FC Bayern München
·3 de febrero de 2026
Was die „Zehn“ beim FC Bayern wirklich bedeutet

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Die 10 ist beim FC Bayern traditionell nicht die Nummer des Spielmachers, sondern der absoluten Unterschiedsspieler: Kämpfer, Anführer, Stoßstürmer. Hier erzählen fünf ehemalige Zehner des FC Bayern, was es ihnen bedeutet hat, diese Nummer auf dem roten Trikot zu tragen.
„Ich hatte zu unserer Zeit zwar die Nummer 10, aber ich muss sagen, dass das für mich keine übergeordnete Bedeutung hatte. Wir hatten in unserem System ja auch gar keinen richtigen Spielmacher wie es Günter Netzer in Mönchengladbach oder Wolfgang Overath in Köln gewesen ist oder wie es Pelé war – bei uns hat Franz Beckenbauer das Spiel von hinten heraus organisiert und orchestriert, und er hatte die 5.
Meine Nummer war schlicht dem System geschuldet: Ich habe hinter Gerd Müller im Zentrum gespielt, der Linksaußen trug die 11, über rechts kam in der Regel die 7 – und ich spielte eben um Gerd herum über die Mitte mit der 10. Ich war auch generell nicht der Typ, dem Nummern wichtig waren – nur bei der WM 1974 habe ich mir die 14 ausgesucht, die gefiel mir gut, weil mir der Stil von Johan Cruyff imponiert hatte. Der größte Zehner war für mich Diego Maradona, weil er meistens in nicht übermäßig mit Stars gespickten Teams gespielt und sie zum Erfolg geführt hat, bei Neapel wie für Argentinien – das WM-Finale 1986 hat er zum Beispiel ganz allein entschieden.
In meinen Augen trägt Jamal Musiala die 10 absolut zu Recht. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten und eine Magie, wie sie echte, große Zehner ausstrahlen. Kurioserweise spielt er heute eine ähnliche Position wie ich zu unserer Zeit: Auch er kommt über die Mitte und unterstützt Harry Kane als unsere Nummer 9 aus der Tiefe. Wenn Jamal am Ball ist, hat man immer das Gefühl: Jetzt passiert gleich etwas, was bei anderen nicht passieren würde. Ich mag sehr, wie mutig er jede Herausforderung angeht.“
„Die 10 hat sich im Laufe der Zeit gewandelt – früher gab es Pelé, Günter Netzer, Wolfgang Overath, zu meiner Zeit dann Diego Maradona und Michel Platini. Aber was bis heute gleich geblieben ist: Die 10 trägt in aller Regel ein Unterschiedsspieler. Daher passt sie auch zu Jamal Musiala, der das Spiel ganz anders als die genannten Größen interpretiert.
Ich habe mich nie als wirkliche Nummer 10 gefühlt. Der Spielmacher, der Regisseur – so sah ich mich nicht. Eher als Achter. Aber ich war einer, der die Mannschaft lenkt. Als ich von Bayern zu Inter Mailand kam, war die 8 belegt, die 6 auch – und unser Coach Giovanni Trapattoni sagte: ,Du bist vielleicht kein Zehner, aber von der Wichtigkeit auf dem Platz bist du für mich genauso wichtig wie Platini, den ich bei Juventus Turin hatte.‘ Das war ein Ritterschlag. Und so wurde ich ein Zehner. Wahrscheinlich hatte Trap die Nummer für mich aufgehoben, weil die 10 eine große Bedeutung hatte, vor allem in Italien. Er wollte damit zeigen, wer das Team anführt. Die Kapitänsbinde brauchte ich nicht, die hatte Giuseppe Bergomi – und wir haben uns immer perfekt ergänzt.
Ich war ganz sicher von der Spielanlage her nicht der Zehner, den man sich damals vorgestellt hat. Das waren die eleganten Spieler. Aber ich würde sagen, auch ich habe den Unterschied gemacht. Wenn du eine zentrale Rolle im Team hast, musst du deine Mitspieler mitnehmen – sie müssen wissen, dass du dich in sie hineinversetzen kannst. Du bist das Bindeglied zum Trainer. Jamal bringt andere, aber auch ganz besondere Qualitäten mit: seine Bewegungen, seine Spielweise sind europaweit einzigartig. Ich freue mich, dass er die 10 hat - er hat sie sich verdient. Wegen ihm gehen wir ins Stadion. Weil er einer ist, der den Unterschied macht.“
„Ich habe in meiner Karriere zwar auch mit anderen Rückennummern gespielt, aber die längste Zeit war es die 10. 10 Jahre war ich beim FC Bayern, 10 Jahre war ich die 10. Und das, obwohl ich eigentlich kein klassischer Zehner war. Ich war Außenspieler, hatte bei anderen Clubs und in der Nationalmannschaft meistens die 11 oder die 7. Die 10 trägt normalerweise ein kreativer Spieler, ein Spielmacher. Trotzdem bekam ich diese Nummer. Sie war halt gerade frei, und es war auch der Wunsch des Vereins, dass ich sie übernehme. Heute bin ich stolz darauf, sie so lange bei so einem großen Verein getragen zu haben.
