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·11 juillet 2026
Die Trommel im Orchester der Großen: Geht Norwegens Märchen gegen England weiter?

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·11 juillet 2026

Wenn Norwegen und England im WM-Viertelfinale aufeinandertreffen, ist die Favoritenrolle vermeintlich klar verteilt. Ein Außenseiter sind die Skandinavier aber schon lange nicht mehr.
Die Mannschaft von Trainer Stale Solbakken hat sich im Laufe des Turniers nicht nur zu einem Geheimfavoriten, sondern auch zu einem echten Publikumsliebling entwickelt. Dass das Team um Erling Haaland auch nach dem Duell mit den Three Lions wieder losrudern darf, ist nicht ausgeschlossen.
Spätestens mit dem verdienten 2:1 über Rekordweltmeister Brasilien haben die Skandinavier bewiesen, dass sie längst im Orchester der großen Fußballnationen mitspielen können. Rhythmus haben die Norweger dabei nicht nur beim Feiern mit ihren Fans, auch auf dem Platz verfolgt die Elf einen klaren Plan.
Angeführt wird Norwegen von zwei Dirigenten. Tormaschine Erling Haaland hat bei seiner ersten WM bereits sieben Tore erzielt und mit seinem Doppelpack Brasilien fast im Alleingang aus dem Wettbewerb geworfen. Kapitän Martin Ödegaard steht weniger im Mittelpunkt, ordnet das Spiel aber mit einer beeindruckenden Ruhe, wie nahezu jeder Brasilianer nach der Niederlage staunend berichtete. Der Regisseur des FC Arsenal wartet zwar noch auf sein erstes Tor, sammelte aber bereits drei Assists.

Foto: Getty Images
Neben der überragenden Premier-League-Stars hat Solbakken ein starkes Kollektiv geformt und profitiert von einem klug zusammengestellten Kader. Fast alle Akteure spielen in Top-Ligen, ergänzt wird das Aufgebot durch drei Spieler von Champions-League-Sensation Bodö/Glimt.
Auf nahezu jeder Position kann Solbakken zwei Spieler mit unterschiedlichen Stärken aufbieten. Antonio Nusa (RB Leizpig) kann auf dem linken Flügel mit seinen Dribblings jede Abwehr auseinanderreißen, Andreas Schjelderup (Benfica) schlägt hervorragende Flanken. Auf der anderen Seite stürmt entweder Atletico-Kante Alexander Sörloth mit seiner Wucht über die Außenbahn oder der filigrane Oscar Bobb (Fulham) sucht die 1-gegen-1-Situationen.
Im Zentrum stehen Ödegaard mit Patrick Berg und Sander Berge zuverlässige Arbeiter zur Seite, die dem Spielmacher den Rücken freihalten. Zwischen den Pfosten hat sich der ehemalige Ingolstadt-Schlussmann Örjan Nyland (vereinslos) mit seinen Rettungstaten gegen Brasilien zum Nationalhelden aufgeschwungen.
Dass Norwegen gegen Thomas Tuchels Engländer trotzdem leicht in der Außenseiterrolle sind, liegt zum einen an der enormen individuellen Qualität der Three Lions, zum anderen an der Abwehr der Skandinavier. Auch die ist mit Akteuren wie Julian Ryerson (BVB), Kristoffer Ajer (Brentford) und Leo Östigard (Genua) grundsätzlich solide besetzt, hat aber mit Ball am Fuß Probleme.

Foto: Getty Images
Brasilien hat Norwegen den Ball überlassen und nicht hoch angelaufen – ein grober Fehler von Trainerlegende Carlo Ancelotti. Denn genau dort, im Übergang zwischen Abwehr und Mittelfeld, ist Norwegen zu knacken. England wird diesen Fehler nicht wiederholen, schließlich beherrscht kaum eine Mannschaft das Gegenpressing so gut wie Tuchels Titelanwärter. Auch wenn England bisher nicht immer glänzen konnte, eroberte sie immer wieder schnell in der Nähe des gegnerischen Tores den Ball zurück.
Ob die Three Lions den stabilen norwegischen Block knacken werden, wird einmal mehr von ihren zwei Unterschiedsspielern abhängen. Gewissermaßen erfüllen Harry Kane und Jude Bellingham ähnliche Rollen wie Haaland und Ödegaard, auch wenn sie völlig andere Spielertypen sind. Dennoch sind beide die herausragende Figuren in einem starken Kader, auch weil sie nicht so ausgelaugt wirken, wie ihre Teamkollegen aus der Premier League.
Gerade Bellingham stand vor dem Turnier immer wieder in der Kritik, hat mit vier Toren und einer Vorlage aber eindrucksvoll seine Klasse bewiesen. Selbst ZDF-Experte Christoph Kramer, der den ehemaligen Dortmunder oft kritisiert hat, staunte. „Ich habe ihn in der Vergangenheit häufig kritisiert. Ich muss aber wirklich sagen: Er ist momentan der Unterschiedsspieler, der er immer sein sollte“, lobte der Weltmeister von 2014.

Foto: Getty Images
Das Viertelfinale am späten Samstagabend wird ein Duell, das eine Menge an Geschichten bereithält – weil beide Teams einiges gemeinsam haben. Beide haben gerne den Ballbesitz auf ihrer Seite, beide haben aber auch Qualitäten im Umschalten. Beide verfügen über ein herausragendes Offensivduo, das aus einem guten Kollektiv hervorsticht und den Unterschied machen kann.
Übrigens: Für Thomas Tuchel und Stale Solbakken ist es nicht das erste Aufeinandertreffen. In der Saison 2011/2012 trafen die beiden bereits mit Mainz und Köln in der Bundesliga aufeinander. Nach einem 1:1 im Hinspiel, gewannen Tuchels Nullfünfer das Rückspiel am 30. Spieltag deutlich mit 4:0 und besiegelten damals die Entlassung von Solbakken beim Effzeh. Gibt es nun auf der größten Bühne die späte Revanche?
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