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·10 de abril de 2026

Schlingerkurs um Aussortierte: Dotchev riskiert Glaubwürdigkeit

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Vor einer Woche hatte Ulms Coach Pavel Dotchev als Reaktion auf die anhaltende Negativserie und das Pokal-Aus bei Viertligist Großaspach gleich acht Spieler aussortiert und anschließend deutlich gemacht, dass es für sie keinen Weg zurückgeben werde. Nun begnadigte er zwei Spieler – und fährt damit einen seltsamen Schlingerkurs, mit dem er seine Glaubwürdigkeit riskiert. Ein Kommentar.

Alle zwei Tage eine andere Aussage

Er habe "reagieren müssen": So begründet Dotchev vor einer Woche seine Entscheidung, gleich acht Spieler auszusortieren. Zudem verwies er darauf, die Trainingsqualität mit der Maßnahme erhöhen zu wollen. Nachdem er zu diesem Zeitpunkt noch betont hatte, dass die Tür für die aussortierten Akteure keinesfalls verschlossen sei, machte er am letzten Sonntag nach der Partie gegen Ingolstadt mit überraschend deutlichen Worten klar: "Die Spieler, die nicht mehr bei uns sind, haben ab Sommer sowieso keine Zukunft mehr. Ich rechne nicht mehr mit denen." Dabei verwies der 60-Jährige auch auf "mangelnde Spielpraxis" der acht Akteure. "Wenn ich jetzt anfange, auf diese Leute zu setzen, werden sie drei, vier Spiele brauchen, um auf das Level zu kommen. Die Zeit haben wir aber nicht."


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Aussagen, die erneut nur eine Halbwertszeit von gerade mal zwei Tagen hatten. "Sie sind nicht komplett weg. Sie trainieren jeden Tag und werden von uns betreut, damit sie sofort da sein können, wenn wir sie brauchen", sagte Dotchev am Dienstag vor dem Spiel beim VfB Stuttgart II. Wiederum zwei Tage später gab Ulms Coach am Donnerstag schließlich bekannt, dass Abu-Bekir El-Zein und Ben Westermeier ab sofort wieder mit dem Profikader trainieren.

Keine klare Haltung

Sicherlich wird die Kehrtwende auch vor dem Hintergrund erfolgt sein, dass mit Jan Boller ein weiterer Spieler einen Kreuzbandriss erlitten hat und Dennis Chessa aufgrund seiner fünften gelben Karte für die Partie in Rostock gesperrt ist. Jedoch wird Dotchevs Schlingerkurs nicht gerade für Vertrauen innerhalb der Mannschaft sorgen. Dabei spielt die Kommunikation nach außen und innen eine zentrale Rolle, wenn ein Team in einer sportlichen Krise steckt. Es scheint, als wäre Dotchev selbst nicht zu 100 Prozent von der Maßnahme überzeugt gewesen, nachdem er im Winter betont hatte, dass es nicht seine Art sei, Spieler in eine zweite Trainingsgruppe zu versetzen.

Wer innerhalb weniger Tage seine Linie mehrfach korrigiert, riskiert, an Glaubwürdigkeit zu verlieren – nicht nur bei den betroffenen Spielern, sondern im gesamten Kader. Denn die Botschaft, die hängen bleibt, ist keine klare Haltung, sondern Unsicherheit. Und genau diese kann sich schnell auf die Mannschaft übertragen. Dabei war der ursprüngliche Ansatz durchaus nachvollziehbar. Ein klares Signal, mehr Konsequenz, höhere Trainingsintensität – all das sind legitime Mittel, um eine Negativserie zu durchbrechen.

Fader Beigeschmack bleibt

Doch solche Maßnahmen entfalten nur dann ihre Wirkung, wenn sie konsequent durchgezogen werden. Werden sie hingegen relativiert oder gar zurückgenommen, droht der gegenteilige Effekt: Die Autorität des Trainers wird untergraben, die Maßnahme verliert ihre Wirkung. Gerade für die aussortierten Spieler ist die Situation nun widersprüchlich. Erst ohne Perspektive, dann doch wieder eine Option – das erschwert es, die eigene Rolle klar einzuordnen. Gleichzeitig stellt sich für die verbliebenen Akteure die Frage, wie verbindlich Entscheidungen des Trainers tatsächlich sind. In einer Phase, in der es auf Geschlossenheit und klare Strukturen ankommt, ist das ein riskantes Signal.

Natürlich zwingen Verletzungen und Sperren im Saisonendspurt oft zu pragmatischen Lösungen. Doch genau hier zeigt sich Führungsstärke: einen klaren Plan zu verfolgen und diesen auch unter Druck nicht ständig anzupassen. Beim SSV entsteht derzeit jedoch eher der Eindruck, dass aktionistisch auf äußere Umstände reagiert wird, statt eine klare Linie vorzugeben. Unterm Strich bleibt daher ein fader Beigeschmack. Dotchevs Maßnahme wirkte zunächst wie ein konsequenter Schnitt – inzwischen aber eher wie ein Schritt, der nicht zu Ende gedacht war. Schon in den letzten Wochen gab sich der 60-Jährige oft ratlos ob der sportlichen Situation und widersprach sich auch in anderen Aspekten. In einer ohnehin schwierigen sportlichen Lage ist das ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Und genau den kann sich Ulm im Abstiegskampf eigentlich nicht leisten.

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