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·11 avril 2026
Deutsche Frauen Fußball-Nationalmannschaft vor der WM 2027 Qualifikation: Sjoeke Nüsken im Interview

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Sjoeke Nüsken hat sich bei Chelsea nach schwierigen Monaten wieder in die Startelf gekämpft und schöpft neues Selbstvertrauen. Genau dieses Gefühl will die Nationalspielerin nun auch in die DFB-Frauen für die Länderspiele gegen Österreich mitnehmen. Im Interview spricht die 24-Jährige über ihre Rolle in London, den starken Zusammenhalt im Team und das WM-Qualifikationsjahr 2027.
Elisa Senss von der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bejubelt ihren Treffer zum 2:0 mit Teamkollegin Sjoeke Nüsken im WM-Qualifikationsspiel für die FIFA Frauen-WM 2027 gegen Slowenien im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden am 3. März 2026. Foto: Thomas Eisenhuth / Getty Images Europe via Getty Images
Die Mittelfeldspielerin blickt derzeit zufrieden auf ihre Lage beim Londoner Klub. Sie habe viel spielen dürfen und sei auch mit den Leistungen ihrer Mannschaft sehr einverstanden, sagte Nüsken. Der Gewinn des League Cups und der Einzug ins Halbfinale des FA Cups seien Belege dafür. Beim Champions-League-Aus gegen Arsenal habe allerdings auch Pech eine Rolle gespielt: Chelsea unterlag 1:3 und gewann zwar das Rückspiel 1:0, in dem Nüsken selbst traf. Vier Pfostentreffer und mehrere Entscheidungen gegen ihr Team hätten den Unterschied ausgemacht.
Im FA Cup geht es nun gegen Rebecca Knaak und Manchester City. Weil beide in England aktiv sind und ähnliche Erfahrungen machen, tauschen sich die beiden Nationalspielerinnen nach Angaben Nüskens häufiger aus. Außerdem fliegen sie regelmäßig gemeinsam zur Nationalmannschaft. Das sei „schon ganz cool“, sagte sie.
Auch die Ankunft im DFB-Teamhotel erlebt Nüsken als etwas Besonderes. Als Spielerin, die nicht in der Bundesliga aktiv ist, sei die Reise zur Auswahl noch einmal spezieller. Die Bilder des Treffens wirkten für sie immer sehr fröhlich. Vor allem spüre man in der Nationalmannschaft den gewachsenen Teamgeist: „Jede Spielerin freut sich, zur Natio zu kommen. Wir haben uns über die letzten Jahre einen super Teamspirit aufgebaut. Wir freuen uns aufeinander und das merkt man auch in den Einheiten. Da ist immer viel Schwung drin, viel Freude.“
Auch das öffentliche Training vor 600 Fans hinterließ Eindruck. Solche Einheiten seien immer „cool“, sagte Nüsken. Wenn viele Zuschauerinnen und Zuschauer anfeuern, gebe das Energie. Den Anhängern etwas zurückzugeben – mit kurzen Gesprächen, Autogrammen und Fotos – empfinde sie als schöne Geste.
Unter Bundestrainer Christian Wück verlief der Start zwar holprig, doch nach Nüskens Einschätzung haben sich die Dinge in den vergangenen 20 Monaten Stück für Stück zusammengefügt. Ein Erfolgsgeheimnis wolle sie dafür nicht benennen. Stattdessen verwies sie auf die nötige Zeit, die Entwicklung der gesamten Mannschaft und klar verteilte Rollen auf und neben dem Platz. Man sei auf einem guten Weg, aber noch längst nicht am Ziel und wolle weiter an Spiel und Struktur arbeiten.
Wück hatte zu Jahresbeginn erklärt, dass das Gerüst seiner Mannschaft stehe und es im Kader keine großen Verschiebungen mehr geben werde. Für Nüsken ist das ein positives Signal. Wenn jede Spielerin wisse, woran sie sei, nehme das Druck heraus. Dieses Vertrauen helfe dem Team, sich nicht ständig neu beweisen zu müssen.
