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·16 avril 2026
1. FC Köln: Wagner-Beförderung wäre nicht mutig, sondern bequem

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·16 avril 2026

Sport-Geschäftsführer Kessler stellt Interimstrainer René Wagner bei erfolgreicher Rettung einen festen Vertrag in Aussicht – Köln bereits beim dritten Trainer der Saison.
Zwei Spiele, vier Punkte, ein Vertragssignal: So schnell geht das beim 1. FC Köln. Laut Express stellt Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler dem Interimstrainer René Wagner einen festen Cheftrainer-Vertrag in Aussicht – bei erfolgreicher Rettung. Das klingt nach Aufbruch. Es ist das Gegenteil: ein Klub, der sich im freien Fall an den Nächstbesten klammert.
Wagner ist 37, hat die UEFA-Pro-Lizenz, kam über Stationen als Co-Trainer bei Steffen Baumgart zurück nach Köln und leitet seit dem 23. März die Mannschaft. Seine Bilanz: ein 2:2 in Frankfurt, ein 3:1 gegen Bremen. Vier Punkte sind vier Punkte – aber sie sind kein Fundament, auf dem man eine Trainerfrage beantworten sollte. Schon gar nicht bei einem Bundesligisten, der in dieser Saison bereits den dritten Mann an der Seitenlinie verschleißt: erst Friedhelm Funkel, dann Lukas Kwasniok, jetzt Wagner. Die Halbwertszeit eines Kölner Trainers liegt aktuell irgendwo zwischen Derby-Niederlage und nächster Länderspielpause.
Wagner selbst gibt sich betont nüchtern. „Wir haben ein ganz, ganz großes Ziel gemeinsam. Das erreichen wir aber nur, wenn alle mit anpacken", sagt er vor dem Auswärtsspiel bei St. Pauli. Das ist klug formuliert – und lenkt davon ab, dass dieser Freitagabend nicht nur über den Klassenerhalt entscheidet, sondern offenbar auch über seine Beförderung. Bei einem Sieg hätte Köln acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Bei einer Niederlage nur noch zwei. Ein einziges Ergebnis als Grundlage für eine Personalentscheidung, die den Verein in die nächste Saison tragen soll – das ist kein Plan, das ist Poker.
Kwasniok holte in 27 Bundesligaspielen einen Punkteschnitt von 0,96. Zwei Siege aus den letzten 18 Spielen. Dass man ihn nach dem 3:3-Derby gegen Gladbach freistellte, war überfällig. Doch wer den einen Trainer wegen miserabler Ergebnisse entlässt, sollte den nächsten nicht nach zwei ordentlichen Wochen zum Dauerprojekt erklären. Kessler, erst seit Januar als Geschäftsführer Sport im Amt, steht selbst unter Druck. Es entsteht der Eindruck: Hier sucht nicht ein Sportchef den besten Trainer – hier sucht ein Sportchef eine Geschichte, die nach vorne zeigt. Und Wagner ist gerade die einzige, die er erzählen kann.
Gegen den Vorwurf der Planlosigkeit spricht immerhin eines: Wagner kennt den Verein, er war bereits als Co-Trainer hier, er hat Vertrauen in der Kabine aufgebaut. Der Sieg gegen Bremen – mit dem frühen Elfmetertor durch El Mala und der Roten Karte gegen Friedl – fiel in eine Konstellation, die nicht jeder Interimstrainer hätte nutzen können. Auch Alexander Blessin auf der Gegenseite weiß, wie fragil solche Phasen sind. „Jeder muss sein Herz auf dem Platz lassen", sagt er. St. Pauli wartet seit Ende Februar auf einen Sieg, zwei Punkte aus fünf Spielen. Das Kellerduell trifft zwei Mannschaften im Krisenmodus – mit dem Unterschied, dass Köln aus der Krise bereits eine Zukunftsvision basteln will.
Das Restprogramm nach St. Pauli liest sich wie ein Stresstest: Leverkusen, Union Berlin, Heidenheim, Bayern München. Wer Wagner zum Cheftrainer macht, bevor diese Spiele gespielt sind, trifft keine mutige Entscheidung – er trifft eine bequeme. Mut wäre, die Saison zu Ende zu spielen, den Klassenerhalt zu sichern und dann in Ruhe zu entscheiden. Aber Ruhe ist beim 1. FC Köln in dieser Saison ein Fremdwort. Drei Trainer in einer Spielzeit sagen mehr über einen Klub als über jeden einzelnen von ihnen.
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