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·24 avril 2026

Der Fall Terzic zeigt: Die Bundesliga traut sich weniger zu als Bilbao

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Edin Terzic, Champion-League-Finalist 2024, fand in Deutschland keine neue Trainerstation. Nun soll Athletic Bilbao zugreifen – ein Signal über den deutschen Trainermarkt.

Fast zwei Jahre Pause. Ein Champions-League-Finale auf der Vita. Ein DFB-Pokalsieg dazu. Und trotzdem war die einzige Bühne, die Edin Terzic in Deutschland zuletzt bespielen durfte, ein TV-Studio. Dass nun ausgerechnet Athletic Bilbao zugreifen soll – ein Klub mit strengem baskischen Kaderprofil, der seine Trainer mit Bedacht auswählt –, ist weniger eine Nachricht über Terzic als eine über die Bundesliga.


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Man muss sich die Konstellation in Ruhe anschauen. Terzic, 43, gebürtiger Sauerländer, seit 2010 im System BVB groß geworden, führte Dortmund 2023 bis auf einen Punkt an die Meisterschaft und 2024 ins Finale von Wembley. 0:2 gegen Real Madrid – ein Ergebnis, das man in Spanien, Italien oder England als Qualifikationsnachweis liest, nicht als Makel. In Deutschland offenbar als Makel.

Seit dem Abschied 2024 war Terzic mit mehreren Adressen verbunden worden, in Deutschland kam keine davon zum Abschluss. Stattdessen Amazon Prime, Mikrofon, Analyse. Jetzt also Bilbao, Nachfolger von Ernesto Valverde, jenem Trainer, der den Basken 2024 die Copa del Rey nach 40 Jahren zurückgeholt hat. Spanische Medien berichten, Terzic sei bereits in die Kaderplanung für die neue Saison eingebunden. Ein Vertrauensvorschuss, den ihm hierzulande niemand geben wollte.

Warum eigentlich? Der deutsche Trainermarkt liebt in diesen Monaten die große Projektion – Xabi-Alonso-Fantasien, internationale Namen, die Aura von außen. Was er zunehmend scheut, ist das Risiko des zweiten Versuchs. Ein Trainer, der schon einmal an der Spitze stand und dort nicht gekrönt wurde, gilt als verbraucht, bevor er wieder angefangen hat. Athletic Bilbao denkt anders: Dort zählt, was einer kann, nicht, was zuletzt über ihn geschrieben wurde.

Die Gegenseite hat Argumente, keine Frage. Terzics zweite Amtszeit in Dortmund war auch eine Geschichte taktischer Brüche, verschleppter Spiele, einer Mannschaft, die zu oft unter ihren Möglichkeiten blieb. Ein Finale ist kein Freibrief. Wer Terzic kritisch sieht, findet Material. Nur: Dieses Material wird in der Bundesliga offenbar als Ausschlusskriterium gelesen, in der Primera División als Lernkurve. Ein Unterschied, der etwas über Selbstvertrauen aussagt – und über den Mangel daran.

Man kann das Ganze auch umdrehen. Welche deutsche Klubführung hätte in den vergangenen 18 Monaten die Souveränität besessen, einen Trainer zu verpflichten, der gerade ein Champions-League-Finale verloren hat? Keine. Stattdessen: Interimslösungen, Notberufungen, Trainerkarusselle mit immer denselben Namen. Bilbao, ein Klub, der ausschließlich baskische Spieler einsetzt und sich damit selbst enge Grenzen zieht, traut sich mehr zu als die Bundesliga mit ihrem globalen Spielermarkt.

Das ist die eigentliche Pointe dieser Personalie. Nicht, dass Terzic nach Spanien geht – das ist seine Entscheidung, und sie spricht für ihn. Sondern, dass er gehen musste, um wieder zu arbeiten. Ein Trainer mit Wembley im Lebenslauf, der in Deutschland nicht einmal als Gesprächskandidat öffentlich wurde: Das ist keine Personalie, das ist ein Befund.

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