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·29 mars 2026
Cucurella-Schiedsrichter beim Deutschland-Spiel – ein Affront

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·29 mars 2026

Stuart Attwell, der VAR beim EM-Viertelfinal-Aus gegen Spanien, leitet am Montag in Stuttgart das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana.
Es gibt Zufälle im Fußball, die sind so absurd, dass man sie nicht erfinden könnte. Stuart Attwell, der Mann, der als Videoassistent beim EM-Viertelfinal-Aus gegen Spanien nicht eingriff, als Jamal Musialas Schuss an Marc Cucurellas Arm klatschte – dieser Stuart Attwell pfeift am Montag in Stuttgart das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana. Im selben Stadion. Es ist sein erstes Spiel als Hauptschiedsrichter bei einem Länderspiel der deutschen A-Elf. Man hätte jeden anderen schicken können. Sie hat sich für den entschieden, der in Deutschland für eine der bittersten Schiedsrichterentscheidungen der jüngeren Turniergeschichte steht.
Man muss das kurz einordnen: Am 5. Juli 2024 saß Attwell im Videokeller, als Musiala in der 106. Minute abzog und der Ball an Cucurellas ausgestrecktem Arm landete. Anthony Taylor, der Schiedsrichter auf dem Platz, ließ weiterspielen. Attwell griff nicht ein. Deutschland verlor 1:2 nach Verlängerung gegen den späteren Europameister Spanien. Nagelsmann nannte die ausgebliebene Entscheidung „Wahnsinn" und sagte: „Dass es dann keinen Elfmeter gibt – das kann ich nicht akzeptieren." Michael Ballack sprach vom „klarsten Handspiel im Fußball". Das Bild des abgewinkelten Arms ging durch sämtliche Zeitungen. Es war der Moment, in dem das Heim-Turnier für Deutschland endete.
Zur Wahrheit gehört auch: Schiedsrichter-Experten hielten die Entscheidung für regelkonform vertretbar. Keine erkennbare Absicht, kurze Distanz zum Schützen, ein sehr harter Schuss. Patrick Ittrich brachte es auf den Punkt: „Ich bin eigentlich auch eher bei Handspiel, aber es ist nicht das Handspiel, bei dem du ihn rausschickst, weil du keine anderen Bilder hast." Er nannte die Szene „das ganze Dilemma der Regel". Und genau hier liegt das eigentliche Problem: nicht bei Attwell persönlich, sondern bei einer Handspielregel, die so viel Interpretationsspielraum lässt, dass dieselbe Situation in zwei aufeinanderfolgenden Spielen zu gegensätzlichen Entscheidungen führen kann. Denn besonders bemerkenswert ist, was im Achtelfinale gegen Dänemark geschah – Attwell assistierte dort Michael Oliver als VAR, und bei einer vergleichbaren Szene entschied Oliver auf Handelfmeter für Deutschland. Zwei Spiele, derselbe VAR, zwei konträre Bewertungen. Das ist kein Skandal, das ist ein Systemfehler.
Die Frage ist, warum die FIFA ausgerechnet diesen Schiedsrichter für dieses Spiel in diesem Stadion ansetzt. Attwell ist seit 2009 FIFA-Referee, pfeift in der Premier League, wurde für das FA-Cup-Finale 2025 nominiert. An seiner Qualifikation gibt es nichts zu deuteln. Aber Schiedsrichterbesetzungen sind keine rein sportlichen Entscheidungen – sie sind auch politisch. Wer einen Unparteiischen ansetzt, der in einem Land mit einer derart kontroversen Vorgeschichte belastet ist, nimmt billigend in Kauf, dass das Spiel unter dem Schatten einer alten Debatte steht, bevor der Anpfiff ertönt. Sportlich ist das Testspiel gegen Ghana ohnehin eine Standortbestimmung: Die Black Stars qualifizierten sich unter Otto Addo ungeschlagen als Gruppensieger mit 25 Punkten für die WM 2026, kassierten aber am Freitag in Wien ein 1:5 gegen Österreich. Deutschland wiederum kam nach dem 4:3 gegen die Schweiz mit einem überragenden Florian Wirtz ins Rollen. Es gibt genug Stoff auf dem Platz.
Seien wir ehrlich: Attwell wird am Montag vermutlich ein ordentliches Spiel leiten. Die Aufregung wird sich legen, sobald der Ball rollt. Aber die Frage, die bleibt, ist größer als ein Testspiel in Stuttgart – sie lautet, ob der Weltverband bei Schiedsrichterbesetzungen jemals die Perspektive derer einnimmt, die unter einer Fehlentscheidung gelitten haben. Oder ob Sensibilität schlicht kein Kriterium ist: nicht für die FIFA und nicht für eine Handspielregel, die seit Jahren das ganze Dilemma des modernen Fußballs in sich trägt.
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