MillernTon
·5 de agosto de 2026
Goodbye, Jacko!

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Jackson Irvine verlässt den FC St. Pauli und wechselt nach Japan zu Cerezo Osaka in die J-League. Damit endet ein Kapitel, welches als Märchen begann, mit einem Wechsel, der für alle Seiten richtig sein dürfte.Titelfoto: Peter Böhmer
Dieser Wechsel wird eine Welle der Emotionen auslösen: Wie der FC St. Pauli soeben bestätigte, wechselt Jackson Irvine auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung zu Cerezo Ozaka nach Japan. Das Team schloss die abgelaufene Saison dort auf Rang 10 von 20 Teams ab. Wir schauen zurück auf fünf sehr besondere Jahre mit Jackson Irvine beim FC St. Pauli.
Im Sommer 2021 kam mit Jackson Irvine ein Spieler zum FC St. Pauli, den die meisten von uns so wohl nicht auf dem Zettel hatten. Sportlich befand er sich zunächst noch in der Warteschlange, den ersten Kurzeinsatz gab es erst am 5. Spieltag. Doch den Stammplatz im zentralen Mittelfeld erarbeitete er sich schnell und spätestens, als er beim 4:0 gegen Hansa dann auch sein erstes (und in jener Saison einziges) Tor erzielte, hatte er sich in die Herzen der Fans katapultiert.
Das Verhalten abseits des Rasens tat sein Übriges. Er reiste mit dem HVV zum Training, wohnte im Stadtteil, ging nach Spielen zu Fuß nach Hause, war nahbar und zeigte sich auch sonst regelmäßig im Viertel. Er bewies guten Musikgeschmack, hatte hierfür auch eine eigene Radiosendung.Wenn er sich in Interviews äußerte, kam da in aller Regel sehr Sinnvolles bei raus, was den Blick auch über den Tellerrand des Fußballs hinaus bewies. Unter anderem auch im Vorfeld der WM in Katar nutze er seine Popularität als australischer Nationalspieler und wies auf die Situation um die Menschenrechte im Gastgeberland hin.Das war schon fast zu gut, um wahr zu sein.
Als der FC St. Pauli mit Kapitän Jackson Irvine 2024 den Aufstieg feierte, war der Status „Fußballgott“ kein Scherz. Die Fanszene des FC St. Pauli, die sich mit Personenkult schwerer tut als anderswo, ihre Lieblinge dann aber auch immer besonders ins Herz schließt, hatte ihren Liebling und es schien alles zu passen. Sein Statement in der Mixed Zone nach dem Aufstieg gegen Osnabrück sorgte sogar bei anwesenden Journalist*innen für feuchte Augen.
„Für immer mit Dir, Jacko!“ schrieb Tim im August 2024 anlässlich der Vertragsverlängerung von Irvine.A match made in Heaven? Absolut.
Die Folgesaison brachte den Klassenerhalt in der 1. Liga. Irvine kämpfte sich trotz Verletzung durch die Rückrunde, bis er nach dem Sieg in Kiel (und dem damit erreichten großen Schritt Richtung Klassenerhalt) schließlich seine Verletzung am Mittelfuß operieren ließ. Und damit begann eine neue Phase, auf und neben dem Platz. Irvine fehlte verletzt, rund um seine Verletzung gab es nach unseren Informationen auch Unstimmigkeiten mit dem Verein über die Art der Behandlung und irgendwie übertrug sich dieser dezente Unmut auch auf andere Spieler. Der Teamgeist, der in der Vorsaison noch ein Garant für den Klassenerhalt war, hatte Risse bekommen.
Hinzu kamen Statements und fehlende Statements zu Israel und Palästina, die auch jenem Fußballgott-Status zumindest in Teilen der Fanszene ernsthaften Schaden zufügten. Etwa 1000(!) Seiten Diskussion im Forum drehten sich unversöhnlich im Kreis, (K)ein gemeinsamer Nenner war die Überschrift, die Tim im September 2025 dafür wählte. (Und nein, ich will die Diskussion hier wirklich nicht neu beginnen, es ist alles gesagt – und wahrscheinlich sogar in dem Fall sogar schon von jeder und jedem.)
Sportlich konnte er an die Leistungen der vorigen Jahre nicht mehr anknüpfen, seine Anwesenheit auf dem Platz sorgte aber trotzdem häufig noch für einen Push des Teams. Sein Interview direkt nach Abpfiff des Spiels gegen Wolfsburg und dem damit feststehenden Abstieg zerschnitt dann womöglich auch den letzten Rest Tischtuch mit der sportlichen Leitung, es folgte ein verbaler Rüffel von Andreas Bornemann – ein Wechsel war spätestens jetzt für alle Beteiligten sicher die beste Lösung.
Es ist schade, dass diese Story nicht als Märchen mit Happy End aufhören durfte. Jackson Irvine hat als Spieler und Mensch in diesem Verein viel Positives geleistet, seine Aussagen zu Themen abseits des Fußballs wurden lange Zeit von allen gefeiert.Doch die letzte Saison hat dies verändert und es dürfte jetzt (nach einem sicher erfolgenden Aufschrei) für den gesamten Verein und insbesondere auch für das neu aufgestellte Profiteam das Beste sein, dass diese Personalie nicht mehr für Diskussionen sorgen wird.
Lieber Jacko, ich hätte mir gewünscht, dass wir jenen Status aus dem Sommer 2024 bis an Deine Karriereende bei uns hätten beibehalten können. Dies gelang nun leider nicht. Ich wünsche Dir persönlich alles Gute für die Zeit in Japan, auf und abseits des Rasens.// Maik
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