Rund um den Brustring
·3 de mayo de 2026
So reicht das nicht

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·3 de mayo de 2026

Mit dem zweiten Unentschieden in Folge und nur einem Sieg aus den letzten fünf Ligaspielen verspielt der VfB vorerst den Champions-League-Platz. Um ihn sich im Saisonfinale zurück zu holen, bedarf es einer massiven Leistungssteigerung.
Pokal-Halbfinale, 28. Spielminute. Der VfB verursacht unnötig eine Ecke gegen sich, der Eckstoß wird aus dem Strafraum raus vor die Füße des Gegners geklärt. Der VfB liegt 0:1 hinten, nach 90 Minuten steht es 1:1, nach 120 Minuten steht der VfB im Pokalfinale. Bundesliga, 31. Spieltag, 18. Spielminute. Werder Bremen hat einen Einwurf auf mittlerer Höhe der VfB-Hälfte. Der Einwurf gelangt nach einer missglückten Klärungsaktion auf den rechten Flügel der Bremer, wo diese ungestört Doppelpass spielen können. Der VfB liegt 0:1 hinten, nach 90 Minuten steht es 1:1. Bundesliga, 32. Spieltag, 7. Spielminute. Die TSG Hoffenheim hat auf Höhe der Strafraumgrenze des VfB einen Einwurf. Dieser kann unbedrängt Richtung Elfmeterpunkt geköpft werden, wo ein missglückter Abschluss zur Torvorlage wird. Der VfB liegt 0:1 hinten. 24. Spielminute. Der VfB köpft eine gegnerische Ecke an die eigene Strafraumkante und dort dem Gegner in die Füße. Der VfB liegt 1:2 hinten, nach 90 Minuten steht es 3:3. In allen drei Spielen tritt der VfB 31 Ecken, die Gegner zehn.
Natürlich ist der Umgang mit eigenen und gegnerischen Standardsituationen nicht der einzige Grund, warum der VfB am Samstagabend zum ersten Mal seit dem 21. Spieltag Anfang Februar, also vor ziemlich genau drei Monaten, nicht mehr auf einem Platz rangierte, der für die Teilnahme an der Champions League berechtigt. Es ist aber symptomatisch, dass die Mannschaft in drei Spielen in Folge durch ruhende Bälle in der ersten Halbzeit in Rückstand gerät und sich dadurch so sehr selber ins Hintertreffen bringt, dass sie es nach 90 Minuten nur schafft, das Spiel auszugleichen, nicht aber, es für sich zu entscheiden. Unterm Strich steht damit ein mit viel Glück erreichtes Pokalfinale, ein enttäuschendes 1:1 gegen einen Abstiegskandidaten und ein 3:3 gegen einen direkten Konkurrenten, dass mit etwas weniger Glück in einem bösen Debakel hätte enden können.
Dass wir es nach wie vor in der eigenen Hand haben, die verbleibenden Saisonziele — Pokalsieg und Champions-League-Teilnahme — zu erreichen, haben wir, platt gesagt, vor allem Tiago Tomás zu verdanken, der zwei wichtige Last-Minute-Treffer erzielte. Dass uns vor allem das realistische Ziel, nämlich das in der Liga, langsam zu entgleiten droht, hat vor allem damit zu tun, dass wir uns überhaupt erst in die Situation bringen, dass wir uns in letzter Sekunde überhaupt noch retten müssen. Und das geht nur so lange gut, bis man damit auf die Schnauze fällt — zum Beispiel im direkten Duell mit Leverkusen am kommenden Samstag, die rechtzeitig zum Schlussspurt immerhin so in Form sind, dass sie die drittplatzierte Salzburger Getränkemarktfiliale auseinandernehmen. Natürlich kann man sich auch über das 3:3 in Heidenheim ärgern oder das späte 0:2 gegen einen BVB, der sich längst im Sommerurlaub befindet. Aber es sind vor allem die letzten drei, oben angesprochenen Partien, die mich etwas ratlos zurücklassen gerade.
Klar, Disclaimer: Alles Klagen auf hohem Niveau, schließlich spielen wir im dritten Jahr in Folge international und man darf auch nicht vergessen, wo wir.…Spaß. Was die letzten Partien so unverständlich für mich macht ist, dass ich um das Potenzial dieser Mannschaft weiß. Sie hat es auch in dieser Saison oft genug gezeigt und das nicht nur — oder gerade nicht — gegen Abstiegskandidaten oder graue Mittelfeld-Mäuse, sondern auch gegen Gegner auf Augenhöhe. Wenn diese Mannschaft an ihr Limit geht, gibt es in dieser Liga nur zwei andere Mannschaften, die sie trotzdem schlagen können, einfach aufgrund ihrer Qualität, und die belegen aktuell auch die ersten beiden Tabellenplätze. Das heißt nicht, dass wir alle anderen Mannschaften automatisch schlagen. Aber wir können es, ohne dass der Gegner einen außerordentlich schlechten Tag haben muss. Umso weniger nachvollziehbar ist es, wie die Jungs im Brustring die vergangenen drei Partien angegangen sind. Zitat Sebastian Hoeneß: “Wir sind nicht so gut hereingekommen in die Partie, haben uns aber ab der 30., 35. Minute zunehmend gesteigert.” (nach Freiburg), “In der ersten Halbzeit waren wir nicht handlungsschnell genug, trotzdem kamen wir zu ein, zwei guten Möglichkeiten.” (Bremen) und zuletzt: “Nach dem Gegentreffer kamen wir schnell zurück, mussten aber nach einem Standard den erneuten Rückstand hinnehmen. Wir waren nicht zufrieden mit dem, das wir im Anschluss gezeigt haben.”
