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·9 de mayo de 2026

Meppen-Coach Beniermann: "Auf dem Sofa hat keiner gesessen"

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Drittliga-Comeback in Meppen. Und wie meldet sich der 2023 abgestiegene SVM zurück? Mit viel Emsland-DNA und einem jungen Erfolgscoach, der nach dem "Moin" mehr Atem hat, als vielen Menschen im Norden oft nachgesagt wird. Lucas Beniermann spricht im Interview mit liga3-online.de über den etwas anderen Sofa-Aufstieg, die Handschrift des NLZ und Bayern-artige Zahlen.

"Persönlich schätze ich am meisten das Wie"

liga3-online.de: Glückwunsch zur Meisterschaft in der Regionalliga Nord und der damit verbundenen Rückkehr in die 3. Liga. Was assoziieren Sie mit der Kombination 3. Liga und Meppen, Herr Beniermann?


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Lucas Beniermann: Die wunderbaren Momente, die ich ab 2019 – damals in anderer Rolle – bereits erleben durfte. Vier Jahre später kam der Abstieg, der schmerzhaft war und Narben hinterlassen hat: bei den Spielern und Mitarbeitern im Verein, aber genauso bei vielen Menschen hier in der Region.

Seinerzeit arbeiteten Sie als Nachwuchskoordinator für den Klub. Waren Sie teilweise nah an der Kabine und den täglichen Geschehnissen dran?

Heute ist das NLZ aufgrund der Entwicklung sicherlich näher dran und der Austausch zur ersten Mannschaft ist intensiver als damals. Nah dran war ich damals schon an einzelnen Spielern beziehungsweise Nachwuchstalenten, um diese beim Übergang hin zur 3. Liga zu unterstützen. Dazu lag meine Kernaufgabe darin, das  "JLZ Emsland" gemeinsam mit den Kollegen zu einem vom DFB anerkannten NLZ zu machen (Erteilung 2023; d. Red.). Das kam dem SVM letztlich auch beim Neuaufbau in der Regionalliga zugute.

Der erste Anlauf zum Wiederaufstieg unter der Regie von Adrian Alipour misslang, ehe Sie auf den Cheftrainer-Stuhl rücken sollten. Inwieweit trägt die Entwicklung der letzten beiden Jahre auch die Handschrift von Spielern aus dem eigenen Stall?

Unser Vorstand hat damals eine ambitionierte Aussage getroffen: "In spätestens drei Jahren wollen wir zurück in Liga 3 sein.“ Wir alle sind glücklich darüber, dass der Plan aufgegangen ist. Persönlich schätze ich am meisten das "Wie": Und zwar mit der eigenen Vereins DNA in der Regionalliga solch eine Entwicklung zu nehmen und – fast nebenbei – noch einen Unterbau in der Oberliga Niedersachsen zu etablieren. Auch mit Blick auf die nächsten Jahre und Herausforderungen ist das ein starkes Gerüst mit zahlreichen emsländischen Jungs aus dem eigenen Nachwuchs.

Auf welche individuellen Entwicklungen sind Sie besonders stolz?

Die Gruppe ist das Größte – das steht bei uns über allem. Julius Pünt ist ein super Beispiel, wenn wir über individuelle Entwicklung sprechen. Julius hat sich zu einer starken Nummer 1 entwickelt und absolut das Potenzial für die 3. Liga. Niclas Wessels ist ein weiteres Beispiel für den gelungenen Übergang aus dem eigenen Nachwuchs. In diesen Tagen denke ich auch häufig an unseren U17-Jahrgang, mit dem wir vor vier Jahren den Aufstieg in die Junioren-Bundesliga geschafft haben. Lasse und Malte Zumdieck waren damals mit dabei – und jetzt wieder beim Aufstieg in die 3. Liga! Das ist schon etwas Besonderes.

Zusammen mit externen Transfer-Volltreffern wie Julian Ulbricht entstand ein Team, das – staffel-übergreifend über alle Regionalligen hinweg – selten in einer solchen Art und Weise dominiert hat. Manche sagen auch: Bayern-like!

Die Zahlen lügen nicht, aber ein so großer Vergleich – ich glaube, so vermessen sind wir in Meppen dann doch nicht (schmunzelt). Genauso brauchen wir nicht über einen Beniermann-Fußball zu philosophieren – es ist die Art Fußball zu spielen, die wir uns gemeinsam mit allen Verantwortlichen auferlegt haben. Für die angesprochene fußballerische Dominanz benötigst Du entsprechende Spielerprofile. Auch in dem Wissen, dass Plätze und Klubs in der Nord-Staffel nicht ausschließlich zu dieser Art von Fußball einladen. Was diese Mannschaft an Gier mitbringt und wie selbstkritisch sie mit knappen Ergebnissen umgeht – das macht mich bei allen Toren und möglichen Rekorden im Endspurt am meisten stolz.

