liga3-online.de
·21 de junio de 2026
Neumann im Interview: "Wollen das Fahrstuhl-Image abstreifen"

In partnership with
Yahoo sportsliga3-online.de
·21 de junio de 2026

Vom Praktikanten zum Sportlichen Leiter hochgearbeitet, aber erst mit der Rückkehr nach vierjähriger Drittliga-Abstinenz seinen Seelenfrieden gefunden: Sebastian Neumann von den Würzburger Kickers spricht im liga3-online.de über das Fahrstuhl-Image, seine Transfer-Strategie und was bis zum Trainingsauftakt der Franken am 25. Juni noch passiert.
liga3-online.de: Deutschlandweit knackt das Thermometer in diesen Tagen die 30-Grad-Marke. Können Sie eher an solchen Tagen oder eher in Vertragsverhandlungen nach einem Aufstieg einen kühlen Kopf bewahren, Herr Neumann?
Sebastian Neumann: Ich wäre wohl eher der Typ Frostbeule (lächelt). Warme Temperaturen machen mir wenig aus, und bei Verhandlungen kann ich auch recht cool bleiben. Entscheidend dafür: Eine gute, individuelle Vorbereitung auf jedes Gespräch sowie die richtige Einordnung eines Spielers in ein finanzielles Limit.
Wurden Ihnen auch schon Spieler angeboten, die für die Kickers vor einigen Monaten noch völlig außer Reichweite lagen?
Vergleichsweise ist der Markt durch die WM 2026 noch recht ruhig. Aber ja: Jetzt bekommst du Spieler angeboten, die vor sechs oder zwölf Monaten weder finanziell stemmbar noch von ihren Ambitionen her ein Thema für uns gewesen wären.
Als erster Neuzugang steht Mittelfeldmann Namrud Embaye (FV Illertissen) fest, der Trainingsauftakt ist für den 25. Juni geplant. Wird es bis dahin einen weiteren "Done Deal" geben?
Wir haben einiges in der Pipeline und planen zum Trainingsauftakt mit einer Kadergröße von etwa 17 bis 18 Spielern. Da reden wir auch von Vertragsverlängerungen für Säulen aus der Aufstiegsmannschaft. Jungs wie Philipp Ochs und Tarsis Bonga wollen wir in Würzburg halten. Ansonsten legen wir – wie am Beispiel Embaye – den Fokus auf Potenzialspieler aus der Regionalliga, können aber auch mal ein oder zwei Regale höher greifen, wenn es Sinn macht.
Aus den vorherigen sechs Drittliga-Spielzeiten kennen viele die Kickers als Fahrstuhl-Mannschaft: Meist im oberen Drittel etabliert, zwei Zweitliga-Aufstiege, aber dann bis in die Regionalliga Bayern durchgereicht. Haben Sie – um im sprachlichen Bild zu bleiben – eine neue Taste eingebaut?
Am besten wäre es, wenn wir ganz aus dem Aufzug aussteigen und das besagte Fahrstuhl-Image durch nachhaltige Arbeit abstreifen. Niemand hätte etwas gegen eine Platzierung weit weg von der Abstiegszone, vielleicht auch im oberen, gesicherten Mittelfeld. Am Ende muss es mit der Gesamtentwicklung des Klubs im Einklang stehen.
Sehen Sie – auch vor dem Hintergrund der Zweitliga-Abstiege mit eher jäher Punktzahl (25/34 Zähler) – die 3. Liga als natürliches Habitat für den Klub?
Diese Aussage unterschreibe ich. Vor allem aber aufgrund der Leidenszeit, aus der wir jetzt kommen: vier Jahre Regionalliga Bayern, ein verpasster Aufstieg über die Relegation (4:5 i.E. gegen Hannover 96 II, Anm. d. Red.) – das vergisst du nicht so schnell. Unser Doppel-Abstieg hat gezeigt: Wenn du sportlich rasant wächst, bist du auch gezwungen, die Struktur im Eiltempo anzupassen und hast – wenn es dann mal in die andere Richtung gehen sollte – nahezu keine Chance.
Ihre Funktionärskarriere begann als Praktikant, ehe es über Tätigkeiten im NLZ weiter nach oben zum Sportlichen Leiter ging. Was hätte der Praktikant Sebastian Neumann gerne von dem gehabt, was der Sportliche Leiter heute besitzt?
Ganz klar: Die Erfahrung im Aufbau von Scouting-Prozessen, der Umgang mit Beratern sowie eine gewisse Gelassenheit im Tagesgeschäft hätten mir seinerzeit geholfen. Trotzdem bin ich dankbar, die negativen Aspekte erlebt zu haben.
Damit nicht genug, waren Sie auch dreimal als Interimstrainer für die Kickers im Einsatz!
Da bin ich aufgrund verschiedener Umstände eher reingerutscht (lächelt). Ich hatte den Kader zusammengestellt und entsprechend einen Draht in die Kabine. Einmal ging es einfach darum, eine Englische Woche zu überbrücken, bis ein neuer Coach übernahm. Da lief es mit sieben Punkten aus drei Partien sogar super.
Also scheint ein weiterer Wechsel vom Schreibtisch an die Seitenlinie nicht ausgeschlossen?
Doch. Einerseits besitze ich nur die B-Lizenz und für eine Weiterbildung fehlt dir im Drittliga-Tagesgeschäft die Zeit, aber ehrlicherweise auch die Ambitionen. Glücklicherweise haben wir in Michael Schiele einen derart erfahrenen Coach, bei dem ich nicht darüber nachdenken muss, meinen Job hier anzupassen.


En vivo





































