FC Bayern München
·7 de enero de 2026
Mala Grohs im Interview: „So wie ich bin, ist es gut“

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Im Oktober 2024 bekam FCB-Torhüterin Mala Grohs die Diagnose Krebs. Heute, gut ein Jahr später, ist sie nicht nur wieder kerngesund – sie fühlt sich stärker als je zuvor. Im Gespräch erzählt sie, wie sie mit der Krankheit umgegangen ist, was ihr in der schweren Zeit Halt gegeben hat und warum nicht nur ihr Körper heilen musste.
Mala, ein Jahreswechsel ist immer Anlass, zurückzublicken. Hinter dir liegen beispiellos bewegende zwölf Monate: von der Diagnose eines bösartigen Tumors bis zum Gewinn des Doubles. Was sticht 2025 heraus? Mala Grohs: „Als Erstes der Videocall, in dem ich sozusagen gesund gesprochen wurde. An diesen Moment werde ich mich immer erinnern. Und dann mein Comeback, in der Champions League gegen Lyon inklusive gehaltenem Elfmeter. Dann hatten wir als Team einen überragenden Mai mit dem Double und einem emotionalen Turnier in Portugal. Aber ganz ehrlich: In dem Moment waren die Titel nicht das Wichtigste für mich. Als wir gefeiert haben, habe ich gemerkt, wie müde ich war.“
Meinst du: mental müde? „Ja. Es war so viel mit mir passiert, das musste ich erst verarbeiten. Im Sommerurlaub habe ich mir dann die Zeit dafür genommen, war ganz bewusst viel bei mir zu Hause, bei der Familie – das hat mir sehr gutgetan. Da habe ich viel über mich gelernt. Warum ich mich wann wie gefühlt habe. Was Kopf und Körper alles aushalten können. Auch der Kopf und die Seele brauchen Zeit zum Heilen. Heute kann ich sagen, dass mich die ganze Erfahrung – von der Diagnose bis zur Verarbeitung – stärker gemacht hat.“
Gehen wir ein Jahr zurück. Wie bist du Ende 2024 ins neue Jahr gegangen, nachdem ein bösartiger Tumor bei dir diagnostiziert worden war? „Ich habe das Jahr damals mit einer sehr positiven Nachricht beendet. Ein paar Tage vor Weihnachten hat mir meine Ärztin gesagt, dass ich mit meiner Therapie fertig bin. Ich konnte also ganz entspannt in die Feiertage gehen und habe mich darauf gefreut, wieder auf dem Platz zu stehen, zum Team zurückzukehren.“
Also pure Erleichterung? „Bis Silvester war ich total entspannt. Ich habe es genossen, frei zu haben, auch den Kopf. Und dann, am 1. Januar, kam der Einbruch. Plötzlich war das Adrenalin weg, und ich habe gespürt, wie anstrengend alles gewesen ist, die Anspannung der letzten Monate. Ich war total k. o. und weiß noch, dass ich zu meinen Eltern gesagt habe: „Keine Ahnung, wie ich jetzt zurück nach München fahren soll.“ Vergleiche sind immer schwer, aber ich glaube, es war so ähnlich, wie wenn man im Urlaub krank wird, weil der Körper endlich loslassen kann. Ich war die ganze Zeit so fokussiert darauf gewesen, positiv zu sein, habe da so unglaublich viel Energie reingesteckt – und als die Anspannung weg war, habe ich gemerkt, was das alles gekostet hat. Ich habe ein paar Tage gebraucht, um durchzuschnaufen, dann ging es wieder bergauf. Aber erst im Sommer konnte ich dann wirklich alles verarbeiten.“
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Gibt es Momente, in denen dich die Krankheit heute noch einholt? „Neulich bin ich bei Social Media auf eine junge Frau gestoßen, die Krebs im Endstadium hat. Unheilbar. In solchen Momenten wird mir klar, wie viel Glück ich hatte. Auch bei den Nachsorgeterminen wird mir die Zeit meiner Erkrankung immer wieder bewusst. Man wird daran erinnert, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das ist eigentlich schön.“