"Warum sollten wir wilden Sachen probieren?"

Ausgerechnet beim Matchball-Spiel riss die Fabelserie von 19 (!) Spielen ohne Niederlage. Infolge der 2:3-Niederlage gegen den Bremer SV sowie des gleichzeitigen Patzers der Konkurrenz gab es den eher unbeliebten Sofa-Aufstieg. Hat das die Stimmung getrübt?

Über die Woche hinweg wurde von den fleißigen Kollegen viel geplant und für die mögliche Meisterfeier in die Wege geleitet. Die Jungs wollten diese Feier im eigenen Stadion unbedingt, einige haben ihre gewohnten Routinen verlassen. Dann kommen 13.000 Leute ins Stadion, das Gegentor in der Nachspielzeit – das war die typische Meister-Flatter. Nach diesem mentalen Downer haben wir uns in den VIP-Bereich zurückgezogen und das Oldenburg-Spiel geschaut. Auf dem Sofa hat da zumindest keiner gesessen (lächelt).

Und im Laufe der Aufstiegsfeier wurde aus Coach Beniermann kurzerhand "Coach Biermann"?

Von den Fans, die das Oldenburg-Spiel über die Stadionleinwände geschaut haben, sind laut Polizeiangaben 2.000 mit uns in die Stadt marschiert. Eine Aufstiegsfeier bringt natürlich auch ein Kaltgetränk mit sich (lächelt). Und ja: Auch Bier war dabei.

Ebenso wie der feststehende Südwest-Meister SG Sonnenhof Großaspach können Sie frühzeitig in die Kaderplanung einsteigen. Was braucht es, um den SVM-Kader Drittligatauglich zu machen?

Da vertraue ich voll und ganz unserem sportlichen Leiter Olufemi Smith. Wir haben hier einen super Austausch, was mögliche Verstärkungen angeht. Dass wir beim Trainingsauftakt plötzlich mit zehn Neuzugängen dastehen, ist jedenfalls nicht vorgesehen. Auf Abgänge wie den von Jonathan Wensing (zum VfL Osnabrück; d. Red.) müssen wir reagieren. Und punktuell werden wir uns auch verstärken.  Aber warum sollten wir irgendwelche wilden Sachen probieren? Einige Jungs haben sich schon höherklassig bewiesen. Unser Kapitän Jonas Fedl war schon mit Meppen in der 3. Liga, viele andere Spieler wollen sich dort beweisen und bringen den Hunger und viel Qualität mit.

Das vielleicht größere Wagnis für die kommende Saison: Ihre fehlende UEFA Pro Lizenz. Während des Lehrgangs können Sie ab Januar 2027 nicht aktiv bei der Mannschaft sein, was in der Vergangenheit einigen Drittliga-Trainern zum Verhängnis wurde?

Dieser Fakt löst in mir eher wenig aus. Ehrlich gesagt kann ich da auch das Beispiel bzw. die Erfahrungswerte eines ehemaligen Meppen-Trainers nennen: Christian Neidhart hat diesen Spagat vor einigen Jahren ganz hervorragend hinbekommen. Selbst gehe ich diese Herausforderung mit einem super Trainerteam. Gemeinsam mit Steffen Puttkammer als meinen Co-Trainer und den weiteren Kollegen, werden wir das sicherlich gut lösen. Die A+ Lizenz, die ebenfalls einen hohen Aufwand mit sich bringt, habe ich erst vor etwa zwei Jahren parallel zu meiner Tätigkeit im Nachwuchs abgeschlossen. Mit Sicherheit nicht ganz vergleichbar, aber ein Vorgeschmack.

Ist Olufemi Smith, der selbst wie ein Trainer (früher u.a. Eintracht Norderstedt, SC Condor) denkt und als "Schlag den Raab"-Sieger auch krasse Herausforderungen außerhalb des Platzes gemeistert hat, hier noch eine Art Joker?

Sagen wir mal so: Femi ist in vielerlei Hinsicht ein Wettkämpfer und Siegertyp. Wir arbeiten in Meppen Hand in Hand. Sowohl bei Führungsthemen, als auch fußball inhaltlich sind unsere Schnittmengen riesig. Das macht ihn zu einem super Ratgeber.

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