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·30 juillet 2026

Der Kampf um die jungen Talente wird immer gnadenloser

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Barça-Camps, üppige Ausstattung, teure Trainingslager und falsche Versprechen prägen die Jagd auf die Talente. Auch ein Fall für den DFB, meint Gerd Thomas.

Seit Freitag gibt es einen neuen DFB. Jürgen Klopp und sein Team haben richtig viel Arbeit vor sich, nicht zuletzt im Jugendfußball. Denn der Kampf um die begehrten jungen Talente wird immer gnadenloser, die Ausbildung aber nicht unbedingt zielführender. Das gilt nicht nur für die so genannten Leistungszentren der Proficlubs, sondern auch für den Amateurfußball.


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Schon Jugendspieler beziehungsweise deren Eltern erliegen den Verlockungen des Geldes. Es gibt Vereine, in denen bereits in der B-Jugend Prämien fließen. Noch häufiger locken abwerbende Clubs mit üppiger Ausstattung, Trainingslagern im Ausland und vermeintlichen Spezialtrainern in gehobenen Spielklassen. Das alles hat seinen Preis. Und den zahlen die Eltern. Ob wirklich jede Zahlung auf den Vereinskonten landet, ist noch einmal ein eigenes Thema.

Wie verrückt der Markt inzwischen ist, zeigte kürzlich ein Bericht des RBB. In Berlin wird auf dem Platz eines Amateurclubs ein Trainingslager angeboten, das angeblich vom FC Barcelona durchgeführt wird. Preis: 799 Euro für eine Woche plus Verpflegung und Sportkleidung. Das Angebot ist zwar nicht toll, dafür aber voll. Auch Real Madrid, der AC Mailand und selbst Brasilien waren schon Namensgeber. Trainer aus deren Akademien wurden allerdings nicht gesichtet.

Das können sich eigentlich nur Kinder aus gut situierten Familien leisten, sollte man meinen. Doch offenbar finden sich trotz solcher zwielichtiger Angebote auch Nachwuchsspieler aus Familien ein, die finanziell keineswegs auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Hoffnung auf den Durchbruch des eigenen Sprösslings ist groß. Gleichzeitig klagen viele Vereine darüber, dass Eltern nicht einmal die Mitgliedsbeiträge für ihre Kinder bezahlen. Wie passt das zusammen?

Die Antwort dürfte unbequem sein. Während der Vereinsbeitrag als lästige Ausgabe betrachtet wird, gilt ein teures Trainingslager als Investitionsmodell übermotivierter Väter für die große Fußballkarriere des Sohnes. Die Hoffnung auf den Durchbruch ist offenbar stärker als die Bindung an den Verein, in dem die Kinder über Jahre trainiert haben.

Das böse Erwachen kommt oft später

Zurück zu den im Sommer massenhaft stattfindenden Vereinswechseln: Da kommt das böse Erwachen oft erst später. Denn abwerbende Clubs versprechen den umworbenen Spielern viel, halten ihre Versprechen aber häufig nicht. Sie planen mit riesigen Kadern, in denen die Neuzugänge plötzlich nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Viele sitzen auf der Bank, werden in die zweite oder dritte Mannschaft abgeschoben oder sind im Training das fünfte Rad am Wagen.

Der Frust ist groß. Manche Spieler wechseln erneut den Verein, andere hören ganz mit dem Fußball auf. Es gibt C-Jugendliche, die schon sieben Vereine hinter sich haben.

Diese Entwicklung ist schon bei Elf- und Zwölfjährigen zu beobachten. Wer in diesem Alter nicht in einem vermeintlichen Topteam landet, hat es später schwer, noch nach oben zu kommen. Das erzählt man zumindest den Erzeugern der Talente, und die glauben das. Mit strahlenden Augen erwarten sie "den nächsten Schritt", der oft im Abseits landet.

Viele Kinder sind Spätentwickler, oft in körperlicher Form, aber auch bezüglich der Persönlichkeit. Wer sie früh aussortiert oder ihnen das Gefühl vermittelt, nicht gut genug zu sein, verliert möglicherweise Talente, die erst Jahre später ihr Potenzial zeigen würden. Es gibt Spieler, die wurden mehrfach aussortiert, um mit 22 oder gar 24 dann doch noch Profi zu werden.

Die Sitten im Jugendfußball werden rauer. Ein Trainer, der über Jahre dafür gesorgt hat, dass Kinder überhaupt in der Fußballspur bleiben, kann plötzlich die Hälfte seiner Mannschaft verlieren. Er hat sie entwickelt und gestärkt, dann kommt ein mit allen Mitteln aufstrebender Verein und holt sie weg. Betroffene Ehrenamtliche ziehen sich oft frustriert zurück. Sie haben erkannt, dass nicht nur in der Bundesliga der Teufel auf den größten Haufen macht. Hören die Jungs in der neuen Umgebung auf, stört das den „Scout“ nicht. Er hat keine emotionale Bindung und ist ohnehin schon auf der Suche nach dem Nächsten.

Nicht nur die Trainer sind gefordert

Mancher übermotivierte Trainer oder Jugendleiter handelt bei der Jagd nach Talenten nicht aus sportlichen, sondern aus rein egoistischen Motiven. Was über seine eigene Eignung vieles aussagt. Ihm ist ein möglichst erfolgreicher Jahrgang, ein Aufstieg oder ein vermeintlicher Titelgewinn wichtiger als die Entwicklung der einzelnen Spieler.

Hier könnte eine neue DFB-Strategie um Klopp, Mertesacker und Wolf ansetzen. Denn es braucht nicht nur gute Trainer, sondern auch vernünftige Strukturen in den Vereinen. Ein verantwortungsvoller Vorstand und eine gut aufgestellte Jugendleitung mit den richtigen Werten und Schwerpunkten können meist mehr dazu beitragen, dass Talente ihren Weg machen, als Trainer mit A-Lizenzen, aber ohne jegliche Sozialkompetenz. Wobei ein geschätzter Kollege gerade lobende Worte für seine Fortbildung fand. Dennoch: Übungsleiter müssen geführt werden und brauchen Leitplanken, aber auch verlässliche Unterstützung des Vereins.

Guter Jugendfußball bedeutet nicht, möglichst viele Talente einzusammeln und mit diesen einen Kantersieg nach dem nächsten einzufahren. Er bedeutet, möglichst viele Kinder und Jugendliche so zu entwickeln, dass sie ihr Potenzial ausschöpfen können. Dazu gehören auch diejenigen, die mit elf oder zwölf oder auch 15 Jahren noch nicht zu den Besten gehören. Die Karls, Musialas und Eichhorns sind die Ausnahme, nicht die Regel. Jürgen Klopp nimmt eh nur welche mit Führerschein.

Der Fußball sollte den jungen Spielerinnen und Spielern Zeit geben. Sonst sorgt die gnadenlose Jagd nach den vermeintlich Besten am Ende dafür, dass viele der Besten nie entdeckt werden.

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