Die Nummer 10 hat eine besondere Magie. Sie ist verbunden mit großen Namen des Fußballs. Die größten Zehner sind für mich Diego Maradona und Lionel Messi. Dass jetzt Jamal Musiala diese Nummer beim FC Bayern trägt, finde ich genau richtig. Obwohl er noch so jung ist, bringt er alles mit, um die 10 auch schultern zu können. Ich hoffe, dass er nach seiner Verletzung stark zurückkommt. Und dann bin ich überzeugt, dass er uns beim FC Bayern als Zehner lange Zeit verzaubern wird. Gern auch 10 Jahre lang.“
„Der heutige Fußball ist anders als noch zu meiner Zeit. Den klassischen Spielmacher, die echte Nummer 10, gibt es kaum noch. Im modernen Fußball müssen die Spieler vielseitig sein, von Strafraum zu Strafraum agieren und viele Aufgaben übernehmen können. Zu meiner aktiven Zeit hatte die 10 eine besondere Bedeutung. Sie stand für den Spielmacher, für denjenigen, der die Mannschaft im Griff hat. Sie auf dem Trikot zu haben, war etwas ganz Spezielles. Man muss nur an die Spieler denken, die sie früher getragen haben: Lothar Matthäus, Pelé, Platini, Zinédine Zidane … Sie alle verleihen dieser Nummer ihren Glanz.
Jamal Musiala hat das Zeug dazu, sich in diese Liste einzureihen. Er ist noch jung, aber wenn man ihm zuschaut, wie er sich bewegt, wie er den Ball annimmt und seine Mitspieler sieht, dann steht für mich fest: Er kann ein ganz großer Zehner werden.
Ich selbst bin bis heute sehr stolz, die Nummer 10 bei Bayern München getragen zu haben – und das auch noch als direkter Nachfolger von Lothar Matthäus. Lothar hat im Fußball alles erreicht, seine Fußstapfen waren riesig. Ich hatte die 10 schon zuvor in Kaiserslautern auf dem Rücken – sie dann auch in München zu bekommen, war für mich eine besondere Auszeichnung. Das hat mir gezeigt, dass der Verein großes Vertrauen in mich hat, aber natürlich auch große Erwartungen. Aber wer beim FC Bayern spielt, muss mit Druck umgehen können.“
„Bei den großen Clubs tragen nur die ganz großen Spieler die Nummer 10. Spieler wie Lionel Messi früher bei Barcelona oder jetzt Kylian Mbappé bei Real Madrid. Dass bei Bayern heute Jamal Musiala das Trikot mit der 10 hat, sagt einiges über sein Standing in der Mannschaft. Für mich ist es selbstverständlich, dass er diese Nummer bekommen hat. Er spielt im offensiven Mittelfeld, kann Tore ebenso vorbereiten wie selber erzielen. Und er hat schon bewiesen, wie wichtig er für den FC Bayern ist. Ich freue mich, ihn nach seiner Verletzung endlich wieder auf dem Rasen zu sehen.
Die Bedeutung der 10 ist in Holland genauso groß wie in Deutschland, auch wenn bei uns die 14 ebenfalls eine ganz besondere Nummer ist. Wegen Johan Cruyff. Aber das gilt vor allem für Ajax Amsterdam, wo die 14 inzwischen nicht mehr vergeben wird. So wie beim FC Bayern die Nummer 5 von Franz Beckenbauer.
Ich selbst hatte nur bei einem Club die Nummer 10: beim FC Bayern. In meinen ersten Profijahren in Arnheim gab es noch keine festen Rückennummern. Dann, bei Teneriffa, hatte ich die 18, bei La Coruña die 7, weil die 9 jeweils schon vergeben war. Auch bei Bayern war die 9 noch besetzt, als ich 2003 ankam. Die 8, die 10 und die 18 waren frei – und ich dachte mir: Die 10 kann man schon mal nehmen. Für mich als Stürmer war es die logische Wahl.“
Der Text ist in der Februar-Ausgabe des FC Bayern-Mitgliedermagazins „51“ erschienen:








































