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·9 de mayo de 2026
Tchouameni bei Real im Abseits: Sollte der FC Bayern zuschlagen? – 90min diskutiert

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·9 de mayo de 2026

Bei Real Madrid hängt der Haussegen schief und Aurelien Tchouameni steckt mittendrin im Schlamassel. Der Franzose soll sich mit Federico Valverde eine heftige Auseinandersetzung geliefert haben, woraufhin Real beide Spieler mit einer Geldstrafe von 0,5 Millionen Euro belegt hat.
In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Gerüchte bezüglich eines möglichen Tchouameni-Abschieds von den Madrilenen, jedoch deutete zuletzt wieder einiges auf eine Verlängerung seines bis 2028 laufenden Vertrags hin. Der heftige Konflikt könnte nun aber wieder eine Wende bringen.
Für den FC Bayern könnte das eine Chance werden, zumal Tchouameni einige Eigenschaften mitbringt, die für das Team wertvoll wären. Auf der anderen Seite stellt sich jedoch die Frage, wie gut er wirklich zu Bayern-Philosophie passt.
Zwei 90min-Redakteure diskutieren, ob sich die Bayern um den Mittelfeldspieler bemühen sollten.
Die Auseinandersetzung mit Federico Valverde wirft definitiv kein gutes Licht auf Tchouameni. Immerhin musste der Mittelfeld-Kollege ins Krankenhaus eingeliefert werden und soll laut spanischen Medienberichten kurz bewusstlos gewesen sein und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben. Zwar nahm Valverde seinen Kollegen in Schutz und machte einen Tisch verantwortlich für seine Verletzung, jedoch zeigt die heftige Strafe, dass schon ordentlich etwas vorgefallen sein muss.
Da stellt sich natürlich die Frage, ob Tchouameni einen Charakter mitbringt, der beim FC Bayern tragbar ist. Der FCB lebt unter Kompany von seiner starken Gemeinschaft und einer noch nie dagewesenen Harmonie im Team. Tchouameni hat hingegen dazu beigetragen, dass die vergiftete Atmosphäre bei Real noch giftiger wird. Auf einen solchen Störenfried können die Bayern verzichten.
In diesem Punkt würde ich soweit widersprechen, als das Tchouameni über einen längeren Zeitraum von Valverde provoziert worden sein soll. Der Aggressor des ganzen Dramas war also der Uruguayer und nicht Tchouameni. Natürlich muss und darf er nicht so reagieren, wie er es getan hat, dennoch sollte man auch die andere Seite der Medaille betrachten.

Richtig lachen konnte Tchouameni bei Real schon lange nicht mehr | Eurasia Sport Images/GettyImages
Ansonsten gilt der Franzose nämlich als überaus disziplinierter und vor allem angenehmer Zeitgenosse. Er ist eigentlich von seiner Art eher ruhig, gilt als sehr fokussiert und vor allem als verbissener Arbeiter im Training – alles Attribute, die Vincent Kompany bei seinen Spielern schätzt. Vielleicht würde Tchouameni daher auch eine ruhigere Atmosphäre, wie sie in München vorherrscht, besser liegen, als das turbulente Klima bei Real.
Tchouameni ist zwar athletischer als Kimmich und Pavlovic, dafür spielerisch deutlich limitierter. Der Real-Profi zählt nicht zu den Spielern, die ein Spiel an sich ziehen und mit klugen und strategisch durchdachten Zuspielen aufziehen können. Auch in engen Räumen und unter Druck fällt es ihm häufig schwer, schnelle und gewinnbringende Lösungen zu finden. Sowohl im Kombinationsspiel als auch bei langen Bällen gehört Tchouameni nicht zu den Top-Spielern im Mittelfeld.

Joshua Kimmich und ALeksandar Pavlovic sind für Bayern unersetzbar | S. Mellar/GettyImages
Das zentrale Mittelfeld ist sowohl bei Real Madrid als auch bei Frankreich ein Grund dafür, dass sie trotz überragender Kader in Duellen mit anderen starken Teams schlagbar sind. Hier fehlt es sowohl den Königlichen als auch den Bleus an einem strategischen Denker und Lenker mit spielerischen und technischen Top-Qualitäten. Tchouameni steht dafür praktisch sinnbildlich.
Der FC Bayern ist ein Team, das über Ballbesitz kommt, offensiv agiert und nach spielerischen Lösungen sucht. Wenngleich die genannten Schwächen bei Tchouameni nicht sonderlich ausgeprägt sind, ist er der falsche Spielertyp.
Hier stimme ich teilweise zu, eine klare Einschränkung gibt es allerdings, wenn man über den Fit von Tchouameni und den Bayern spricht: Die von meinem Kollegen bereits angesprochene Athletik. Kein Mittelfeldspieler bei Bayern ist auch nur ansatzweise so athletisch wie der Franzose und kein Münchner verfügt über eine solche defensive Antizipation wie Tchouameni.

