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·29 de julio de 2026
WM-VAR gegen Embolo: Der Fehler saß am Schreibtisch

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·29 de julio de 2026

Eine zur WM neu eingeführte Regel, zweimal falsch angewandt, entscheidet ein Viertelfinale. Die späte Klarstellung ändert nichts mehr.
Wenn ein Regelhüter Wochen nach dem Anpfiff feststellt, dass eine Entscheidung falsch war, ist das kein Betriebsunfall. Es ist ein Eingeständnis, dass ein Instrument, das Klarheit schaffen soll, im entscheidenden Moment das Gegenteil bewirkt hat. Beim Schweizer Breel Embolo im WM-Viertelfinale gegen Argentinien traf es keinen Nebenschauplatz, sondern die Weichenstellung einer K.o.-Partie. Beim Stand von 1:1 flog er mit Gelb-Rot vom Platz, Argentinien gewann am Ende mit 3:1 nach Verlängerung. Und nun sagt das IFAB: Der VAR hätte hier gar nicht eingreifen dürfen.
Der Kern des Problems ist nicht die Fehlentscheidung an sich, sondern ihre Herkunft. Schiedsrichter Joao Pinheiro hatte auf dem Feld auf ein Foul von Leandro Paredes entschieden und den Argentinier verwarnt. Erst der Hinweis an den Bildschirm drehte alles um: Embolo war nicht berührt worden, wollte ein Foul schinden, kassierte die zweite Gelbe und musste gehen. Das klingt nach korrekter Berichtigung eines menschlichen Irrtums. Doch die Verwechslungsregel, auf die man sich berief, war für etwas ganz anderes gedacht: um zu klären, wer ein bereits geahndetes Vergehen begangen hat, nicht um das Vergehen selbst neu zu bewerten.
Genau hier liegt der Bruch mit dem eigenen System. Der VAR wurde als Korrektiv für klare, offensichtliche Fehler verkauft, mit eng gezogenen Zuständigkeiten. Wird eine für die Identifikation gedachte Regel benutzt, um aus einem Foul eine Schwalbe umzudeuten, dann überschreitet der Videobeweis seine Grenze. Und wenn dieselbe Regel im selben Turnier ein zweites Mal falsch angewandt wird, beim US-Amerikaner Tim Ream im Gruppenspiel gegen Paraguay, ist das kein Zufall mehr. Es ist ein Muster.
Die FIFA hatte diese Regel zur Weltmeisterschaft neu eingeführt. Ein Werkzeug, das noch nicht verstanden ist, bevor es auf der größten Bühne des Sports zum Einsatz kommt: Das ist die eigentliche Fahrlässigkeit. Man kann Schiedsrichter für Sekundenentscheidungen nicht härter verurteilen als jene, die ihnen unausgereifte Instrumente in die Hand drücken. Der Fehler auf dem Rasen ist die Folge eines Fehlers am Schreibtisch.
Für die Glaubwürdigkeit des Videobeweises ist diese Klarstellung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits zeigt sie Selbstkritik, das Bekenntnis, dass ein Eingriff regelwidrig war. Andererseits kommt sie zu spät, um irgendetwas zu ändern. Kein IFAB-Papier holt Embolo zurück auf den Platz, kein nachträglicher Befund macht das 3:1 rückgängig. Der Videobeweis sollte Ungerechtigkeit verhindern; hier hat er sie mitproduziert und nicht einmal in Echtzeit bemerkt.
Dass die UEFA parallel eine Einschränkung des VAR beschlossen hat, wirkt vor diesem Hintergrund wie eine Bestätigung. Wer die Kompetenzen des Videobeweises zurückschneidet, gesteht ein, dass die Ausweitung zu weit gegangen war. Die Fälle Embolo und Ream sind das Anschauungsmaterial dafür, was passiert, wenn der VAR nicht nur prüft, sondern interpretiert. Der Videobeweis lebt von der Vorstellung, dass die Kamera nicht lügt. Doch die Kamera entscheidet nicht, das tun Menschen mit einem Regelwerk, das sie selbst nicht sauber beherrschen. Und solange das so bleibt, ist jede nachträgliche Klarstellung kein Beweis für Stärke, sondern für ein System, das seinen eigenen Regeln hinterherläuft.
Unbedingt lesen: Laut IFAB: Embolos Platzverweis regelwidrig







































