feverpitch.de
·18 février 2026
Der Fußball verwaltet zu oft Rassismus – statt ihn konsequent zu bestrafen

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·18 février 2026

Nach dem Vorfall zwischen Prestianni und Vinicius Junior zeigt sich ein strukturelles Problem: Der Fußball hat Protokolle gegen Rassismus, wendet sie aber zögerlich an.
Kylian Mbappé sagt, er habe gehört, wie Gianluca Prestianni seinen Teamkollegen Vinicius Junior fünfmal als Affen bezeichnete. Prestianni bestreitet das komplett. Aussage gegen Aussage. Und ich frage mich: Reicht das, um zur Tagesordnung überzugehen?
Die Szene aus dem Champions-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid hat mich nicht losgelassen. Ein Spieler hält sich das Trikot vor den Mund, während er mit seinem Gegenspieler spricht. Vinicius stürmt zum Schiedsrichter, das Spiel wird unterbrochen. Mbappé ist außer sich. Und Prestianni? Der erklärt später, Vinicius habe missverstanden, was er zu hören glaubte.
Diese Verteidigungslinie ist bemerkenswert dünn. Wer sich das Trikot vor den Mund zieht, will nicht gehört werden. Das ist keine neutrale Geste. Das ist Verbergen. Vinicius hat das so formuliert: Rassisten seien vor allem Feiglinge, die sich das Hemd über den Mund ziehen müssen, um zu zeigen, wie schwach sie sind. Ich teile diese Einschätzung.
Die UEFA hat reagiert und einen Ethik- und Disziplinarinspektor beauftragt. Das ist der formale Weg, und er ist richtig. Aber die eigentliche Frage liegt tiefer: Wie weit ist der Fußball bereit zu gehen, wenn es um Rassismus geht? Mbappé hat öffentlich harte Konsequenzen gefordert. Er hat auch gesagt, dass ein Spielabbruch im Raum stand. Schiedsrichter Francois Letexier hat das Spiel unterbrochen, aber nicht abgebrochen. War das mutig oder zu wenig?
Ich sehe hier ein strukturelles Problem. Der Fußball hat Protokolle für rassistische Vorfälle, aber er wendet sie zögerlich an. Ein Spielabbruch wäre ein Signal gewesen, das über dieses eine Spiel hinausreicht. Stattdessen wurde weitergespielt, und jetzt ermittelt ein Inspektor. Das ist Bürokratie, kein Statement.
Prestianni ist jung, er spielt seine erste Saison auf diesem Niveau. Das entschuldigt nichts, aber es erklärt vielleicht, warum er glaubt, mit einem Dementi durchzukommen. Die Frage ist, ob die UEFA ihm diese Rechnung aufmacht oder ob sie sich hinter Verfahrensfragen versteckt.









































