Rund um den Brustring
·1 février 2026
Der 12-Punkte-Schuss

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·1 février 2026

So groß ist der Vorsprung des VfB auf seinen Gegner vom Sonntagnachmittag aus Freiburg (und die punktgleiche Frankfurter Eintracht) und damit auf die Nicht-Europapokal-Plätze nach Ermedin Demirovics Traumtor. Wie der VfB endlich mal wieder eine Steilvorlage der Konkurrenz nutzte.
Natürlich ist das alles immer nur eine Momentaufnahme, insbesondere in Spielzeiten, in denen der VfB weit über 40 Pflichtspiele bestreitet. Aber nur in drei Spielzeiten in unserer Bundesliga-Historie hatte der VfB nach 20 Spielen mehr Punkte als in dieser. Nachdem Frankfurt auch gegen Leverkusen verlor und wir auch das dritte Heimspiel gegen Freiburg in Folge zu Null gewonnen haben, wächst der Vorsprung auf die Plätze, auf die der VfB vor etwa einem Jahr begann abzurutschen, immer weiter an. Bevor es jetzt gegen die noch mehr als in der Hinrunde vom Abstieg bedrohten Mannschaften aus dem Tabellenkeller und einen Zweitligisten im Pokal geht, kann der späte Heimsieg der Mannschaft nochmal einen richtigen Push geben.
Wobei wir uns nicht darauf ausruhen sollten, dass der VfB am Ende, wie schon am Donnerstag, irgendwie doch immer die drei Punkte mitnimmt. Denn auch das Spiel gegen die Breisgauer war eine zähe Angelegenheit, die schon viel früher hätte entschieden sein können. SCF-Trainer Julian Schuster sprach im Nachhinein davon, dass seine Mannschaft es aufgrund ihrer Leistung nicht verdient habe, als Verlierer vom Platz zu gehen. Natürlich war Freiburg wie immer anstrengend zu bespielen — was aber auch daran lag, dass der VfB zeitweise ähnlich fahrig agierte wie am Donnerstagabend nach der eigenen 2:0‑Führung. Trotz alledem standen zur Pause ganze vier Abschlüsse der Freiburger zu Buche, keiner davon ging aufs Tor. Nach dem Seitenwechsel kamen ganze zwei Schüsse hinzu, die Alex Nübel parieren musste, bevor er sich die achte weiße Weste in dieser Saison überstreifen konnte — vor allem der parierte Schuss von Bruno Ogbus in der Nachspielzeit bleibt dabei im Gedächtnis.
Nein, der Eindruck bei Schuster kann nicht von den Offensivbemühungen seiner Mannschaft herrühren, die den VfB zwar stressten, aber nicht ins Wanken brachten. Vielmehr war es die schon absurd schlechte Chancenverwertung der Brustringträger, die dieses Spiel so lange offenhielt. Deniz Undav legte zwar den Dropkick-Siegtreffer von Ermedin Demirovic auf, schien aber selber vor dem Tor jedes Mal die jeweils falsche Entscheidung zu treffen. Aber nicht nur er, auch seine Mitspieler scheuten sich viel zu häufig davor, den Ball aufs Tor zu bringen. Ein Erklärungsansatz mag dieses Zitat von Ramon Hendriks sein: “Es war schwer und hat Kraft gekostet, Chancen zu kreieren – und gleichzeitig immer eine gute Konterabsicherung zu haben.” Nicht erst seit dem durch nicht vorhandene Konterabsicherung verlorenen Spiel in Hamburg hat man in manchen Partien das Gefühl, dass die Mannschaft offensiv mit angezogener Handbremse spielt. Hier noch ein Abdrehen, da noch eine Ablage, dort noch ein Querpass — alles um die Kontrolle über das Spielgerät in des Gegners Hälfte zu behalten. Gegen tiefstehende und, beziehungsweise oder gut verteidigende Mannschaften kommen damit zwar hohe Pass- und Ballbesitzquoten zustande, aber keine Tore.
Und dennoch entfachte der VfB in den letzten zehn Minuten, angetrieben von einem Stadion, das spürte, dass hier noch was gehen würde, einen Druck, dem die Freiburger am Ende nicht standhalten konnten. Auch wenn einem manche leichtsinnigen Fehler die Haare zu Berge stehen zu lassen, scheint es grundsätzlich nach wie vor in der Mannschaft zu stimmen. Vielleicht sind sich unsere Spieler manchmal ihrer Qualität und ihres Durchhaltevermögens zu sicher, denn so schön so ein Traumtor kurz vor Schluss ist: Fast jedes der letzten Spiele hätten wir schon jeweils in der ersten Halbzeit deutlich für uns entscheiden können. Was natürlich die alte Diskussion wieder anfacht, ob der VfB jetzt eine Spitzenmannschaft sei oder nicht. Ob mögliche Siege in Kiel, auf St. Pauli gegen Köln und in Heidenheim diese wieder beenden, weiß ich nicht. Vielleicht finden wir aber gegen etwas weniger defensivstarke Mannschaften wieder jene Kaltschnäuzigkeit wieder, die wir über zwei Partien gegen Celtic brauchen werden. Am Selbstvertrauen dafür mangelt uns jedenfalls nicht.
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images








































