LIGABlatt
·25 de julio de 2026
So sollte Jürgen Klopp seinen ersten DFB-Kader nominieren – Kommentar

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·25 de julio de 2026

Es ist offiziell: Nachdem es bereits seit Wochen eigentlich jedem Beobachter klar war, sind jetzt auch die letzten Formalitäten geklärt und Jürgen Klopp wird der neue Bundestrainer. Damit beerbt er den bei der Weltmeisterschaft bereits im Sechzehntelfinale gegen Paraguay gescheiterten Julian Nagelsmann. Auch wenn der 59-Jährige bereits ankündigte, seine, sehr von Intensität geprägte Spielweise auch aufs deutsche Nationalteam zu übertragen, wird das nicht reichen – es bedarf vor allem am Personal teils drastischer Änderungen und Mut zu neuen Dingen! Aus diesem Grund sollte Jürgen Klopp auch mit dem folgendem Kader und einem entsprechenden Spielsystem in die ersten Länderspiele seiner Ägide starten! Ein Kommentar von LIGABlatt-Redakteur Ove Frank.
Jürgen Klopp ist der 13. Bundestrainer in der Geschichte des DFB, sofern man "Reichstrainer" Otto Nerz mitrechnet. Viele von ihnen, wie Sepp Herberger, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, Berti Vogts und Jogi Löw prägten ganze Ären und konnten große Erfolge feiern. Ebendies wünscht man sich auch von Jürgen Klopp, der immerhin einen Vertrag bis nach der WM 2030 unterschrieben hat. Um eine neue Ära aber prägen zu können, ist es nötig sich gewisser "Altlasten" zu entledigen. Da die vergangenen drei Weltmeisterschaften gemessen am deutschen Selbstverständnis absolut inakzeptable Ergebnisse lieferten und dabei auch noch jeweils eine schwache Mentalität der deutschen Mannschaft präsentierten, muss ein Schritt zuweilen auch radikal sein. Bereits direkt nach dem deutschen Ausscheiden gegen Paraguay hatte ich gefordert, das praktisch die gesamte Generation rund um DFB-Kapitän Joshua Kimmich zurücktreten, bzw. nicht mehr nominiert werden sollte. Ich hoffe, dass Jürgen Klopp diesen Ansatz ebenfalls wählt und stattdessen auch den Mut zu vielleicht etwas unkonventionelleren Entscheidungen hat. Aus diesem Grund schlage ich vor, dass er bei der nächsten Länderspielpause Ende September den folgenden, oder zumindest einen sehr ähnlichen Kader beruft.
Diesen Kader sollte Jürgen Klopp als erstes nominieren
Tor: Jonas Urbig, Noah Atubolu, Moritz Nicolas
Abwehr: Nico Schlotterbeck, Jeff Chabot, Yann Aurel Bisseck, Finn Jeltsch, Noahkai Banks, Nathaniel Brown, Maximilian Mittelstädt, Philipp Treu, Ridle Baku
Mittelfeld: Anton Stach, Tom Bischof, Nicolai Remberg, Vitaly Janelt, Florian Wirtz, Paul Nebel
Angriff: Saïd El Mala, Lennart Karl, Kevin Schade, Karim Adeyemi, Nicolò Tresoldi, Jonathan Burkardt, Tim Lemperle, Kai Havertz
Begründung für die Nominierungen
Der erste Kader eines neuen Bundestrainers hat besondere Symbolkraft. Damit sagt er bereits früh aus, was für eine Richtung er grundsätzlich einschlagen will. Für Jürgen Klopp wird es wichtig sein, sich schnell von den etablierten Strukturen der vergangenen Bundestrainer Nagelsmann, Flick und Löw zu lösen, indem er über den Tellerrand hinausschaut und auch Jungs einlädt, die in der Vergangenheit kaum bis gar keine Chance bekamen, sich zu zeigen, dafür aber womöglich eben diese Motivation und Galligkeit mitbringen, an denen es in den vergangenen Jahren immer gefehlt hat. Das bedeutet übrigens nicht, dass der komplette WM-Kader ausgetauscht werden muss. Einige wichtige Spieler, die einfach zu gut sind und vor allem auch in den kommenden Jahren noch zu gut sein werden, um sie nicht zu beachten, sollten dennoch mitkommen, um schon jetzt eine gewisse Achse herauszuarbeiten.
