Rund um den Brustring
·6 de enero de 2026
Schön war’s

In partnership with
Yahoo sportsRund um den Brustring
·6 de enero de 2026

Mit Silas verlässt ein Spieler den VfB, der zwar sportlich in den letzten Jahren in Bad Cannstatt immer mehr an Bedeutung verlor, dem viele Fans aufgrund seiner besonderen Geschichte aber vor allem emotional weiterhin sehr verbunden sind.
Das Bild oben ist eines aus glücklicheren Zeiten. Glücklicher vor allem für Silas Katompa Mvumpa, der unter die überragende Vizemeisterschaft einer überragenden Mannschaft mit einem überragenden Solo gegen Mönchengladbach den Schlusspunkt setzte. Von überforderten Borussen nicht vom Ball zu trennen startete er tief in der eigenen Hälfte, surfte nach einem Doppelpass durch die gegnerische Abwehr, links vorbei, rechts vorbei und rein. Das war der Silas, wie wir ihn nach seinem Wechsel vom Paris FC in der zweiten und der ersten Liga bewundern gelernt hatten. Mit Tempo, Technik und Abschluss passt er perfekt zum neuen VfB unter Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger, der trotz des bitteren Abstiegs neu daher kam, frischer, mutiger. Auch wenn er, anders als andere Spieler für eine ziemlich ordentliche Ablösesumme nach Bad Cannstatt kam, die damals durch abstiegsbedingte Verkäufe und den eventuellen Aufstieg refinanziert wurde, von der Fabian Wohlgemuth nach dem Wechsel zu Mainz 05 allerdings nur noch einen Bruchteil sieht. Aber Ablöse hin oder her, was Silas bot, war größtenteils: spektakulär.
Für viel Aufsehen sorgte auch, dass er sich im Sommer 2021, als er sich gerade von einem Kreuzbandriss, der seine erste Bundesliga-Saison abrupt beendet hatte, erholte, dem VfB nicht nur offenbarte, sondern auch anvertraute. Dabei ging es nicht nur um irgendein privates Problem, sondern um seine Identität, seinen Namen, unter dem er bislang Fußball gespielt hatte. Und vor allem um den Umgang windiger Spielervermittler mit jungen Menschen vom afrikanischen Kontinent, die ihre fußballerischen Fähigkeiten als Ausweg aus prekären Lebensverhältnissen sehen und deswegen mitunter gnadenlos ausgenutzt werden. Vorbildlich, wie sich der VfB damals seiner annahm. Als Fußballer konnte Silas nach seinem Kreuzbandriss 2021 und seiner Schulterverletzung 2022 nie mehr an das Niveau anknüpfen, mit dem er sich in unsere Herzen gespielt hatte. Als Mensch, der seinem Arbeitgeber und dessen Fans in diesem mitunter unbarmherzigen Business so viel Vertrauen entgegenbrachte und es mit Zuneigung und Unterstützung zurückgezahlt bekam, wird er dort für immer bleiben. Warum dieser Aspekt in der offiziellen Verabschiedung des VfB auf der Vereinshomepage kaum Erwähnung findet, verwundert mich etwas.
Und dennoch ist Silas letzten Endes Fußballprofi und ich ein Fan des VfB Stuttgart und nicht eines Spielers, auch wenn dieser mir emotional wichtiger ist, als manch anderer. Es wird ungewohnt sein, ihn in Zukunft im Mainzer Trikot auflaufen zu sehen, zum Glück sind die Nullfünfer tabellarisch so weit von uns weg, dass ich ihm in 18 der restlichen 19 Spiele nur das Beste wünschen kann. Beim VfB war nach dem Traumtor gegen Mönchengladbach relativ abrupt Schluss: Im Supercup gegen Leverkusen verschoss er nicht nur einen Elfmeter, sondern verärgerte Sebastian Hoeneß offenbar so nachhaltig mit seinem Defensivverhalten, dass dieser im für die anstehende Champions League-Saison keine Kaderperspektive geben konnte oder wollte. Auch bei Crvene zvezda, wohin er je nach Interpretation flüchtete oder gedrängt wurde, konnte er nicht vollends überzeugen und hatte angesichts der hohen Kaufoption auch wenig Perspektive. Warum genau er in der laufenden Saison trotz des Engpasses in der Offensive nicht einmal bei der Maximalrotation gegen Mainz im Kader stand, wird wohl Sebastian Hoeneß’ Geheimnis bleiben, zumal auch die Tatsache, dass er seit dem Mai 2024 kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten hat, seinem Marktwert und damit den Ablöseforderungen nicht geholfen haben wird. Auf der anderen Seite ist gerade auf den Außenbahnen die Konkurrenz besonders groß und der VfB ist längst nicht mehr wie 2019 oder 2020 in der Position, dass er die gegnerischen Mannschaften mit einem wohltemperierten Steilpass auf Silas aushebeln kann.
Deshalb ist es auch gut, dass die fußballerische Nicht-Existenz von Silas im vergangenen halben Jahr ein Ende gefunden hat und man ihn wieder lachen sehen kann — nur eben nicht mehr im VfB-Training, sonder für Mainz auf dem Platz. Unterm Strich stehen am Ende 35 Tore und 21 Vorlagen in 132 Einsätzen im roten Brustring. Für einen Stürmer eine gute, wenn auch keine überragende Bilanz. Im Gedächtnis bleibt aber auch ein Spieler, der einmal die Fantasie anregte, wohin die Reise mit ihm sportlich noch gehen könnte. Jetzt ist sie vorbei.
Merci pour tout!
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass verabschiedete sich schon Mitte Dezember von Silas, als sich ein Wechsel bereits abzeichnete und blickte auch auf seine schönsten Treffer im Brustring zurück.
Titelbild: © Alexander Hassenstein/Getty Images









































