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·29 de noviembre de 2025

So knackte der FC Bayern das Abwehrbollwerk von St. Pauli

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Für viele Bayernfans war es nur drei Tage nach dem nervenaufreibenden 1:3 in der Champions League beim FC Arsenal einzig eine Frage der Höhe des Heimsieges gewesen. Mit acht Niederlagen in Folge in der Bundesliga war der FC St. Pauli als Tabellensechzehnter und wenig Selbstbewusstsein in die Allianz Arena gekommen. Mit wie vielen Toren also würde der FC Bayern sich wohl die Europapokal-Enttäuschung von der Seele schießen? 90 Minuten lang sah es so aus, als würde der bayerische Frust mit einem 1:1-Unentschieden sogar noch vergrößert. Dann aber brach die Nachspielzeit an – und mit ihr fand der Tabellenführer doch noch den Schlüssel zum 3:1-Heimsieg.

Der Schlüssel passte nicht ins zugeschweißte Schloss

Dieser Schlüssel hatte zuvor lange Zeit einfach nicht ins fest verschlossene, vernagelte, ja regelrecht zugeschweißte Schloss der Gäste gepasst. Vor dieses hatte sich der FC St. Pauli mit allem, was ein schwarzes Trikot trug, versammelt und verteidigte, grätschte und kämpfte alles weg, was irgendwie ging. Erst recht, als die Gäste überfallartig die noch vorhandene Reisemüdigkeit des FC Bayern erfolgreich ausgenutzt hatten: Gleich zwei Ballverluste leistete sich die Münchner Hintermannschaft in Folge, das Stellungsspiel war nicht optimal – und schon stand es überraschend 1:0 für den Underdog durch Andreas Hountondji. Keine sechs Minuten waren da gespielt.


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„In jeden Ball reinhauen“

Die Führung fügte sich hervorragend in den Matchplan der Gäste. „Unser Plan war von Anfang an klar“, verriet Paulis Lars Ritzka hinterher: „In jeden Ball reinhauen, uns gegenseitig unterstützen.“ Nun wurde nur noch leidenschaftlicher und mit noch mehr Willen um jeden Zentimeter gefightet. „Wir haben heute alles reingeworfen, das richtig gelebt, es gefeiert, sind in die Zweikämpfe reingerutscht, haben die Box besetzt“, so Gästetrainer Alexander Blessin.

Der FC Bayern, damit zum dritten Mal in einem Bundesligaspiel hintereinander in Rückstand geraten, kombinierte sich zwar minütlich etwas näher Richtung Strafraum des FC St. Pauli. Das jedoch ließ die Räume dort auch immer enger, die Luft immer dünner werden – weil die gegnerischen Spieler sich allesamt bemühten, sich gestaffelt hinter dem Ball im Zentrum aufzureihen.

Über 82 Prozent Ballbesitz

Nach einer Viertelstunde bereits besaß der Gastgeber über 82 Prozent Ballbesitz – aber einfach kein Glück: Der agile, spielfreudige Lennart Karl hatte einen feinen Schlenzer mit unheimlich viel Effet losgeschickt, dieser klatschte aber nur an den linken Pfosten (24.). Elf Minuten später versuchte es Tom Bischof mit Gewalt aus dem Rückraum, doch auch sein abgefälschter Kracher knallte ans Hamburger Gebälk, diesmal war es der rechte Pfosten (35.). Erst als Luiz Díaz im Strafraum zu Fall gebracht worden war und den Ball artistisch im Liegen vor Raphaël Guerreiros Füße schob, schickte dieser ihn zum verdienten Ausgleich humorlos unter die Gästelatte. Es war bereits Luchos fünfter Bundesliga-Assist – damit hat der Neuzugang bereits jetzt seinen Premier League-Bestwert aus den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 für Liverpool übertroffen. Raphaël Guerreiro hingegen bedankte sich auch zum vierten Mal hintereinander mit einer direkten Torbeteiligung für seinen Einsatz.

