FC Bayern München
·31 de marzo de 2026
Kimmich & Gnabry bei der Watchparty der Champions

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·31 de marzo de 2026

Vor 50 Jahren etablierte das Team um Franz Beckenbauer den FC Bayern mit dem dritten Landesmeisterpokal-Sieg in Serie in der Weltspitze. Wir nahmen das Jubiläum zum Anlass, um mit Joshua Kimmich und Serge Gnabry einen Streifzug durch die facettenreiche Endspielgeschichte der „Roten“ zu machen. Von den Anfängen bis 2020 – welche Erkenntnisse kann man in die heutige Zeit übertragen?
Kimmich und Gnabry sitzen Seite an Seite im Gebäude der Greenkeeper an der Säbener Straße, das für das Experiment zum TV-Studio umfunktioniert wurde. Metallschränke säumen die Wände, Kabel liegen über dem Boden, hier lehnt eine Harke, dort ein Spaten, Eimer sind aufeinandergestapelt, es gibt einen Tisch für Brotzeiten und neben dem Feuerlöscher einen Gehörschutz-Stöpsel-Spender. Die beiden Spieler haben sich vor einem Fernseher eingerichtet, hinter ihnen werden die TV-Bilder auf einen Vorhang projiziert, um den Raum dekorativer auszuleuchten. Einmal sind beide komplett in Bayern-rotes Licht getaucht, es laufen Ausschnitte aus dem Champions League-Finale 2020, vom größten Triumph der beiden im Münchner Trikot. „Können wir bitte noch mal zehn Sekunden zurückspulen?“, fragt Kimmich, als die Entstehung von Kingsley Comans entscheidendem Treffer und die folgenden Jubelbilder gezeigt werden. An manchen Szenen kann man sich nie sattsehen – da geht es Profis nicht anders als Fans.
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Serge Gnabry: „Damals war Corona, das ist heute ganz weit weg. Natürlich stellt man sich ein Champions League-Finale anders vor – mit den Fans, um gemeinsam zu feiern.“
Joshua Kimmich: „Wir haben in der Kabine gefeiert, und danach gab es im Hotel eine Party. Aber wie du sagst, ist es heute noch bitter, dass unsere Fans das nicht vor Ort mit uns erleben konnten.“
SG: „Die Feier in der Kabine war richtig, richtig gut. Aber dass man nicht so rauskann zu den Fans, in die Kurve, auch die Tage danach kein Kontakt - das hat gefehlt.“
JK: „Wenn ich das Spiel so anschaue: Manu war im Tor einfach top.“
SG: „Wir hatten aber auch echt einen guten Zusammenhalt im Team: Wir sind zusammengewachsen. Wir hatten einen Spirit, dass wir uns sagten, dass uns eigentlich keiner schlagen kann. Das war ein richtiger Flow.“
JK: „Erfolg schweißt zusammen. Wenn du Spiele gemeinsam gewinnst, entsteht irgendwann eine Dynamik. Das erleben wir auch in dieser Saison. Man wird eine Einheit.“
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Die beiden haben sich für die Analyse weiterer FCB-Finalspiele aufgeteilt – Kimmich beugt sich nun auf seinem Stuhl nach vorne, um beim Finale im Pokal der Pokalsieger 1967 genauer hinzuschauen: Franz Beckenbauer dirigiert, Gerd Müller rackert, Franz „Bulle“ Roth erzielt das entscheidende 1:0 gegen die Glasgow Rangers. Die Szenen sind in Schwarz-Weiß, bei Zeitlupen blinkt am Bildrand ein „R“ in Versalien, für Repetition, Wiederholung, das war früher so – lange vor Kimmichs Zeit: Er ist Jahrgang 1995.
Wie wurde damals, 1967, Fußball gespielt? JK: „Es wird gefühlt mannorientierter gespielt – wobei wir heute wieder teilweise dazu zurückkehren, vor allem im hohen Pressing.“
Gibt es Figuren, die herausstechen? JK: „Franz Beckenbauer erkennt man natürlich sofort – an seinem Stil, an seinem Gang, wie er den Ball führt, wie er über den Platz geht. Auch Gerd Müller ist unverkennbar.“
Das Tor macht „Bulle“ Roth – er hat in drei Finals entscheidende Treffer erzielt. JK: „Das ist einzigartig. Und dieses Tor hier: volley, wirklich schön. Auch der Chip-Ball als Vorlage. Da sind schon viele Elemente drin, die auch heute angesagt sind.“
Während Gnabry das Finale 2013 von Wembley studiert, huschen Bilder von Franck Ribéry und Arjen Robben über seinen Kopf. Wie Kimmich gerade sagte: Manche Elemente von früher sind immer zeitgemäß – Gnabry hat den Part auf den Flügeln übernommen. „Uiuiui“, entfährt es ihm, als Dante den Elfmeter an Dortmunds Marco Reus verursacht, doch das zwischenzeitliche 1:1 wird nach Robbens Treffer zur Fußnote.