Oben auf: Defensiv räumt der 26-Jährige nahezu alles weg | DeFodi Images/GettyImages
Sein Spitzname Krake kommt nicht von ungefähr. Der 26-Jährige hat einen unheimlich breiten Aktionsradius und fängt regelmäßig viele Bälle ab, wodurch er gegnerische Angriffe im Keim erstickt. Gleichzeitig ist er ein echtes Zweikampf-Monster. In der aktuellen Saison gewann der 26-Jährige 65,83 Prozent seiner Zweikämpfe (Quelle: FootyStats) – das sind über 20 Prozent mehr als Joshua Kimmich (44,79).
Er mag zwar nicht der perfekte Spieler für den Spielaufbau sein, neben einem Joshua Kimmich muss er das jedoch auch nicht sein. Denn das vergisst man hier: Tchouameni war bei Real am besten, als er mit Luka Modric und Toni Kroos zwei Spielgestalter neben sich hatte und sich auf defesive Aufgaben fokussieren konnte. Diese Art Spieler fehlt bei Real im Mittelfeld aktuell komplett – bei Bayern könnte er sich dagegen wieder auf seine Stärken konzentrieren.
Der FC Bayern hat Probleme auf den Außenverteidiger-Positionen und einen Enpass in der Offensive. Diese Themen sollte man angehen, zumal es im zentralen Mittelfeld überhaupt keinen Bedarf gibt. Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic sind ein erprobtes Duo und haben die Kompany-Philosophie verinnerlicht. Beide zu trennen und beispielsweise Kimmich nach rechts hinten zu ziehen, wäre zwecklos, da ihm hierfür im Kompany-Fußball das Tempo fehlt.

Aleksandar Pavlovic spielt eine Weltklasse-Saison | Daniel Kopatsch/GettyImages
Abgesehen davon hat der FCB mit Tom Bischof ein absolutes Top-Talent, welches den Platz von Leon Goretzka einnehmen und viel Spielzeit erhalten sollte. Zudem wären da noch der erst 18 Jahre alte Bara Sapoko Ndiaye und Noel Aseko, der als Leihspieler von Hannover überzeugen konnte. Beide sind äußerst talentierte Youngster und sollten entsprechend gefördert werden.
Tatsächlich gibt es im Campus gerade im zentralen Mittelfeld noch mehr Spieler, wie zum Beispiel David Daibler, die den Sprung zu den Profis schaffen könnten. Die Bayern-Philosophie lautet, verstärkt auf junge Spieler aus der eigenen Reihe zu bauen. Diesem Weg sollte man folgen und lieber davon absehen, ihnen auch noch einen Tchouameni vor die Nase zu setzen.
An sich ist es richtig: Ein Tchouameni-Transfer würde nicht in die aktuelle Philosophie der Münchner passen. Auf der anderen Seite mus man aber konstatieren: Kommt ein solcher Top-Spieler auf den Markt, dann muss sich jeder Verein mit ihm beschäftigen. Zumal eine Verpflichtung Tchouamenis auch Vorteile hätte.

Mit Tchouameni wäre der Konkurrenzkampf bei Bayern deutlich größer | Michael Regan - FIFA/GettyImages
Schließlich kann keiner vorhersehen, ob die Münchner auch in der kommenden Saison derart verletzungsfrei bleiben. Und will man dann im Fall der Fälle in einem wichtigen Spiel wirklich einem der unerfahrenen Talente vertrauen? Mit Tchouameni würde man die Kaderqualität und den Konkurrenzkampf noch einmal deutlich erhöhen – und hätte sich gegen mögliche Verletzungen abgesichert.
Zudem ist Tchouameni mit 26 Jahren im besten Fußballalter, seine besten Jahre beginnen gerade erst. Und Joshua Kimmich wird in diesem Jahr auch bereits 31, jünger wird er auch nicht. Mit einer Verpflichtung des Franzosen könnte man also gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sich nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig absichern.
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