Drei Debütanten im Tor
Im Tor ist klar, dass die Zeit des Manuel Neuer endgültig vorbei ist, ebenso werden in den kommenden Jahren auch ein Marc-André ter Stegen und ein Oliver Baumann wohl keine Rolle mehr spielen, weshalb man nun den Mut haben sollte, der Jugend eine Chance zu geben. Jonas Urbig hat bei den Bayern in der vergangenen Saison bereits gezeigt, dass er das Potenzial besitzt ein ganz Großer zu werden. Da er bei der WM zwar nicht als aktiver Spieler, sondern als Trainingspartner mit dabei war, kennt er bereits ein wenig die Dynamiken innerhalb eines Nationalteams, was wichtig sein kann. Neben Urbig sollte Noah Atubolu endlich sein längst überfälliges Länderspieldebüt feiern dürfen. Zwar steht er beim SC Freiburg vorm Absprung, in den kommenden Jahren wird der 24-Jährige aber zweifelsohne eine wichtige Option für den DFB sein. Neben den beiden jungen Keepern sollte auch ein etwas älterer, aber keineswegs alter Hase mit dabei sein. Hier bietet sich Gladbachs Moritz Nicolas an, der statistisch gesehen in der vergangenen Saison einer der besten Torhüter in der Bundesliga war, über den aber erstaunlicherweise keiner redet. Von den Leistungen her hätte er sich eine DFB-Nominierung verdient.
Viele Veränderungen in der Abwehr
In der Abwehr wird und muss sich viel ändern. Antonio Rüdiger wird wohl definitiv keine Zukunft mehr in der deutschen Nationalmannschaft haben und gemäß meiner früheren Forderungen, die Jahrgänge 95 und 96 nicht mehr zu beachten wären auch Jonathan Tah und Waldemar Anton nicht mehr dabei. Dementsprechend sollte auch hier jungen und bislang übersehenen Spielern die Chance gegeben werden. Mit Finn Jeltsch und Noahkai Banks wären zwei absolute Youngster dabei, die aber dem DFB in den kommenden zehn bis 15 Jahren helfen könnten. Banks wäre auch für die USA spielberechtigt und sollte sich deshalb schnell für Deutschland festspielen. Daneben hätte es vor allem auch ein Yann Aurel Bisseck verdient, mehr für Deutschland aufzulaufen. Mit Jeff Chabot gäbe es einen weiteren Linksfuß, der beim VfB Stuttgart sehr solide Leistungen bringt und hinten Variabilität bietet. Angeführt werden sollte die Innenverteidigung von Nico Schlotterbeck, sofern er bis dahin seinen Innenbandriss wieder auskuriert hat. Auf den Außenverteidigerpositionen sollte links weiterhin auf Nathaniel Brown gesetzt werden und auch Maximilian Mittelstädt hätte es weiterhin verdient, für Deutschland zu spielen. Rechts bedarf es zudem auch echter Außenverteidiger, weshalb sich hier einerseits natürlich Ridle Baku von RB Leipzig anbietet. Daneben hätte sich auch der immer fleißige Philipp Treu vom SC Freiburg eine DFB-Nominierung verdient. Es ist merkwürdig, dass über den 25-Jährigen bislang überhaupt nicht geredet wird.
Mehr Biss fürs Mittelfeld
Im Mittelfeld sollte Florian Wirtz, trotz seiner schwankenden Leistungen bei der WM gesetzt sein. Er ist das kreative Herz des deutschen Spiels und sollte weiterhin berufen werden. Jamal Musiala wird auf Sicht auch wieder relevant werden, doch muss er sich noch weiterhin von seiner schweren Fußverletzung zurück kämpfen und sollte zumindest noch dieses eine Mal aussetzen, um sich darauf zu konzentrieren. Als Wirtz-Ersatz sollte Paul Nebel endlich seine Chance bekommen, bevor er sich noch für einen Wechsel zum irischen Verband entscheidet. Defensiv wären zwar auch ein Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović langfristige Optionen, doch sollten auch sie einmal zuhause bleiben, um auch anderen Jungs eine Chance zu geben. Tom Bischof als torgefährlicher Kreativspieler auf der Sechs sollte sein Debüt feiern dürfen. Neben ihm sollten auf der Sechs die körperlich robusten und meist sehr gallig auftretenden Anton Stach, Vitaly Janelt und Nicolai Remberg mitkommen, um dem deutschen Mittelfeld wieder mehr Biss zu verleihen.
Klarere Rollen im Angriff
Im Angriff sollte klar sein, dass Saïd El Mala endlich seine ersten DFB-Einsätze sammeln muss, um sich für die Zukunft festzuspielen. Ebenso sieht es für Lennart Karl aus, sollte er bis dahin wieder fit sein. Jürgen Klopp hatte bereits angekündigt, mehr mit "echten Flügelspielern" agieren zu wollen, weshalb hier für links Kevin Schade und für rechts der frisch zum FC Barcelona gewechselte Karim Adeyemi jeweils in der "Pole Position" stehen. Im Zentrum sollten "echte Neuner", bzw. klare Torjäger ihre Chance bekommen. Brügges Nicolò Tresoldi entspricht am ehesten diesem Typus und könnte dort die Zukunft der deutschen Mannschaft sein. Jonathan Burkardt hätte sich bereits eine WM-Nominierung verdient und zeigt als Umschalt- und Abschlussstürmer regelmäßig seine Qualitäten. Mit Tim Lemperle hätte man dann jemand, der beide Rollen verkörpern und zudem im Kurzpassspiel gut kombinieren kann. Aber auch im Angriff sollte eine feste Größe immer noch dabei sein, weshalb auch hier ein Kai Havertz wieder nominiert werden sollte. Von der reinen Qualität ist der 27-Jährige immer noch der beste deutsche Angreifer und kann auf 62 DFB-Einsätze und immerhin 25 Tore zurückblicken. Damit rechnen, immer zu spielen, sollte er aber nicht unbedingt.