Wie gehst du mit der Angst um, dass der Krebs zurückkommen könnte? „Respekt, ja – Angst, nein. Ich gehe schon mit einer gewissen Anspannung in die Nachsorgetermine. Aber jedes Mal, wenn alles in Ordnung ist, gewinne ich mehr Sicherheit. Ich glaube, dieser Respekt ist einfach Teil des Ganzen. Und ich weiß auch: Sollte der Krebs tatsächlich zurückkommen, würde ich damit umgehen können.“
Du gehst sehr offen damit um, was mit dir passiert ist. Auf Social Media zeigst du zum Beispiel deine Narbe. Ist das Teil deiner Art und Weise, das Ganze zu verarbeiten? „Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich meine Narbe und meine Geschichte verstecken müsste. Niemand, dem so etwas passiert, braucht sich dafür zu schämen. Die Narbe stört mich überhaupt nicht, manchmal vergesse ich sie sogar. Ich zeige sie auch, weil sie eine Botschaft hat: Achtet auf euch! Und: Ihr müsst nichts verbergen, nur weil etwas nicht perfekt ist.“
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Ist dir neben der Narbe noch etwas aus der Zeit geblieben? „Auf jeden Fall das Bewusstsein für die eigene Zerbrechlichkeit. Ich habe vorher schon auf meinen Körper gehört, jetzt mache ich das noch bewusster. Und was ich mit dieser Zeit verbinde: all die Unterstützung, die ich bekommen habe. Die Fürsorge im Krankenhaus, das Engagement der Ärztinnen, die vielen kleinen Gesten, auch die Unterstützung meiner Familie, im Freundeskreis, innerhalb der Mannschaft, vom Verein. Das sind schöne Erinnerungen.“
Hast du ein Beispiel? „Giulia Gwinn hatte im „51“-Magazin gelesen, dass ich gern Zauberwürfel löse. Kurz nach der Diagnose hat sie mir ein Set mit zehn verschiedenen Würfeln geschenkt. Da waren ein paar ganz wilde Dinger dabei, die haben echt Zeit gefressen. Im Krankenhaus hat man ja oft Wartezeiten – da hatte ich dann immer einen Würfel dabei. Am Ende habe ich alle geschafft.“
Wie war der Moment, als du die Diagnose bekommen hast – woran konntest du dich da festhalten? „Für mich war total wichtig, in München zu bleiben, in meinem Alltag. Es war toll, dass der FC Bayern gleich meinen Vertrag verlängert hat und sagte: Konzentriere dich darauf, gesund zu werden. Ich habe normal weitertrainiert und weitergespielt – das hat mir das Vertrauen in meinen Körper zurückgegeben. Am Anfang dachte ich: Ich muss total krank sein. Dann habe ich gemerkt: Das ist ja gar nicht so. Die medizinischen Dinge habe ich komplett den Ärztinnen überlassen. Ich hatte immer das Gefühl, in den besten Händen zu sein.“
Auch psychologisch? „Ich hatte wirklich nur sehr wenige Momente des Zweifels, war eigentlich immer voller Zuversicht – auch dank meiner Familie, meines Freundes, der Mädels aus der Mannschaft. Es war immer jemand da, ich war nie allein. Zusammen sind wir positiv geblieben, haben das gemeinsam durchgestanden.“
Welche Rolle hat es für dich in dieser Situation gespielt, nicht allein zu sein? Menschen um dich zu haben? „Es war sehr gut, immer jemanden zum Reden zu haben. Manchmal merkt man ja selbst gar nicht, wenn etwas in die falsche Richtung läuft. Ich wusste: Da sind Leute, die achten auf mich. Meine Mama ist Pastoralreferentin, hat also eine Seelsorgeausbildung – und am Campus hatte ich mit unserem Teampsychologen Martin Walz auch einen wichtigen Ansprechpartner. Auch mit ihm konnte ich über alles reden. Für mich war das eine ideale Mischung – medizinisch, mental und emotional. Ich hatte nie Sorge, mich zu verlieren.“
