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·21 de abril de 2026

Schalke als Gastgeber: LAG NRW mit Fortbildung zu diskriminierungssensiblen Stadionführungen

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Mehr als 60.000 Menschen, das bedeutet unterschiedlichste Hintergründe, Emotionen und große Nähe – ein Spieltag vereint all das auf engstem Raum. Gerade deshalb ist es wichtig, das Stadion zu einem Ort zu machen, an dem sich jede Person sicher, respektiert und willkommen fühlt. Wie Fußballclubs dafür tragfähige Strukturen schaffen können, demonstrierte kürzlich die Fortbildung „Guide für diskriminierungssensible Stadiontouren“ in der VELTINS-Arena.

Organisiert wurde der Fachtag von der Landesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte NRW e.V., dem Zusammenschluss der 16 sozialpädagogischen Fanprojekte in Nordrhein-Westfalen, die seit Jahren wichtige Impulse in Prävention und Bildungsarbeit setzt. Durch die Schulung führten Geschäftsführer Patrick Arnold sowie die Projektleitenden Elena Müller und Dr. David Berchem, die Perspektiven aus Praxis und Wissenschaft einbrachten.


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Mit der MeDiF-NRW hat die LAG eine zentrale Meldestelle für Diskriminierung im Fußball geschaffen. Seit 2022 wurden dort bereits mehrere tausend Vorfälle dokumentiert, aus denen sich drei Schwerpunkte ableiten lassen: Fragen von Geschlecht und Männlichkeitsbildern, unterschiedliche Formen von Rassismus sowie Zugänge und Barrieren für Menschen mit Behinderungen.

Diese Thematik bewegt weit über Liga- und Landesgrenzen hinaus: Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Clubs aus dem Profifußball trafen sich auf Schalke, um den Blick für sensible Situationen im Stadionumfeld zu schärfen und neue Ansätze mitzunehmen. Mit dabei unter anderem: FC St. Pauli, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, Bayer 04 Leverkusen, 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, SG Dynamo Dresden und der FC Schalke 04. Ein breites Spektrum – und ein gemeinsamer Konsens: Wie gelingt ein Stadion für alle?

Nach der Begrüßung eröffnete Dr. David Berchem den Workshop mit einer wissenschaftlichen Einführung zu Diskriminierung im Fußballsport. Im Mittelpunkt standen Mechanismen von Ausgrenzung, gesellschaftlich erlernten Vorurteilen sowie von sogenannte Gelegenheitsstrukturen – Situationen, in denen grenzüberschreitendes Verhalten bagatellisiert oder als vermeintlich „normal“ dargestellt wird.

Berchem brachte es auf den Punkt: „Im Fußball herrschen gewisse Gelegenheitsstrukturen, die den Austragungsort zu einem gesellschaftlichen Raum mit vermeintlich eigenen Gesetzmäßigkeiten machen.“ Dabei ist die Fußballwelt kein abgeschlossener Kosmos. Häufig verdichten sich gesellschaftliche Ungleichheiten und Ausgrenzungsmechanismen im Stadion-Kontext – auf den Rängen, im Netz oder im direkten Miteinander eher.

Im anschließenden Austausch zeigte sich schnell ein gemeinsamer Nenner: Veränderung beginnt dort, wo Probleme erkannt und benannt werden. Diskriminierung ist kein Randthema, sondern erfordert gezielte und systematische Verantwortungsübernahme aller beteiligten Akteure. Patrick Arnold betonte: „Etablierte Strukturen, die mit den nötigen Wissensbeständen ausgestattet sind, sind immer noch eine Seltenheit. Diskriminierung ist eine Querschnittsaufgabe.“

Gleichzeitig steckt bereits viel Bewegung in einigen Clubs. So setzt etwa der VfL Wolfsburg auf verpflichtende Vielfaltsschulungen für neue Mitarbeitende – unabhängig ihres Tätigkeitsbereichs. Ein Ansatz, der Sensibilität und Handlungssicherheit im Alltag stärken soll.

Im Praxisteil am Nachmittag diskutierte die Gruppe gemeinsam mit Elena Müller Awarenesskonzepte und die Wirkung von diskriminierungssensiblen Stadiontouren. Sie betonte: „Standort ist nicht gleich Standort – jeder Verein muss schauen, wo Diskriminierung stattfindet und wie man dem entgegenwirken kann.“

Genau hier setzt das Format an: Auf Basis der Daten der Plattform MeDiF-NRW werden neuralgische Punkte in und um die Stadien identifiziert, wo diskriminierende Dynamiken besonders sichtbar werden. Dazu zählen unter anderem Anreisewege, Eingänge, Tribünenbereiche, VIP-Räume, Sanitäranlagen, Rollstuhlplätze oder digitale Vereinskanäle.

Patrick Arnold formulierte es deutlich: „Das Ziel ist es immer, Reflexion anzuregen. Gerade Männer müssen die eigene Rolle hinterfragen: Wie verhalte ich mich? Auch Schweigen ermöglicht Gelegenheitsstrukturen. Der Fußball braucht eine kritische und einschreitende Form von Männlichkeit.“

Die Führungen verfolgen vor allem einen Zweck, sie wollen nicht belehren, sondern sensibilisieren, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und Menschen stärken.

Auf Schalke besitzt das Thema seit Jahren eine hohe Bedeutung. Gemeinsam mit der LAG NRW fanden bereits mehrfach diskriminierungssensible Rundgänge im königsblauen Wohnzimmer statt. Hinzu kommen vereinseigene Angebote, die Betroffenen Orientierung und Hilfe bieten. Dazu zählt auch das Codewort „Wo ist Elli?“. Mit dieser Frage können sich Besucherinnen und Besucher an Spieltagen an die #STEHTAUF-Anlaufstelle, Volunteers oder Servicekräfte wenden, wenn sie Unterstützung benötigen oder sich unwohl fühlen.

Fakt ist: Ein diskriminierungssensibles Umfeld entsteht nicht über Nacht. Es braucht kontinuierliches Engagement, klare Haltung und gelebte Solidarität – auf Schalke und weit darüber hinaus.

Die starke Resonanz auf die Fortbildung in Gelsenkirchen zeigte, dass die Vereine ihre Verantwortung annehmen und bestehende Konzepte weiterentwickeln wollen. Wer Vielfalt stärkt, Barrieren abbaut und Betroffene ernst nimmt, verbessert nicht nur das Stadionerlebnis – sondern stärkt den Fußball insgesamt.

Denn Leidenschaft kennt viele Gesichter. Respekt auch.

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