Von den erhofften Ergebnissen jedoch, die die meisten Bayernfans vor Spielbeginn noch euphorisch auf ihre Fanclub-Tippzettel geschrieben hatten, war ihr FCB beim Pausen-1:1 allerdings noch in etwa so weit entfernt wie die Leopoldstraße vom Kiez. Einzig die Statistik sprach bereits Bände: 10:3 Torschüsse, 19:3 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum – ja, fast 40 Prozent des Spiels hatten sich unmittelbar um den Strafraum der Gäste abgespielt

Ein zum Platzen gefüllter Ballon

Mit dem Beginn der zweiten Hälfte verschärfte der FC Bayern den immensen Druck noch einmal – es war, als würde man in einen prallgefüllten Ballon irgendwie noch mehr Luft hineinpusten. Der laute Knall der Erlösung aber, er blieb weiterhin aus. Dabei hatte Cheftrainer Vincent Kompany nun mit Michael Olise noch einen weiteren Ballzauberer eingewechselt – die Hoffnung dahinter: Den einen genialen Geistesblitz erzwingen. Der FC Bayern besaß nun zeitweise über 90 Prozent Ballbesitz, St. Pauli wackelte, aber es fiel einfach nicht. „Sie haben gut und aggressiv durchgeschoben, gerade mit ihrer Fünferkette“, lobte Manuel Neuer den Gegner: „Wir haben die Räume zwar gefunden, aber mit den Aluminiumtreffern war das Glück heute nicht unbedingt auf unserer Seite.“

Die Dominanz des FC Bayern war erdrückend. Neun Minuten nach der Pause war bereits der eigene Bundesligamittelwert an Flanken überschritten, nach 80 Minuten der der gespielten Pässe. Auch St. Pauli half nicht mit: Ein verunglückter Klärungsversuch strich um Zentimeter am eigenen Gehäuse vorbei. Harry Kane wurde geblockt oder zielte knapp drüber, der eingewechselte Serge Gnabry ebenso aus der Drehung. Als auch Kane den Ball an den Pfosten knallte, schlug der englische Angreifer ungläubig die Hände über dem Kopf zusammen: Es war zum Verrücktwerden!

Torschuss 18 und Torschuss 19

Also mussten Torschuss 18 und 19 herhalten. Es lief bereits die Nachspielzeit, da schickte Joshua Kimmich den Ball noch einmal nach vorne, diesen drückte Luis Díaz mit der Schulter, mit dem Ohr, mit dem Schlüsselbein irgendwie zum 2:1 über die Linie (90.+6). Und das Glück, das so lange gefehlt hatte, kehrte nun fast aberwitzig zurück: Serge Gnabry verzettelte einen Hamburger Verteidiger nach langem Ball irgendwie in einen Zweikampf, der Ball sprang zum eingewechselten Nicolas Jackson, der eiskalt mit Bundesligator Nummer drei zum 3:1 abschloss. Das Abseitstor zählte nach VAR-Einsatz doch noch, das unfreiwillige Zuspiel war von der Fußspitze des Verteidigers gekommen (90.+3). „Es war nicht einfach heute. Wir haben zwei Punkte gut gemacht auf die Konkurrenz. Solche Siege gehören auch zu einer Saison, das war wichtig heute“, gestand Vincent Kompany, der Bayerncoach.

Zwölf Tore in der Schlussviertelstunde

Zwölf Tore in der Schlussviertelstunde – niemand traf in diesem Spielabschnitt häufiger als der FC Bayern. „Wir glauben immer daran, dass wir bis zur letzten Minute Tore machen können“, sagte Manuel Neuer: „Das hat man in der Schlussphase wieder gesehen.“ Und Präsident Herbert Hainer fand: „Wir mussten lange kämpfen. Aber das zeigt die Moral der Mannschaft, dass sie an sich glaubt und das Spiel zum Schluss dreht.“

Und wer nun von einem glücklichen FC Bayern-Sieg sprechen wollte, der hatte die Zahlen nicht gelesen: 996 Pässe, die meisten dieser Saison überhaupt in einem Spiel, 28:4 Flanken, 10:2 Eckbälle, 28:4 Dribblings hatte der FC Bayern mit Fleiß und Geduld gesammelt, um dann doch noch die Tabellenführung auf acht Punkte auszubauen – Leipzig war nicht über ein 0:0 gegen Mönchengladbach hinausgekommen. „Am Ende des Tages war es ein super Sieg in der Nachspielzeit, der uns ganz viel Energie gibt und den Charakter der Mannschaft zeigt“, freute sich Christoph Freund, der Sportdirektor.

Der Charakter soll auch vier Tage später wieder helfen: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, skandierte die Südkurve nach Spielschluss bereits – doch halt! Am Mittwoch im Stadion an der Alten Försterei kommt es erst einmal zum Pokal-Achtelfinale.

Die Stimmen zum Spiel gegen St. Pauli:

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