Was hat diese Mannschaft damals ausgezeichnet? SG: „Der Wille, den sie aufgebracht haben nach dem verlorenen ‚Finale dahoam‘. Dass sie so einen Spirit entwickelt haben – auch in dem Sinne: ‚Wir sind diesmal unschlagbar und wir holen uns das Ding.‘ Sie sind nicht in Selbstmitleid versunken, sondern haben noch mal angezogen – eine Riesenleistung.“
Was sagst du zum Siegtor? SG: „Gänsehaut! Immer wieder aufs Neue. Ich habe mit Arjen noch ein Jahr zusammengespielt. Er hat immer alles gegeben – ein absolutes Vorbild.“
Du hast die Champions League schon gewonnen. Wie bleibt man hungrig? SG: „Wenn du es schon mal erlebt hast, willst du das wieder. Und wenn wir die Historie des FC Bayern anschauen - sie entsteht durch Erfolge: Dieses ‚Immer-gewinnen-Wollen‘ hat hier Tradition. Der Grundstein wurde mit den Erfolgen zu Zeiten von Beckenbauer gelegt.“
Gnabry weiß, wovon er spricht: Das Finale 1974 verfolgt er lässig zurückgelehnt mit einer Hand über der Stuhllehne. Immer wieder muss er grinsen – vor allem, als Paul Breitner Uli Hoeneß zum 4:0 gegen Atlético Madrid auf die Reise schickt. Damals fiel die Entscheidung im Wiederholungsspiel, nachdem Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck in der ersten Partie in letzter Sekunde den Ausgleich gerettet hatte.
Was weißt du so über die Helden von einst? SG: „Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge durfte ich persönlich kennenlernen – es ist immer interessant zu sehen, wie sie früher waren. Wir sprechen von absoluten Weltklassespielern.“
Beckenbauer erteilte Schwarzenbeck damals die Ansage, nicht über die Mittellinie zu gehen – geschweige denn aufs Tor zu schießen … SG: „Zum Glück hat er das dann mal zur Seite geschoben. In einem Finale kommt es auf deine Mentalität an, dass du an dem Tag auf deiner Höhe bist. 1975 und 1976 haben sie das Ding gleich noch mal gewonnen – nach oben zu kommen, ist einfacher, als oben zu bleiben. In dieser Zeit wurde diese spezielle FC Bayern-Mentalität geboren, die den Verein bis heute antreibt.“
Wie sieht deine Generation einen Gerd Müller? SG: „Ich habe viele Videos von ihm gesehen und höre ständig, dass er unglaublich schnell war und einen einzigartigen Instinkt hatte. Er machte immer sein Tor. Über solche Spieler wird man sich ewig Geschichten erzählen – und jeder kennt sie.“
Kimmich kommt ins Gestikulieren, als er dran ist, das Finale 2001 zu kommentieren. Oliver Kahn ballt hinter ihm auf der Leinwand die Fäuste nach seinem letzten gehaltenen Elfmeter, und Kimmich geht vor dem Fernseher voll mit: „Damals war ich sechs Jahre alt, da ging es langsam los bei mir mit dem Fußballschauen – an die WM ein Jahr später erinnere ich mich schon ziemlich gut.“ Unvergessen beim Endspiel in Mailand: das Banner der Fans – „Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben“.
Nimmt man als Spieler so ein Transparent eigentlich wahr? JK: „Auf jeden Fall. Es ist superemotional, wenn man sieht, wie viele Menschen sich vor so einem Spiel ihre Gedanken machen. Mit so einer Choreo spürst du: Du bist nicht allein auf dem Platz, da steht eine ganze Masse hinter dir!“
Auffallend sind die Gesichter beim Elfmeterschießen, wie sich alles entlädt. JK: „Gerade wenn man hier einen Oliver ‚Titan‘ Kahn sieht oder einen Stefan ‚Tiger‘ Effenberg: Sie hatten 1999 auf denkbar bitterste Art das Finale verloren, und das ist Bayern, dass sie ihre Geschichte so nicht enden lassen wollten.
Was bedeutet Druck beim FC Bayern? JK: „Mit den Erfolgen steigt der Erwartungsdruck. Hier wird gefordert, von außen und von innen, dass man immer gewinnt. Das macht was mit einem Verein, das macht was mit den Spielern. Wenn man das hier nicht annimmt, steht man das auf Dauer nicht durch. Sogar nach einem gewonnenen Endspiel geht es immer weiter. Das musst du ein Stück weit gut finden. Und ich glaube, die Spieler, die hier bei uns sind, die finden das sehr gut. Mich persönlich spornt das extrem an.“
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In den 80ern erreicht der FC Bayern 1982 und 1987 das Finale im Landesmeistercup, verliert aber beide Spiele. Kimmich zieht sein Gesicht zusammen, wenn er konzentriert auf den Bildschirm schaut. „Das Spiel wirkt dynamischer als in den 70ern“, findet er. „Ist das Hansi Flick?“, fragt Gnabry, als er seinen früheren Coach beim Finale 1987 grätschen sieht. Am Ende ist Matthäus in Großaufnahme eingefroren, er schaut traurig zu Boden.
JK: „Wenn man hier Rummenigge sieht: die Körpertäuschung. Oder hier so ein Fallrückzieher – Fußball wurde in den 80ern noch einmal athletischer. Klaus Augenthaler war lange Kapitän, gegen den bin ich sogar mal aufgelaufen bei einem Paulaner-Fanspiel. Da hat er wie früher einen guten Ball gespielt, das war beeindruckend. Jetzt ist er noch immer Trainer des FC Bayern World Squad.“
Was macht eine Niederlage in so einem Finale mit einer Mannschaft? JK: „Auch Negativerlebnisse können Energie geben, auch so was kann zusammenschweißen.“
SG: „Spätestens sobald die neue Saison losgeht, musst du umschalten. Sogar nach den Niederlagen 1999 und 2012 ist der FC Bayern wieder zurückgekommen. Es gibt nur wenige Clubs auf dieser Welt, über die so viele Final-Geschichten erzählt werden können. Und ich hätte nichts dagegen, wenn wir ein paar Kapitel hinzufügen.“
Der Text erschien in der April-Ausgabe des FC Bayern-Magazins 51 – hier in einer gekürzten Fassung:
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