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·10 mai 2026
3. Liga: Brüder Cigerci schreiben in Cottbus ein Drehbuch, das keiner erfinden würde

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·10 mai 2026

Energie Cottbus schlägt Wehen Wiesbaden 2:1, Tolga Cigerci trifft in der 89. Minute. In Regensburg reicht ein Remis zum Zweitliga-Aufstieg.
Manchmal erzählt eine Saison ihre eigenen Geschichten, und die Brüder Cigerci schreiben bei Energie Cottbus gerade eine, die sich niemand ausdenken würde. Zwei Wochen nachdem Tolcay Cigerci beim 5:3 gegen Rot-Weiss Essen mit einem Dreierpack den Ton angegeben hatte, saß er am Samstag gesperrt auf der Tribüne und musste zusehen, wie sich sein Team gegen den SV Wehen Wiesbaden quälte. Auf dem Rasen stand dafür sein drei Jahre älterer Bruder Tolga, zunächst nur als Joker. In der 89. Minute traf er zum 2:1. Ein Brüder-Tausch, wie ihn sich ein Drehbuchautor nicht ausdenken könnte, und ein Tor, das Cottbus bis auf Zentimeter an die 2. Bundesliga heranrückt.
Was dieses Spiel über den sportlichen Wert hinaus besonders macht, sind die Szenen danach. „Mir sind die Tränen gekommen, ich kann nicht beschreiben, was da eben passiert ist. So nervös war ich noch nie", sagte Tolcay Cigerci nach dem Abpfiff — der Angreifer, der sonst selbst die Tore macht, in diesem Moment reduziert auf den Zuschauer, der seinem Bruder beim entscheidenden Moment zusieht. Tolga selbst fand bei MagentaSport kaum Worte: „Ich muss das erstmal verarbeiten. Es war vogelwild." Es sind Sätze, die man nicht oft hört von Profis, die in solchen Momenten gelernt haben, Floskeln zu reihen. Hier klingt etwas durch, das seltener geworden ist im Profifußball: echte Überforderung mit dem eigenen Glück.
Die Tabelle liest sich, als hätte sie sich extra für dieses Finale hinter VfL Osnabrück auf Platz 1 sortiert. 69 Punkte Cottbus, 67 der MSV Duisburg, 67 Rot-Weiss Essen. Duisburg kam am Freitag in Aue nicht über ein 0:0 hinaus, Essen gewann nach drei Niederlagen in Folge 1:0 gegen den SC Verl durch ein Tor von Gianluca Swajkowski in der 50. Minute. Das heißt: Cottbus hat es selbst in der Hand. Bei Jahn Regensburg würde am Samstag sogar ein Remis reichen, die Tordifferenz spricht ebenfalls für die Lausitzer. Nach zwölf Jahren Zweitklassigkeit-Abwesenheit ist das eine Ausgangslage, wie man sie sich drei Spieltage vor Schluss kaum zu wünschen gewagt hätte.
Tolga Cigerci hat am Samstag den Satz formuliert, den man sich in Cottbus an die Wand hängen könnte: „Am Samstag gewinnen wir, und dann schenken wir der Stadt, dem Verein und uns den Aufstieg." Reihenfolge beachten: die Stadt zuerst, dann der Verein, dann sie selbst. Das ist kein Zufall. Cottbus war lange ein Verein, der eher als Fußnote der deutschen Fußballgeschichte behandelt wurde denn als aktiver Teilnehmer. Wenn dieser Satz in Regensburg eingelöst wird, ist das mehr als ein sportliches Resultat — es ist die Rückkehr eines Klubs in eine Liga, in der er zuletzt vor zwölf Jahren vertreten war.
Bleibt die Pointe, die vielleicht noch kommt: Tolcay ist am Samstag wieder spielberechtigt. Der Mann, dem in der 89. Minute gegen Wehen die Tränen kamen, könnte in Regensburg selbst auf dem Platz stehen, wenn es ernst wird. Nach dem Dreierpack gegen Essen und dem Joker-Tor des Bruders gegen Wiesbaden wäre ein Aufstiegstor von Tolcay die Schlusspointe einer Brüder-Geschichte, die so auch nicht besser erfunden werden könnte. Noch aber ist nichts entschieden. Noch muss in Regensburg gepunktet werden. Die Tordifferenz spricht für Cottbus, die Form auch, und mindestens einer der Brüder hat bereits bewiesen, dass er den Moment findet, wenn er gebraucht wird.







