Drei Spiele, in denen es um sehr viel geht, vor allem aber um die selbstgesteckten Ziele. Drei Spiele, in die die Mannschaft schlafmützig, unkonzentriert, teilweise tollpatschig hineinging, mit der falschen Ein- und manchmal auch der falschen Aufstellung. Es ehrt unsere Jungs, dass sie bis zuletzt an ihre Chance glauben und dafür in zwei von drei Spielen mit späten Treffern belohnt wurden — aber ehrlich gesagt vergeuden wir gerade unser Potenzial. Dass es mittlerweile wichtiger ist, sich für einen Wettbewerb zu qualifizieren, in dem man reich wird, aber sportlich chancenlos ist, als für einen, der sportlich attraktiver, aber aufgrund der mangelnden finanziellen Attraktivität auch nur schwer zu gewinnen ist, gehört zu den Absurditäten des heutigen Fußballs, aber so ist es nun mal. Eine Teilnahme an der Champions League und die Bühne, die dieser Wettbewerb bietet, erleichtert massiv die Kaderplanung: Wir können interessante Spieler für uns gewinnen — Ibrahim Maza sagte sehr wahrscheinlich dem VfB erst ab und entschied sich für Leverkusen, als wir letzte Saison in der Rückrunde abschmierten — und Leistungsträger besser halten. Und selbst wenn wir wieder im Januar ausscheiden, helfen die bis dahin eingenommenen Millionen, um den VfB sportlich und in der Folge auch finanziell weiter zu konsolidieren. Sollten wir in der Europa League spielen, fliegt uns zwar nicht gleich, wie mancher in den Sozialen Medien unkt, gleich der komplette Laden um die Ohren — aber es bleibt eben alles eine Nummer kleiner.
Was auch ok wäre. Aber es wäre halt einfach mehr möglich. Im US-Sport spricht man von windows, also Fenstern, die Teams haben. Zeiträume in denen eine gut zusammengestellte Mannschaft über langfristige Verträge verfügt und für einige Spielzeiten zusammen bleibt und die Chance hat, einen Titel zu gewinnen, bevor die Spieler zu alt oder die Personalkosten zu hoch werden und man in der Liga ohne Abstieg für ein paar Jahre am Tabellenende rumkrebst um sich mit geschickten Drafts und Trades wieder eine gute Mannschaft aufzubauen. Bei manchen Mannschaften im US-Sport ist das Fenster sehr lange offen, bei den Bayern und Dortmund herrscht quasi Dauerdurchzug. Und natürlich kann man das Fenster auch mit klugen Transfers etwas länger offenhalten oder man hat wie Leipzig, Leverkusen und Hoffenheim jemanden, der einem jede Saison das Fenster neu aufmacht. Aber alle anderen müssen ihre Chancen nutzen, wenn sie sie haben — so wie wir mit dem Pokalsieg vergangenes Jahr. Mit dem Verspielen des Champions-League-Platzes auf den letzten Metern würde sich die Mannschaft also eine große Chance verbauen, das Fenster noch ein bisschen länger offen zu halten. Abgesehen von den persönlichen Zielen, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen oder sich beim VfB oder anderswo finanziell zu verbessern.
Aber was wir in den letzten drei Spielen gezeigt haben, reicht dafür nicht. Es reicht nicht, unkonzentriert zu verteidigen. Es reicht nicht, Standards auf gut Glück irgendwo in den Strafraum zu ballern. Es reicht nicht, Chancen halbherzig zu vergeben. Es reicht nicht, sich erst in den letzten Minuten mit dem Rücken zu Wand zu wehren. Gegen Leverkusen und auch in Frankfurt müssen wir ein ganz anderes Gesicht zeigen, denn zur Wahrheit gehört auch, dass uns mit zwei Siegen die Champions League nicht mehr zu nehmen ist. Noch zwei Mal von Beginn an die richtige Haltung an den Tag legen. Und gerne auch im Pokalfinale.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass konstatiert “Die Hoffenheimer spielten letztlich wie ein Kunstwerk von Banksy, das sich im Moment seiner größten Wirkung selbst zerstört” und fragt “Aber was war es, was den VfB außer Glück und dem Versagen der Hoffenheimer im Spiel hielt?”
Titelbild: © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images








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