REAL TOTAL
·15 de enero de 2026
Nach historischer Blamage: Quo vadis, Real Madrid?

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·15 de enero de 2026

Ein Trainer (zu früh?) weg, der Neue schon nach zwei Tagen beschädigt – Fotos: Getty Images
In den letzten 20 Jahren hat es bereits mehrere Spielzeiten ohne großen Titel für Real Madrid gegeben, so konnte der Klub beispielsweise 2009/10, 2012/13 oder 2018/19 keine (wichtige) Trophäe gewinnen. Dazwischen lagen aber immer Triumphe, teilweise von historischer Kragenweite. Zwischen 2014 und 2024 konnte Real allein die Champions League ganze sechs Mal gewinnen. Nun droht dem erfolgsverwöhnten Verein aber eine Zäsur: Nach 2004/05 und 2005/06, also nach ganzen 20 Jahren, könnten die Blancos erstmals wieder zwei Jahre hintereinander ohne Titel bleiben, denn der UEFA Super Cup und der Intercontinental Cup aus der Saison 2024/25 dürfen in diesem Kontext nicht wirklich eine Rolle spielen. Real Madrids letztes nationales Double aus Liga und Copa? 1989!
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Mit dem Copa-Aus in Albacete – gegen den 17. (!) der Tabelle der Segunda División – hat der spanische Rekordmeister nicht nur eine Blamage biblischen Ausmaßes hingelegt, die mit den Copa-Desastern gegen Drittligisten Alcorcón (2009/10) und Alcoyano (2020/21) gleichzusetzen ist, sondern auch grundsätzlich den vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Kurz zusammengefasst, hat Real Madrid seit dem Sommer 2024 unter anderem fünf von sechs Clásicos – teilweise blamabel – verloren, davon vier in Folge, in drei Finalspielen in Serie gegen den FC Barcelona den Platz als Verlierer verlassen, zwischendurch über ein Jahr kein wichtiges, entscheidendes Spiel gewonnen, ist im Stadtderby bei Atlético mit 2:5 untergegangen, hat zwei Trainer verschlissen, den Dritten nach nur zwei Tagen im Amt fast schon verbrannt… Und nun die Demütigung in Albacete. Kurzum: Es brennt lichterloh in Madrid.
Real Madrids titellose Saisons seit 2000
*kleinere Titel wie Supercopa etc. wurden gewonnen
Dabei sollte im Sommer 2025 alles anders, besser und nachhaltiger werden. Unter dieser Prämisse wurde Xabi Alonso als Nachfolger von Carlo Ancelotti, der zwar als der erfolgreichste Real-Coach aller Zeiten gegangen, aber in der Vorsaison mit dem Kader der Königlichen gänzlich überfordert war, verpflichtet. Und mit der Aufgabe vertraut, den Kader und die Spielweise des Klubs Schritt für Schritt zu erneuern und zukunftsfähig zu gestalten. Alles klang und sah nach einem langfristigen Projekt aus. Nur sieben Monate später wurde das Projekt beerdigt und Alonso entlassen, und zwar nicht zwingend aus sportlichen Gründen. Zwar waren die Ergebnisse unter dem Basken bis einschließlich des verlorenen Supercopa-Endspiels nicht berauschend, aber auch alles andere als katastrophal. Nach 34 Pflichtspielen als Reals Cheftrainer stehen bei Alonso am Ende 24 Siege, vier Unentschieden und sechs Niederlagen zu Buche. Zum Vergleich: Hansi Flick hatte nach seinen ersten 34 Partien als Coach des FC Barcelona exakt die gleiche Bilanz. Im Gegensatz zu Alonso ist der Deutsche bekanntlich bis heute im Amt. Alonsos Siegquote von 70,6 Prozent ist besser als die von Zinédine Zidane (65,4) – sogar besser als dessen erster Amtszeit (69,8)!
Wie verheerend die Lage an der Concha Espina wirklich ist, spiegelt sich schließlich am besten in der Situation des Alonso-Nachfolgers Álvaro Arbeloa wider. Als A-Jugend- und Castilla-Trainer hatte der 42-Jährige durchaus gutes Potenzial erkennen lassen – er gewann unter anderem mit Jacobo, Chema, Paz und Gonzalo das nationale Triple 2023 –, doch direkt nach seinem ersten Pflichtspiel an der Spitze des Profiteams scheint der Ex-Profi schon verbrannt, mindestens aber gebrandmarkt zu sein. Nach der Implosion auf offener Bühne in Albacete müsste Arbeloa am Ende der Saison mindestens einen der beiden großen Titel gewinnen, um die Schande vom Mittwochabend zu tilgen, obwohl er selbst an wenigsten etwas für die derzeitige Situation kann. Nach Lage der Dinge ist die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering. Nach nur zwei Tagen im Amt scheint Reals neuer Trainer also bereits keine Zukunft mehr zu haben.
Siegquoten einiger Trainer
Florentino Pérez galt lange als Architekt der Moderne bei Real Madrid, als Visionär, der den Klub wirtschaftlich stabilisierte, globalisierte und sportlich wieder an die Spitze führte. Doch in jüngerer Zeit, spätestens seit dem vergangenen Herbst verdichten sich die Anzeichen, dass der Präsident in alte, längst überwunden geglaubte Muster zurückfällt. Es sind Muster, die man aus seiner ersten Amtszeit kennt: Personalisierung von Macht, kurzfristige Symbolpolitik und ein ausgeprägter Glaube daran, dass Größe und Autorität allein strukturelle Probleme überdecken können.
