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·27 janvier 2026

DFB maßregelt den Boss von St. Pauli – und beweist genau das Problem, das er anspricht

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Oke Göttlich fordert Diskussion über die WM in den USA. Der DFB weist ihn öffentlich zurecht, will das Thema aber selbst im Präsidium beraten.

Der deutsche Fußball hat ein Kommunikationsproblem. Und es zeigt sich gerade in seiner ganzen Pracht. Oke Göttlich, Vizepräsident des DFB und der DFL und gleichzeitig Vereinspräsident des Bundesligisten FC St. Pauli, wirft eine Frage in den Raum, die angesichts der politischen Lage in den USA durchaus berechtigt ist: Wie gehen wir mit einem WM-Gastgeber um, hinter dem große Fragezeichen stehen? Die Reaktion der Verbandsspitze fällt aus, als hätte jemand während der Vorstandssitzung laut gerülpst.


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DFB-Präsident Bernd Neuendorf stellt seinen Kollegen öffentlich in den Senkel. Der sei noch nicht so lange dabei, habe die Gremienarbeit nicht verstanden, sei vorgeprescht. Die Debatte komme "zur Unzeit". Das ist bemerkenswert, denn gleichzeitig kündigt derselbe Neuendorf an, dass das Präsidium am Freitag genau über diese Thematik beraten wolle. Was denn nun? Ist das Thema völlig verfehlt oder doch wichtig genug für eine Präsidiumssitzung?

Göttlich selbst bleibt gelassen. Er habe keinen Boykott gefordert, nur eine Diskussion anstoßen wollen. Der Fußball müsse aushalten können, dass das Thema diskutiert werde. Man müsse sich nicht hinter Formalien verstecken. Das klingt nach einem Mann, der weiß, dass er einen Nerv getroffen hat.

WM-Boykott: Eine andere Frage ist viel zwingender

Die eigentliche Frage ist doch: Warum reagiert der DFB so allergisch auf eine Debatte? Die WM beginnt in viereinhalb Monaten. Wenn nicht jetzt über mögliche Konsequenzen aus der politischen Entwicklung in den USA nachgedacht werden soll, wann dann? Zwei Wochen vor Turnierbeginn?

Neuendorf und sein DFB-Vize Watzke demonstrieren Einigkeit im Unmut. Das ist ihr gutes Recht. Aber die Art, wie hier ein Kollege aus dem eigenen Präsidium öffentlich abgewatscht wird, sagt mehr über die Diskussionskultur im deutschen Fußball als über die Qualität von Göttlichs Vorstoß.

Der DFB hat sich nach der Katar-WM vorgenommen, künftig klarer Position zu beziehen. Man wollte nicht mehr schweigen, wenn es um Menschenrechte und politische Verwerfungen geht. Jetzt meldet sich jemand aus den eigenen Reihen zu Wort, und die erste Reaktion ist: Ruhe im Karton.

Göttlich mag mit seinem Timing ungeschickt gewesen sein. Er mag die internen Spielregeln verletzt haben. Aber er hat eine Debatte angestoßen, die geführt werden muss. Ob der deutsche Fußball sie führen will, steht auf einem anderen Blatt.

Am Freitag tagt das Präsidium. Man darf gespannt sein, ob dabei mehr herauskommt als die Ermahnung, künftig bitte erst die Gremien zu fragen, bevor man öffentlich nachdenkt. Der deutsche Fußball wäre gut beraten, die inhaltliche Frage nicht hinter Formaliendiskussionen verschwinden zu lassen. Die WM kommt. Und mit ihr die Fragen, die Göttlich gestellt hat.

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