespieler pro Startelf aufbieten – darunter solche, die darauf programmiert sind, einen wie Wirtz zu stoppen.
Das deutsche Team hätte vorn zwei Weltklassespieler, klar. Jamal Musiala leidet nur leider immer noch unter den Nachwirkungen seines Knochenbruchs letzten Sommer.
Lennart Karl (18) kann nicht innerhalb von drei Monaten um drei Jahre Erfahrung reifen, Serge Gnabry ist sehr gut, aber kein Genie, und Leroy Sané, naja, ihr wisst schon, er ist wie das Hamburger Wetter: Auf Sonne folgt unweigerlich Regen.
Wie also soll das beim längsten und anstrengendsten Turnier der Geschichte funktionieren? Wie viele Schlotterbeck-Fehlpässe wird ein einzelner Wirtz in einem WM-Halbfinale wettmachen können? Kann Wirtz mit Handauflegen ein bisschen Sprinterqualität in Jonathan Tah wecken? Steckt Wirtz im Training Nick Woltemade an, damit der auch mal wieder Tore schießt?
Ist Genialität per Tröpfcheninfektion übertragbar? Spoiler: Ist sie leider nicht.
Auf Wirtz ruhen nach dem Auftritt in der Schweiz aber so viele Hoffnungen, dass es einem schon beim Eintippen dieses Satzes das Rückgrat verbiegt. Heute gegen Ghana, beim drittletzten Test vor der WM, werden wir alle mit der Lupe auf ihn gucken und checken, was er diesmal Sensationelles zu bieten hat – und vermutlich feststellen, dass ein Mensch selten zwei Wirtz-gegen-die-Schweiz-Leistungen hintereinander bringen kann. Und übrigens so gut wie nie drei, vier, fünf - oder gar acht am Stück. So viele Spiele sind‘s bei dieser WM bis zum Titel.
In diesem Sinne: Gute Besserung, Jamal Musiala!
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