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Seine Entscheidungen – auch die seiner rechten Hand Anas Laghrari sowie Klubdirektor José Ángel Sánchez – wirken zunehmend reaktiv statt strategisch, als ginge es mehr darum, Kontrolle zu demonstrieren, als nachhaltige Prozesse zu etablieren. Besonders auffällig ist die Rückkehr zum starken Präsidentenprinzip, bei dem alles im Klub inklusive der sportlichen Verantwortung zentralisiert wird – seine Macht spiegelt sich auch in den zuletzt drei konkurrenzlosen „Wahlsiegen“ in Folge wieder. Trainer oder langfristige Kaderplanungen erscheinen dabei als austauschbare Variablen. Das erinnert mittlerweile unwiderstehlich an die Galáctico-Ära, in der Real Madrid zwar glamourös wirkte, intern aber enorm instabil war, mit häufigen Kurs- und Trainerwechseln, hektischen Personalentscheidungen und einer Mannschaft, die mehr aus Namen als aus funktionierenden Strukturen bestand.
Aber auch kommunikativ zeigt Pérez einen Rückfall in alte Zeiten, denn statt Transparenz und Einbindung dominiert wieder die alte Arroganz: Jegliche Kritik wird nicht etwa aufgegriffen, sondern ausgesessen oder bestraft – auch deswegen sind Spieler-Interviews nach Patzern in LaLiga absolute Seltenheit geworden –, Zweifel werden nicht angenommen, sondern als vorübergehendes Rauschen betrachtet, reflektiert wird dabei überhaupt nicht. Dieses Vorgehen mag zwar kurzfristig seine Autorität sichern, birgt aber langfristig das Risiko der Entfremdung – innerhalb des Klubs wie auch gegenüber Fans und Umfeld. Und dort sind die „Florentino Dimision“-Rufe und Sticker zwar nicht wahrzunehmen im Bernabéu selbst (dank erfolgreich verdrängter Opposition), wohl aber davor und um das Stadion herum.
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Ist das wirklich passiert? Im ersten Spiel nach dem Trainer-Wechsel - Álvaro Arbeloa für Xabi... weiterlesen
Als am 2. Juni 2024 der einen Tag zuvor in London gewonnene 15. Champions-League-Titel im Estadio Santiago Bernabéu zelebriert wurde, schien Real Madrid auf dem Gipfel angelangt und auf Jahre hinweg in jeder Hinsicht unantastbar zu sein. Aber es war eben auch der letzte Titel mit Legenden und Leadern wie Luka Modrić, Toni Kroos, Nacho Fernández und anderen aus der La-Décima-Ära, von der ohnehin nur noch Daniel Carvajal übrig ist, und auch dem unterstellen manche Madridistas mittlerweile einen zu großen Kuschelkurs mit seinen Nationalmannschaftskollegen aus Barcelona. Das Handeln von Pérez und Co. hat jedoch nur eineinhalb Jahre später als direkte Folge die absurde Situation, dass der Klub erstmals seit mindestens 15 Jahren tatsächlich vor einer völlig unsicheren Zukunft steht. Dass Álvaro Arbeloa sich zu einem zweiten Zinédine Zidane entwickelt, ist aus heutiger Sicht nur ein frommer Wunsch, vor allem deshalb, weil der Kader der Königlichen – der jüngste in LaLiga gemeinsam mit Barça – sowohl sportlich als auch charakterlich und strukturell unausgegoren, unausbalanciert und in dieser Form kaum zukunftsträchtig ist. Und daran würde auch der nächste Trainer im kommenden Sommer oder sogar früher wohl nichts ändern.
Ob Real wieder einmal, wie so oft in der Vergangenheit, zu sich selbst und damit wieder auch zum Erfolg zurückfindet, hängt im Prinzip einzig und allein von Florentino Pérez und der Frage ab, ob der Rückfall in alte Muster eine Übergangsphase oder ein dauerhaftes Leitmotiv ist. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass Real Madrid nicht trotz, sondern gerade wegen struktureller Ruhe und klarer Rollenverteilung so erfolgreich war. Wenn Pérez diese Lektion aus den Augen verliert, riskiert er nicht nur seine, sondern auch die Zukunft des Klubs. Dabei ist die Ironie so offensichtlich: Gerade Pérez selbst hat bewiesen und erfahren, dass Real Madrid dann am erfolgreichsten ist, wenn Institutionen stärker sind als Einzelpersonen, wenn sportliche Planung und strategisches Denken verbunden mit Geduld Vorrang vor reflexartigem Handeln haben und wenn der Präsident einfach ideale Rahmenbedingungen schafft, statt permanent in alles einzugreifen. Dass er nun erneut auf einst praktizierte, aber bewiesenermaßen problematische Reflexe zurückgreift, wirkt überhaupt nicht strategisch – es wirkt eher wie ein Kreis, der sich schließt.









































