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·15 mars 2026
Der VAR ist kein Korrektiv – er ist ein Zufallsgenerator mit Bildschirm

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·15 mars 2026

Nach zwei gegensätzlichen VAR-Entscheidungen an aufeinanderfolgenden Spieltagen fordert Kölns Trainer Kwasniok einheitliche Maßstäbe. Köln steht einen Punkt vor dem Relegationsplatz.
Lukas Kwasniok hat es klar gesagt, und er hat recht. Wenn ein Trainer zwei aufeinanderfolgende Spieltage erlebt, in denen vermeintlich gleiche Szenen völlig unterschiedlich bewertet werden – einmal Rot für seinen Spieler, einmal gar nichts für den Gegner –, dann ist das nicht Pech. Dann ist das ein Systemversagen. Der Kölner Trainer hat seine Frustration in Worte gefasst, die im deutschen Profifußball eigentlich täglich zu hören sein müssten, es aber nicht sind. „Das geht mir einfach auf den Sack", sagte Kwasniok nach dem 1:1 beim Hamburger SV. Man muss ihm dankbar sein für diese Direktheit. Der Konfliktkern ist so konkret wie selten. Vorwoche, Partie gegen Borussia Dortmund: Kölns Jahmai Simpson-Pusey sieht nach einem VAR-Eingriff die Rote Karte für ein Foul. Diese Woche, Partie in Hamburg: HSV-Verteidiger William Mikelbrencis bringt Kristoffer Lund per Schubser zu Fall und trifft ihn zusätzlich mit dem Fuß an der Achillessehne. Schiedsrichter Tobias Welz pfeift nicht, der Videoassistent schaltet sich nicht ein. Zwei ähnliche Szenen, zwei diametral entgegengesetzte Urteile. Und keiner erklärt, warum. Das eigentlich Erschreckende an Kwasnioks Worten ist nicht die Lautstärke, sondern die Resignation dahinter. Er sagt selbst, dass er nach seinen eigenen Maßstäben weder das Foul seines Spielers als Rote Karte bewertet hätte noch das Foul von Mikelbrencis. Aber er akzeptiert die Maßstäbe, die ihm mitgeteilt werden – bis sie wieder anders angewendet werden. Mal wird mit der Schrittfolge argumentiert, mal mit dem Trefferbild, je nachdem, was gerade passt. „Ich will es auch mittlerweile nicht mehr", sagt Kwasniok über sein Verständnis der Entscheidungen. Das ist kein wütender Trainer, der Dampf ablässt. Das ist ein Mensch, der aufgehört hat, an Erklärungen zu glauben. Und dieser Mann kämpft mit seinem Verein um die Zugehörigkeit zur zweiten Bundesliga. Für einen Abstiegskandidaten, der nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz steht, ist eine Einzelentscheidung keine Randnotiz. Sie kann die gesamte Saison kippen. Wenn ein Spieler in einem entscheidenden Spiel infolge eines VAR-Eingriffs die Rote Karte sieht, kann das über Aufstieg oder Abstieg entscheiden – und wenn dieselbe Szene eine Woche später folgenlos bleibt, stellt sich die Frage nach Gleichbehandlung nicht mehr nur als sportphilosophisches Problem. Sie wird zur existenziellen Gerechtigkeitsfrage für den Verein. Der VAR wurde eingeführt, um Fehler zu korrigieren und Gerechtigkeit herzustellen. Er hat stattdessen eine neue Form der Ungerechtigkeit produziert: die inkonsequente, intransparente und offenbar willkürliche Anwendung wechselnder Kriterien. Kwasniok bringt es auf den Punkt, ohne es so zu nennen. Solange dieselbe Szene je nach Spieltag, Schiedsrichter oder Lust und Laune unterschiedlich bewertet wird, ist der VAR kein Korrektiv. Er ist ein Zufallsgenerator mit Bildschirm. Und das, um Kwasnioks Sprache zu benutzen, geht einem wirklich auf den Sack.
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