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·20 de julio de 2026
Unai Simón: Rekordmann einer WM, die er kaum halten musste

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Der beste Torhüter dieser WM stand 120 Minuten im größten Spiel seiner Karriere – und musste keine einzige echte Parade zeigen. Wer verstehen will, warum Spanien Weltmeister ist, beginnt genau bei diesem Widerspruch.
649 Minuten ohne Gegentor bei WM-Endrunden. Das ist die Serie, die Unai Simón durch dieses Turnier trug – begonnen nicht etwa in Nordamerika, sondern schon 2022 in Katar, als ihn Ao Tanaka im letzten Gruppenspiel gegen Japan zum bislang letzten Mal auf großer Bühne überwand. Danach: Marokko über 120 Minuten, Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay, Österreich, Portugal. Die Null stand. Und stand. Und stand.
Im Sechzehntelfinale gegen Österreich fiel der Uraltrekord von Walter Zenga, der bei der Heim-WM 1990 auf 517 Minuten gekommen war. Simón zog in der 89. Minute vorbei – fast unbemerkt, weil Ralf Rangnicks Mannschaft an diesem Abend keinen einzigen Schuss aufs spanische Tor brachte. Erst Charles De Ketelaere beendete die Serie, per Kopf im Viertelfinale gegen Belgien. Nach 649 Minuten. Es blieb das einzige Gegentor, das Spanien in acht Turnierspielen kassierte. Kein Weltmeister zuvor war mit einer besseren Bilanz durch ein Turnier gekommen.
Der Vergleich mit Manuel Neuer wird inflationär bemüht, sobald ein Torhüter zwei Meter vor seinem Strafraum steht. Bei Simón trägt er weiter. Denn was der Baske in diesem Turnier zeigte, war die konsequenteste Interpretation des modernen Torwartspiels seit Neuers Sternstunden 2014: eine extrem hohe Grundposition hinter der letzten Linie, aggressives Herauslaufen in den Rücken der eigenen Viererkette, dazu eine Strafraumbeherrschung, die Flanken zu Verwaltungsvorgängen degradierte.
Und dann der Ball am Fuß. In Luis de la Fuentes System – nominell ein 4-3-3, in der Praxis ein Positionsspiel mit Rodri als alleinigem Anker vor der Kette – ist Simón kein Notnagel im Aufbau, sondern erste Station. Er öffnet mit dem flachen Pass die erste Pressinglinie, er wählt die Seite, er diktiert das Tempo des Vortrags. Neuer hat 2014 gezeigt, dass ein Torhüter Räume verteidigen kann. Simón hat 2026 gezeigt, dass er sie auch bespielen kann.
Die Frage ist allerdings nicht, ob Simón ein großes Turnier gespielt hat. Das hat er, die Wahl zum besten Torhüter der WM ist nur die logische Quittung. Die Frage ist, wie viel von dieser historischen Defensivbilanz ihm gehört – und wie viel der Struktur vor ihm.
Denn die Wahrheit dieser WM lautet: Spanien verteidigte so dominant, dass der Rekordtorwart über weite Strecken Zuschauer war. Pau Cubarsí, mit 19 zum besten jungen Spieler des Turniers gewählt, verteidigte vorwärts wie ein Zehnjahresveteran. Rodri, am Ende MVP des Turniers, erstickte Umschaltsituationen, bevor sie den Namen verdienten. Die Restverteidigung stand bei eigenem Ballbesitz so sauber, dass Konter der Gegner regelmäßig an der Mittellinie endeten. Simóns 649 Minuten sind auch das Produkt einer Mannschaft, die dem Gegner das Schießen strukturell verbot.
Und dann das Endspiel. 80.663 Zuschauer im New-York-New-Jersey-Stadion, Messi auf der anderen Seite, der Titelverteidiger mit acht Turniertoren seines 39-jährigen Kapitäns im Rücken – die Bühne war gebaut für eine Torwartschlacht. Sie fand nicht statt. Simón erlebte ausgerechnet im hochgehypten Finale seinen ruhigsten Arbeitstag des Turniers. Argentinien brachte über 120 Minuten praktisch nichts zustande, anderthalb Torschüsse in der Schlussphase der Verlängerung, mehr ließ Spanien nicht zu. Enzo Fernández flog in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit mit Gelb-Rot vom Platz, Ferran Torres erlöste die Iberer in der 106. Minute.
Man kann das als Antiklimax lesen. Man kann es auch als Vollendung erkennen: Ein Team, das den besten Torhüter des Turniers stellt – und ihn im Finale nicht braucht, weil es das Spiel so vollständig kontrolliert. Wie einseitig dieses Endspiel wirklich war, zeigt der Spielbericht. Schon im Halbfinal-2:0 gegen Frankreich hatte sich angedeutet, dass diese Mannschaft Top-Offensiven nicht auskontert, sondern aushungert.
Simón geht aus diesem Turnier als Rekordhalter, Weltmeister und bester Torhüter der WM hervor. Sein Vermächtnis ist trotzdem keine einzelne Parade, kein gehaltener Elfmeter, kein ikonisches Bild. Es ist die Kunst, über acht Spiele hellwach zu bleiben, während vor ihm eine Maschine läuft, die ihn kaum je braucht – und in den wenigen Momenten, in denen sie stotterte, zur Stelle zu sein. Der Fußball feiert Torhüter für das, was sie halten. Die besten erkennt man daran, was sie gar nicht erst halten müssen.
Simón blieb bei WM-Endrunden 649 Minuten in Folge ohne Gegentor – die längste Serie der Turniergeschichte. Den alten Rekord von Walter Zenga (517 Minuten, WM 1990) übertraf er bereits im Sechzehntelfinale gegen Österreich in der 89. Minute.
Ein einziges. Charles De Ketelaere traf im Viertelfinale per Kopf zum zwischenzeitlichen 1:1 (Endstand 2:1 für Spanien). Kein Weltmeister zuvor hatte ein Turnier mit nur einem Gegentor abgeschlossen.
Ferran Torres erzielte in der 106. Minute das 1:0 gegen Argentinien. Spanien gewann nach Verlängerung und holte zwei Jahre nach dem EM-Titel auch den zweiten WM-Titel der Verbandsgeschichte nach 2010.
Kapitän Rodri wurde als wertvollster Spieler (MVP) des Turniers ausgezeichnet, Unai Simón als bester Torhüter und Pau Cubarsí als bester junger Spieler der WM 2026.
Nein. Argentinien kam über 120 Minuten nur in der Schlussphase der Verlängerung zu anderthalb Torschüssen. Simón erlebte im Endspiel seinen ruhigsten Arbeitstag des gesamten Turniers.







































