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·24 de junio de 2026

Herausforderung groß wie nie? Shala vor schwieriger Mission

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Schwer hat es der SC Verl in dieser 3. Liga eigentlich immer, auch wenn er es zuweilen von Jahr zu Jahr leichter aussehen lässt. Doch im Sommer 2026 trifft die Härte des Profigeschäfts den kleinen Verein aus Ostwestfalen mit voller Wucht – und in den Händen vom neuen Trainer Orest Shala liegt es, diesen Umbruch zu meistern.

Acht Stammspieler verloren

Es lässt sich nun wirklich nicht behaupten, der SC Verl hätte es in diesem Sommer eilig. Erst am 5. Juli – und damit bis zu zwei Wochen nach den anderen Drittligisten – nimmt der Tabellensechste der Vorsaison die Vorbereitung auf die dann bereits siebte Saison in der Drittklassigkeit auf. Auch wenn selbst an einem der kleinsten Profifußball-Standorte Deutschlands ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt, so sollten sich diese Jahre immer noch wie ein Märchen anfühlen, dessen Ende einfach noch nicht geschrieben werden will. Mit einem Gesamtumsatz von unter 8 Millionen Euro – Klubs wie Hansa Rostock geben allein für ihre 1. Mannschaft mehr Geld aus – hat Verl die beste Platzierung seiner Vereinsgeschichte erreicht, und das mithilfe des wohl attraktivsten Fußballs, den die Prärie vor dem Teutoburger Wald je erlebt hat.


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Orest Shala wird diese Entwicklung aufmerksam verfolgt haben. Und doch wird ihm mit seiner Vertragsunterschrift und der Entscheidung pro Verl, angeblich soll zuvor auch der SV Waldhof Mannheim reges Interesse gezeigt haben, klar gewesen sein: Was ihm sein Amtsvorgänger Tobias Strobl aufgebürdet hat, ist immens. Wie soll ein solches Jahr noch zu toppen sein, außer mit einem Aufstieg in die 2. Bundesliga? Dazu hat der Sportclub unglaubliche acht Stammspieler verloren – und ohne diese Zahl zu prüfen, dürfte dies der größte Aderlass sein, den je eine Nicht-U23-Mannschaft in der Geschichte der 3. Liga nach einem Ligaverbleib erlebt hat.

Wer ist eigentlich Orest Shala?

Kein Berkan Taz, kein Alessio Besio, kein Oualid Mhamdi und auch kein Timur Gayret: Es braucht gesunden Optimismus, um davon auszugehen, mit etlichen teils blutjungen Neuzugängen wie Tim Hoffmann, Mika Clausen oder Bilal Yalcinkaya in weniger als sechs Wochen eine auch nur annähernd so starke Mannschaft aufbauen zu können. Doch Sportchef Zlatko Janjic hat den Verler Weg nach gut einem Jahr bereits prächtig verstanden. Weshalb nicht nur von den Neuzugängen auf dem Feld, sondern auch von der Personalie Shala einiges erwartet werden darf.

So wenig der "normale" Fußballfan bis dato vom 34-Jährigen gehört haben dürfte, so interessant ist der Name zumindest für einige Experten der Branche. Und das passt exzellent zur Verler Strategie. Shala kam als Säugling mit der Familie per Flucht aus Jugoslawien nach Berlin, war im Fußball zwar talentiert, aber nicht gut genug für die Spielerkarriere. Dafür studierte er, hat heute ein Lehramtsstudium (Sport & Germanistik) im Gepäck.

Doch die Taktik- siegte über die Schultafel: Mit 25 Jahren arbeitete sich Shala im Trainergespann der U19 von Union Berlin ein, vier Jahre darauf ging es raus aus der langjährigen Heimat Berlin zum FC St. Gallen – und das auf Anraten von Videoanalyst und Taktikblogger Eduard Schmidt. Erst Trainerassistent (2020-2023), dann Cheftrainer der U21 (2023-2025) und schließlich der Start im Seniorenbereich beim portugiesischen Drittligisten CD Mafra: So wankelmütig der Weg aus geografischer Perspektive wirkt, so setzen sich die Etappen hierarchisch doch ziemlich stringent zusammen.

Shala will "in die gleiche Richtung denken"

"Du wirst mich selten im tiefen Block sehen", sagte Shala im Podcast "From Coach to Coach" vor wenigen Monaten. "Ich möchte, dass vorwärts verteidigt wird, dass meine Mannschaft versucht, viele Dinge offensiv zu lösen. Dazu soll sie schnell auf Ballverluste reagieren. Diese Dinge sollen bei einem Team von mir offensichtlich sein." Ein Ansatz, der für das Umfeld des SC Verl wie maßgeschneidert ist und für den viele Ideen seiner Vorgänger Strobl und Alexander Ende auf Wiedervorlage gelegt werden können. Auch daher war das taktische Profil des neuen Trainers, einmal mehr ganz unabhängig vom Kriterium Erfahrung, so eindeutig umrissen. Hinreichend bekannt ist, dass der Druck von außen beim Sportclub kaum existent ist – ein idealer Nährboden für die Weiterentwicklung von Talenten im Spieler- als eben auch Trainerbereich.

Auch die kommunikativen Fähigkeit von Shala sollen ihm derweil helfen, das Team hinter ihm zu versammeln. Der Trainer als authentischer Kumpeltyp, der die Sprache der Spieler spricht – das funktionierte in Verl immer wieder. Vielleicht am Besten während der Ära von Mitch Kniat, der den SCV ebenfalls als Sprungbrett für die eigene Karriere zu nutzen wusste. "Du musst mit deinen Spielern in die gleiche Richtung denken und nicht jeder seine eigene Idee vom Fußball verfolgen. So gewinnst du Klarheit", sagte Shala im Podcast über seine Herangehensweise. Und gab ein Beispiel: "Ich möchte etwa, dass meine Spieler nach Ballverlusten hoch pressen, den Gegner außen isolieren, ihn nicht in die Mitte zu lassen."

Ein logischer Griff

Unheimlich engagiert, leidenschaftlich, taktisch klar und nah an der Spielergeneration: Schon ein kurzes Eintauchen in die fußballerische Welt von Shala legen nahe, dass der SC Verl hier auf dem Papier einen logischen Griff getätigt hat. "Dieses Stadion soll mit Leben gefüllt werden", kündigte Shala bei seiner Vorstellung bereits an. Die spannendste Frage wird sein, wie schnell er ein derart ausgedünntes und seiner Führungsspieler beraubtes Team überhaupt in die richtige Richtung lenken kann. Die Herausforderung ist für den Sportclub so groß wie nie – und doch wird es nach den Erfahrungen der Vorjahre niemanden mehr wundern, wenn der SCV mit Orest Shala ganz selbstverständlich den nächsten Glückstreffer landet.

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