Besonders präsent ist für sie bis heute das EM-Viertelfinale gegen Frankreich im vergangenen Jahr. Deutschland gewann trotz Unterzahl ab der 13. Minute im Elfmeterschießen, und Nüsken spielte dabei eine Hauptrolle. Sie bezeichnete die Partie als eines der besten, coolsten und emotionalsten Spiele ihrer Karriere. Noch immer frage sie sich, wie ihr Kopfballtor damals überhaupt eingeschlagen sei. Auch die Bilder danach seien unvergesslich gewesen: Sie sei schreiend zurück in die eigene Hälfte gerannt. Dazu kamen der verschossene Elfmeter und der verwandelte Versuch im Elfmeterschießen. Für Nüsken war es „das größte Spiel“, das sie bisher erlebt hat.
Nach diesem EM-Sommer fiel ihr die Umstellung im Klub zunächst schwer. In der Nationalelf übernimmt sie Führungsverantwortung und geht voran, bei Chelsea war das lange nicht der Fall. Dennoch blieb sie überzeugt von ihren Qualitäten und wollte sie ihrer Trainerin zeigen. Sie akzeptierte die Rolle, unterstützte das Team und kämpfte sich zurück. Heute spiele sie wieder viel, treffe selbst und bereite Tore vor. Das Vertrauen komme zurück – und sie hoffe, das erarbeitete Selbstbewusstsein auch in die Länderspiele mitzunehmen.
Die Phase habe sie geprägt und vielleicht sogar zu einer besseren Spielerin gemacht, betonte Nüsken. In Frankfurt sei sie immer Stammkraft gewesen, deshalb habe sie die andere Seite erst jetzt kennengelernt. Vor allem mental habe sie diese Zeit weitergebracht. Diesen Kampfgeist wolle sie dauerhaft behalten und niemals an den eigenen Fähigkeiten zweifeln.
Auch die Women’s Super League ordnet die 24-Jährige klar ein: Für sie ist es aktuell die beste Liga der Welt. Es gebe viele starke Teams, jedes Spiel sei eng, intensiv und zweikampfstark. Das habe sich auch beim jüngsten 4:3 gegen Aston Villa gezeigt, bei dem Nüsken einen Treffer vorbereitete und selbst den Siegtreffer erzielte. Man gewinne dort nie 5:0 oder 6:0, sagte sie. Gerade die hohe Dynamik, das ständige Auf und Ab und die Intensität machten die Liga für sie so attraktiv. Deshalb spiele sie sehr gern in England und genieße die Zeit auf der Insel sehr.
Im Vergleich dazu sei die Bundesliga „nah dran“. Sie verfolge die Spiele weiter. Allerdings sei der Abstand zwischen den Topteams und den Mannschaften, die mithalten wollten, größer. Trotzdem habe sich die Liga spielerisch weiterentwickelt und mache weitere Schritte nach vorn.
Mit Blick auf die WM-Qualifikation 2027 lief der Start aus deutscher Sicht bereits ordentlich. Das vermeintlich schwierigste Spiel in Norwegen gewann die Auswahl 4:0, davor gab es ein 5:0 gegen Slowenien. Damit habe man sich die gute Ausgangslage selbst erarbeitet, sagte Nüsken. Nun gelte es, genau so weiterzumachen. Vor den Duellen mit Österreich erwartet sie spezielle Spiele: Die Österreicherinnen würden hoch pressen, in den Zweikämpfen unangenehm sein und vielen deutschen Spielerinnen aus der Bundesliga bekannt vorkommen. Sie rechne mit zwei guten und spannenden Partien – und hoffe, dass Deutschland erneut die eigene Leistung auf den Platz bringt und als Sieger vom Feld geht.









