So könnte Deutschland unter Jürgen Klopp spielen
Gemäß der Nominierungserklärung mit den neuen Spielern sowie der etablierten Achse sollte man dennoch schauen, in was für einem System diese Spieler am besten gemeinsam harmonieren. Jürgen Klopp lässt bekanntermaßen am liebsten mit einer Viererkette spielen, wobei er beim FC Liverpool meist auf ein 4-3-3 setzte, beim BVB aber eher noch auf ein 4-2-3-1. Mit beiden Systemen ließ er aber seinen für die enorme Intensität bekannten "Heavy Metal"-Fußball spielen, bei dem von jedem Kicker eine enorme Laufbereitschaft und Leidensfähigkeit abverlangt wird. Elemente, die die deutsche Nationalmannschaft lange hat vermissen lassen. Hier nun der Vorschlag für ein 4-2-3-1 unter Jürgen Klopp:

Kader-Tool: fotmob.com
Schlotterbeck und Brown haben bei der verkorksten WM unterm Strich dennoch überzeugen können und werden im DFB-Trikot eine lange Zukunft haben. Aus diesem Grund sollten sie sich bereits als Leistungsträger festspielen. Bei Nico Schlotterbeck könnte man hier sogar über die Kapitänsbinde nachdenken. Yann Aurel Bisseck und Philipp Treu bringen Variabilität und Motivation mit, die man nicht unterschätzen sollte. Im Mittelfeld hätte man mit Anton Stach einen körperlich sehr robusten Spieler, der dennoch auch Qualitäten im Passspiel besitzt und auch mal aus der zweiten Reihe abziehen kann. Nicolai Remberg vom HSV ist ein im besten Sinne des Wortes "ekliger" Spieler, der den Gegner nervt und ständig beläuft. Ein solches Element braucht Deutschland gegen den Ball unbedingt! Saïd El Mala und Lennart Karl sorgen auf den Flügel für Unbekümmertheit, während der Kölner mehr Tiefgang mit sich bringt und der Münchner mehr die Dribbelstärke. Florian Wirtz sollte vom linken Flügel ins Zentrum rücken, um vor allem als "klassischer Zehner" und Ballverteiler im letzten Drittel aufzutreten, wo er dann Mittelstürmer Nicolò Tresoldi mit punktgenauen Zuspielen füttert.
Mut zum Mittelmaß!
Auch wenn Jürgen Klopp als "Viererketten-Fetischist" gilt, sollte er dennoch dafür offen sein, auch mal etwas anderes zu versuchen. Deutschland gehört schlicht und einfach nicht mehr zur fußballerischen Elite und der Bundestrainer sollte daher den "Mut zum Mittelmaß" haben. Das bedeutet, dass man nicht nur auf Stars aus den größten Klubs setzt, sondern auch auf Spieler von vermeintlich kleineren Vereinen, die dafür einen unbedingten Willen, Teamfähigkeit und vor allem konstante Leistungen mit sich bringen. Platt ausgedrückt: Weniger Bayern und mehr Freiburg! Für einen solchen Ansatz bietet es sich auch an, nicht immer mit einer Viererkette, sondern auch mal mit einer Dreierkette zu spielen. Wie das bei diesem theoretischen DFB-Kader aussehen könnte, seht ihr hier:

Kader-Tool: fotmob.com
Nico Schlotterbeck und Yann Aurel Bisseck sind bei Borussia Dortmund, bzw. Inter Mailand gewohnt, in einer Dreierkette zu spielen und zeigen dabei ihre größten stärken. Ihnen würde ein solches System womöglich entgegen kommen. Nathaniel Brown hat bei Eintracht Frankfurt sowohl den linken Part einer Viererkette gespielt als auch den linken Schienenspieler gemimt und kennt diese Rolle. Rechts haben sowohl Ridle Baku als auch Philipp Treu Erfahrung mit einer Dreierkette und könnten ebenfalls ihr Tempo ausspielen, um so die Breite zu halten. Im Mittelfeldzentrum müsste man nicht groß umbauen und sollte weiterhin auf Körperlichkeit und Galligkeit setzen. Das Spiel in den Halbräumen ist da, wo Florian Wirtz bei Bayer Leverkusen seine besten Leistungen zeigen konnte und auch ein Lennart Karl könnte von seinen natürlichen Anlagen her hier besonders aufblühen. Jonathan Burkardt weiß auch, wie man sich in einem solchen Spielsystem am besten positioniert und kann sowohl ins Kurzpassspiel eingebunden werden als auch bei Kontern die Tiefe suchen. Warum also nicht auch mal eine Dreierkette ausprobieren? Viele (potenzielle) DFB-Spieler fühlen sich in einem solchen System am wohlsten.
Foto: Christian Kaspar-Bartke / Getty Images
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