Wie ist der Verein mit deiner Diagnose umgegangen? „Ich muss wirklich sagen, das war beispielhaft. Wir wussten ja alle erst mal nicht so richtig, wie wir damit umgehen. Der FC Bayern hat das dann sehr besonnen und diskret gehandhabt. Nichts kam nach außen – das war unglaublich wichtig für mich. Alle waren immer für mich da und haben alles dafür getan, mir wenigstens ein paar Sorgen zu nehmen, eben auch mit der Vertragsverlängerung. Ich habe richtigen Rückhalt gespürt, dafür bin ich sehr dankbar – auch für den persönlichen Support von Präsident Herbert Hainer, der sich gleich gemeldet und sich immer erkundigt hatte, wie es weitergeht.“
Kam in der Zeit mal der Gedanke auf, mit dem Fußball aufzuhören? „Darüber habe ich nie ernsthaft nachgedacht. Nur einmal habe ich mit meiner Mama darüber gesprochen. Weil theoretisch könnte ich ja jederzeit sagen: Das war’s, es gibt noch andere Dinge im Leben. Es tat gut, sich bewusst zu machen: Es ist meine Entscheidung – und in meinem Kopf war immer: Ich bin noch nicht fertig mit Fußball.“
Schon vor der Krebsdiagnose hattest du mit Erkrankungen zu kämpfen: Du hattest Pfeiffersches Drüsenfieber, Corona, eine Herzmuskelentzündung. „Der Tumor war dann natürlich noch mal etwas völlig anderes. Ich bin jemand, der immer genau wissen will, warum etwas passiert. Bei Krebs ist das schwierig. Da gibt es keine einfache Erklärung, keine klare Ursache, keinen Virus, den man bekämpfen kann. Ich habe viel darüber nachgedacht, was ich falsch gemacht habe, aber irgendwann habe ich verstanden: Es ist einfach passiert. Ich habe es mal so formuliert: In dieser Lotterie habe ich einfach verloren.“
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Nachdem du wieder gesund warst, musstest du dich im Tor hinten anstellen. Wie gehst du damit um? „Ena (Mahmutovic, d. Red.) und ich liefern uns einen engen Konkurrenzkampf. Im Moment hat sie die Nase vorn. Das respektiere ich, wir haben ein gutes Verhältnis miteinander. Aber klar ist auch, dass ich alles dafür tue, um wieder zu spielen. Ich sehe diese Situation als Chance, intensiv an mir zu arbeiten. Ich mag es zu trainieren, mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Nach meiner Krebserfahrung weiß ich aber auch: Mein Glück im Leben hängt nicht davon ab, ob ich im Tor stehe oder nicht. Das wäre ungesund.“
Was unterscheidet die Mala heute von der Mala vor einem Jahr? „Ich wusste immer, dass ich mental stark bin, unter Druck funktioniere und mit Rückschlägen umgehen kann. Aber das vergangene Jahr hat mir noch einmal ein anderes Selbstvertrauen gegeben. Dieser Satz „Bleib dir selber treu“, über den man manchmal ein bisschen lächelt – der trifft es inzwischen sehr gut. Ich habe gemerkt: So wie ich bin, ist es gut. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich habe gesehen, wozu ich fähig bin.“
Hast du eine Botschaft für Menschen, die gerade schwierige Zeiten durchmachen? Das muss ja gar nicht Krebs sein, es gibt viele Arten von Belastungen. „Ich finde, das Wichtigste ist: Jeder darf seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Was andere machen, muss nicht für einen selbst passen. Vorbilder sind gut – aber man muss seinen eigenen Weg gehen und das tun, was einem selbst guttut. Mir hat in dem ganzen Prozess immer geholfen zu sagen: Das ist alles total normal. Auch das würde ich gern mitgeben.“
Der Text erschien in der Januarausgabe des Mitgliedermagazins „51“:
So starten die FC Bayern Frauen in die Vorbereitungen auf die zweite Saisonhälfte:









































