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·27 mai 2026

AC Mailand und das Werben um Ralf Rangnick: Ein Lockruf zur falschen Zeit

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Cardinale und Ibrahimovic bieten Österreichs Teamchef eine Doppelrolle als Trainer und Manager – mitten in der Vorbereitung auf die WM-Gruppe mit Argentinien.

Manchmal sagt schon die Reiseroute eines Klubs alles über seine Lage. Dass sich Milans Sportchef Gerry Cardinale und Berater Zlatan Ibrahimovic am Dienstag ins Flugzeug nach Wien setzen, um dort Ralf Rangnick zu treffen, ist nach einem Bericht der Gazzetta dello Sport mehr als eine Personalsondierung. Es ist das Eingeständnis eines Traditionsklubs, der gerade nahezu die gesamte Chef-Etage abgeräumt hat und nun einen sucht, der den Wiederaufbau allein verantwortet. Die Adresse ist bemerkenswert. Denn der Mann, den die Mailänder umwerben, hat in den kommenden Wochen einen anderen Job zu erledigen.


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Rangnick ist Österreichs Teamchef, und Österreich spielt vom 11. Juni bis 19. Juli bei der XXL-WM in den USA, Mexiko und Kanada. In Gruppe J warten Titelverteidiger Argentinien, Algerien und Außenseiter Jordanien. Es ist die größte Aufgabe, die der österreichische Verband zu vergeben hat, und sie verlangt im Idealfall die ungeteilte Aufmerksamkeit dessen, der sie übernommen hat. Genau in diese Phase platzt nun ein Angebot, das man in Mailand offenkundig für unwiderstehlich hält.

Die Konstruktion, mit der Milan ihn dem Vernehmen nach lockt, ist aufschlussreich. Eine Doppelrolle als Trainer und Manager, also Mandat und Macht in einer Person, zugeschnitten auf einen Mann, der genau so denkt und arbeitet. Das ist die logische Antwort auf das, was zuvor passiert ist: Nach dem verpassten Champions-League-Einzug entließ der Klub Trainer Massimiliano Allegri, dazu Geschäftsführer Giorgio Furlani, Sportdirektor Igli Tare und Technischen Direktor Geoffrey Moncada. Wenn vier Schlüsselpositionen in einem Schlag geräumt werden, sucht man nicht den nächsten Mitarbeiter. Man sucht eine Architektur.

Dass Cardinale und Ibrahimovic persönlich anreisen, sagt etwas über die Dringlichkeit. Beraterrunden in Mailand wären leiser, diskreter, anschlussfähiger an italienische Medien. Stattdessen Wien, am Dienstag, vor dem Beginn eines Turniers, das Rangnicks Kalender blockiert. Wer so reist, hat es eilig und will signalisieren, dass er es ernst meint. Das Signal ist auch in Österreich angekommen, ob es dort gefällt oder nicht.

Damit beginnt für Rangnick eine Doppelbelastung, die er nicht gewählt hat, der er sich aber schwer entziehen kann. Auf der einen Seite ein WM-Auftakt mit einer Gruppe, in der man gegen Argentinien Außenseiter ist, gegen Algerien gefordert und gegen Jordanien zum Sieg verpflichtet. Auf der anderen Seite ein Klub, der die Stelle nicht beliebig lange offenhalten wird. Italienische Klubentscheidungen folgen nicht den Spielplänen anderer Nationalmannschaften.

Aus österreichischer Sicht ist das eine unangenehme Lage. Der Verband hat einen Teamchef bestellt, der parallel zum wichtigsten Turnier seiner Amtszeit Gegenstand einer Personalie der Serie A wird. Aus Mailänder Sicht hingegen ist die Wahl konsequent. Wer Furlani, Tare, Moncada und Allegri an einem Tag entlässt, sucht keinen Verwalter, sondern jemanden, der den Klub in seiner Logik neu sortiert. Rangnick passt in dieses Profil, und das wissen sie in Mailand.

Bleibt die Frage, wie er selbst damit umgeht. Ein Trainer, der mitten in der WM-Vorbereitung mit einem Mailänder Doppelmandat verhandelt, muss erklären können, wem seine Aufmerksamkeit in welcher Stunde gehört. Die Gazzetta hat das Treffen öffentlich gemacht. Die Antwort darauf wird Rangnick in den nächsten Wochen geben müssen, ob er will oder nicht.

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